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© pa/dpa|Andreas Gebert

Hubert Aiwanger

Einmal habe er in den Gesprächen mit der CSU bisher wortwörtlich auf den Tisch gehauen. Bei welchem Thema, das will Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger nicht sagen. Insgesamt ist er mit den Koalitionsverhandlungen aber zufrieden. "Wir werden im Lauf der nächsten Woche die Dinge einsacken", sagt Aiwanger im B5 Interview der Woche. Inhaltlich seien die Verhandlungspartner von CSU und Freien Wählern im Großen und Ganzen durch. Nun gehe es noch um Detailfragen, den Zuschnitt der Ressorts und letztendlich die Postenvergabe.

Aiwanger als stellvertretender Ministerpräsident

Aiwanger selbst stellt sich bereits darauf ein, das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten zu übernehmen. "Darauf wird es wohl rauslaufen", so Aiwanger. "Es ist jetzt nicht mein Lebensziel, dass ich sag', wenn ich das nicht krieg', dann kann ich nicht in Ruhe sterben." Aber es gehöre nun mal dazu, dass man bei einer "Regierungspartnerschaft" die Stellvertreterposition übernimmt.

Ressortzuschnitte noch offen

Welches Ministerium er für sich in Anspruch nehmen möchte, hält Aiwanger weiterhin geheim. Fest steht für ihn ohnehin: "Die Ressorts werden neu gewürfelt." Nichts sei in Stein gemeißelt und die eine oder andere Korrektur am Zuschnitt eines Ministeriums mache durchaus Sinn. Bekannt ist, dass die Freien Wähler gerne den Bereich Heimat und Landesentwicklung übernehmen würden. Dafür müsste es wohl vom Finanzressort, das die CSU für sich beanspruchen wird, getrennt werden.

"Koalition mit der CSU alternativlos"

Auf die Frage, ob die Freien Wähler als kleiner Partner der CSU nicht Gefahr laufen, langfristig an Profil zu verlieren, spricht Aiwanger von einem kalkulierten Risiko, für das es keine Alternative gebe.

"Würden wir nur zusehen, wie Schwarz-Grün regiert, würden alle unsere Ideen gleich im Abfalleimer landen." Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler

"Ich will keinesfalls abheben"

Damit die Freien Wähler dennoch nicht von einer starken CSU klein gemacht werden, kündigt Aiwanger an, dass die Freien Wähler auch weiterhin viel im Land unterwegs sein werden, um Themen aufzuspüren und präsent zu bleiben.

"Wir müssen innovativ bleiben und Themen erkennen und nicht nur stoisch einen Koalitionsvertrag abarbeiten. Also ich will nie abheben. Ich weiß, dass das politisch tödlich wäre. Wir müssen beim Bürger bleiben." Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler

Gut 200 Themen diskutiert

In der vergangenen Woche habe man mit der CSU gut 200 Themen besprochen. Die meiste Zeit sei es um ganz konkrete Alltagsprobleme gegangen, die die Leute vor Ort, in den Kommunen beschäftigen. Zum Beispiel um die kostenfreie Kita, die die Freien Wähler zur Koalitionsbedingung gemacht haben:

"Hier wird eine Gesamtlösung kommen, die viele überraschen wird. Also für Familien wird es sehr gut ausgehen am Ende." Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler

Teurer Kompromiss?

Er werde für "übliche Betreuungszeiten eine Kostenfreiheit durchsetzen", so Aiwanger. Zusammen mit dem von der CSU erst kürzlich eingeführten Familiengeld für Ein- und Zweijährige dürfte das den Freistaat um die 1,3 Milliarden Euro pro Jahr kosten.