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Freimaurer in Bayern: Wahrheit, Freundschaft und Kugelung | BR24

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Besuch bei den Freimaurern in Fürth

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Freimaurer in Bayern: Wahrheit, Freundschaft und Kugelung

Wer an Freimaurer denkt, denkt vermutlich an Filme wie "Sakrileg", basierend auf den Bestsellern von Dan Brown. Darin geht es um das Schicksal der Welt bestimmenden Geheimgesellschaften. Mit den wahren Freimaurern hat das nichts zu tun.

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Mit seinem schwarzen Smoking und dem weißen Hemd mit weißer Fliege sieht Hannes Brach aus wie ein Mann auf dem Weg zum Schwarzweiß-Ball oder in die Oper. Nichts deutet daraufhin, dass der 76-Jährige Bayerns oberster Freimaurer ist. Auch die schwarze Reisetasche ist auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Aber sie birgt die Insignien, die ihn eindeutig als Mitglied der Freimaurer ausweisen. Deshalb legt er die erst im Inneren des Logenhauses in Fürth an: Weiße Seidenhandschuhe ein schwarzer Zylinder, den Schurz und den Bijou, eine Art Schmuck-Kette, an deren Ende zum Beispiel ein goldenes Winkelmaß oder ein goldener Zirkel hängen.

Insignien der Freimaurer

© BR/Mathias Flasskamp

Freimaurer

Die weißen Handschuhe stehen symbolisch für die reine Seele, der schwarze Zylinder für die Gleichheit unter den Brüdern, der Zirkel für die Abgrenzung des eigenen Lebenskreises und das Winkelmaß für Rechtschaffenheit. Hannes Brach, der vom Lehrlings- über den Gesellen- und Meistergrad bis zum bayerischen Distriktmeister aufgestiegen ist, ist seit rund 30 Jahren Freimaurer.

"Ich wollte meinem Leben mit Mitte 40 nochmal einen neuen Impuls geben. Das Ziel, die Welt ein Stückchen besser zu machen und damit bei sich selbst anzufangen, hat mich beeindruckt." Hannes Brach, Distriktmeister

In dieser Zeit habe er stets an sich gearbeitet und so einige Charakterschwächen wie Jähzorn und Eifersucht überwunden, so Brach.

Kontemplative Übungen bei den regelmäßigen Treffen

Mit seinen Brüdern von der Loge "Zur Wahrheit und Freundschaft" trifft er sich regelmäßig im sogenannten Tempel. Der große Raum ist das Zentrum eines jeden Logenhauses: auf halbhohen Säulen flackern Kerzen, an der Seite befindet sich eine Reihe gepolsterter Stühle, auf denen die Brüder sitzen. Allegorische Wandbilder zeigen den Aufstieg vom Lehrling zum Meister.

"Meister vom Stuhl" leitet Tempelarbeit

Am Kopfende steht in großer, thronartiger Stuhl aus dunklem Holz, auf dem der sogenannte "Meister vom Stuhl" Platz nimmt. Er leitet die Tempelarbeit, die für Außenstehende wie ein autogenes Training wirkt. Mit kontemplativen Übungen versuchen die Brüder, ihren Tag zu reflektieren und den Geist zu beruhigen. Regelmäßige Rituale wie die sogenannte Kette bei der sich die Freimauer im Kreis aufstellen und sich die Hände reichen, sorgen für Verbundenheit.

© BR/Mathias Flasskamp

Zentrum des Logenhauses in Fürth

© BR/Mathias Flasskamp

Allegorisches Wandbild

© BR/Mathias Flasskamp

Thronartiger Stuhl aus dunklem Holz

© BR/Mathias Flasskamp

Symbole der Freimaurer

© BR/Mathias Flasskamp

Inneres des Logenhauses in Fürth

© BR/Mathias Flasskamp

Das Logenhaus von außen

Kugelung für neue Freimaurer

Über Neuaufnahmen wird bei Freimaurern in einer geheimen Abstimmung entschieden. Bei der sogenannten Kugelung legen alle Brüder eine Kugel in eine Urne, jeweils eine weiße oder eine schwarze. Nur wenn in der Urne ausschließlich weiße Kugeln sind, ist der Neuling aufgenommen. Franz Diwischek ist Lehrling in der Loge "Zur Wahrheit und Freundschaft" in Fürth. Erst im Dezember 2019 wurde er aufgenommen. Davor hat er ein Jahr lang Gästeabende der Loge besucht.

Der Schritt zum Freimaurer, von denen es in Bayern aktuell rund 2.500 gibt, will gut überlegt sein. Es ist ein Bund auf Lebenszeit. Franz Diwischek war sich darüber im Klaren und sehr sicher.

"Die Ideale von Toleranz, Menschlichkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit finde ich in der modernen Welt besonders interessant, und gleichzeitig hat mich die Möglichkeit fasziniert, mit Menschen verschiedener Alters- und Berufsgruppen regelmäßig ins Gespräch zu kommen." Franz Diwischek

Nach der Tempelarbeit wechseln die Brüder nach nebenan in einen salonähnlichen Raum, wo ein kleiner Imbiss bereit steht: Fränkische Bratwürste und Kartoffelsalat. Gemeinsam wird gespeist. Hannes Brach greift beherzt zu.

"Auch solche gemeinsamen Unternehmungen sind wichtig, das ist bei Freimaurern nicht anders als bei anderen Vereinen." Hannes Brach, Distriktmeister
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Je weniger man über sie weiß, desto mehr traut man ihnen zu: den Freimaurern. Was hat es mit der geheimnisumwitterten Vereinigung auf sich?

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