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Freie Wähler wollen mehr Hilfe für herrenlose Katzen | BR24

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Mehr Geld für den Tierschutz wünscht sich die Landtagsfraktion der Freien Wähler. Konkret geht es um die Kastration herrenloser Katzen. Im neuen Doppelhaushalt wurde ein entsprechender Antrag eingebracht.

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Freie Wähler wollen mehr Hilfe für herrenlose Katzen

Mehr Geld für den Tierschutz wünscht sich die Landtagsfraktion der Freien Wähler. Konkret geht es um die Kastration herrenloser Katzen. Im neuen Doppelhaushalt wurde ein entsprechender Antrag eingebracht.

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200.000 Euro sollen für die Kastration herrenloser Hauskatzen bereitstehen. Benno Zierer hat sich dafür eingesetzt, er ist Abgeordneter der Freien Wähler aus Freising und tierschutzpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Das Problem kennt er aus eigenem Alltag.

"Es gibt Katzen, die laufen ihrem Besitzer davon; es gibt Katzen, die werden ausgesetzt und die verwildern dann über die Jahre hinweg. Sie schließen sich mit anderen Cliquen zusammen und bekommen Junge. Das Drama bei diesen Katzen ist, dass sie sich zügellos vermehren und dadurch auch Krankheiten mit sich tragen. Ich bin angesprochen worden von Tierschützern und kenne das auch aus einem Nachbardorf, und ja das Leid der Katzen anzuschauen, das ist nicht so unbedingt das, was man sich vorstellt." Benno Zierer, Freie Wähler

Bis zu 20 Fälle pro Tag in Tierklinik

Im Tierheim in München weiß man gut, wovon Zierer spricht. Hier werden jede Woche herrenlose Katzen kastriert, manchmal 20 Tiere am Tag. Ohne Ehrenamtliche geht gar nichts. Irmgard Passauer zum Beispiel. Sie wohnt in Forstinning im Landkreis Ebersberg, fängt in ihrer Umgebung streunende Katzen ein und bringt sie zur Kastration ins Tierheim.

"Dazugekommen bin ich 1991. Damals sind wir auf das Land gezogen. Beim Spazieren gehen mit den Kindern habe ich damals das erste Mal dieses Leid gesehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon Tierschutzfreunde in München, die mir für Bauernhofkatzen in meinem Umfeld Kastrationen ermöglichten. Das spricht sich herum und so mache ich das jetzt seit 27 Jahren." Irmgard Passauer, Katzenhelferin

An einem Platz wohnen manchmal ganze Katzenkolonien. Das kann eine Kiesgrube, ein verlassener Hof, ein Gewerbegebiet oder eine Schrebergartensiedlung sein. Die Ehrenamtlichen stellen an solchen Plätzen Lebendfallen auf und bringen die Katzen ins Tierheim. In München wartet dann schon Tierärztin Sabine Mooshuber auf sie.

"Das Bild, das man hier sieht, wenn die Tiere kommen, ist einfach erschreckend und es blutet einem das Herz. Die sind abgemagert, ganz ganz dünn, man spürt die Knochen überall, die Augen sind ganz oft hochgradig entzündet. Manchmal laufen die Augen aus, schon ganz kleine Katzen, die blind sind, die nichts mehr sehen. Wenn es ältere Tiere sind, sind oft auch die Zähne ein riesiges Problem. Das ist oft ein Eiterherd neben dem anderen. Parasiten wie Zecken und Flöhe sind über den gesamten Köprer verteilt. Oft operiere ich und dann springen mich die Flöhe an. Es ist der Wahnsinn. Es kommt immer Nachschub, es nimmt nie ein Ende." Tierärztin Sabine Mooshuber

Keine Kastrationspflicht in Bayern

Dieses Leid wollen die Tierschützer mit der Kastration eindämmen. Denn Katzen werden schon etwa mit einem halben Jahr geschlechtsreif, bekommen mit jedem Wurf zwischen drei und acht Junge – theoretisch zwei- bis dreimal im Jahr. Von einer Kastrationspflicht, wie es sie zum Beispiel in Österreich und vielen deutschen Kommunen im Nordwesten Deutschlands gibt, ist in Bayern bisher nicht die Rede.

Kosten pro Fall wären gut angelegtes Geld - auch im Sinne der Tiere

Im Mai wird der Staatshaushalt endgültig beschlossen. Dann geht es um die Verteilung des Geldes. Denkbar ist, dass Tierschutzvereine das Geld für ihre Kastrationsprogramme bekommen. Zwar muss Sabine Mooshuber ab und zu Tiere einschläfern, wenn sie zu krank oder zu schwer verletzt sind. Die allermeisten Katzen überstehen die kurze Operation aber gut, sie werden noch geimpft und entwurmt und dürfen ein bis zwei Tage später wieder dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Zwischen 80 und 150 Euro kostet eine Kastration. Sinnvoll investiertes Geld, findet Tierschützerin Irmgard Passauer.

Den kastrierten Katzen geht es besser

"Also ich kenne viele Populationen freilebender Katzen. Wenn man sieht, wie sich dieser Bestand verbessert, ob vom Ernährungszustand, vom Gesundheitszustand, muss man weitermachen. Das geht gar nicht anders." Irmgard Passauer, Tierschützerin