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Kostenlose Stadtführungen erobern Nürnberg | BR24

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Nicht alle freuen sich über "Free Tours"

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Kostenlose Stadtführungen erobern Nürnberg

"Zahle, was Du willst" – dieses Preismodell, bei dem der Kunde den Preis festlegt, fasst inzwischen auch bei Stadtführungen Fuß: Sogenannte "Free Tours" erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit, inzwischen auch in Nürnberg.

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Der Schöne Brunnen, die Sebalduskirche oder natürlich die Kaiserburg sind Besuchermagnete in der Nürnberger Altstadt. Oft ziehen ganze Scharen von Touristen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.

Immer häufiger werden sie inzwischen angeführt von jungen Leuten mit grün-weißen Schildern und T-Shirts mit der Aufschrift "Free Walking Tours". Initiiert hat diese Stadtführungen auf Trinkgeldbasis in Nürnberg Dorian Barbera. Für ihn liegt der Reiz der Touren unter anderem in der Spontaneität: "Man muss sich nicht anmelden, man kann einfach mitkommen." Die Führungen beschreibt er als relativ dynamisch und entspannt. "Ein bisschen mehr Entertainment als vielleicht die normale geschichtliche Führung."

Stadtführungen nach dem Trinkgeld-Prinzip

Am Ende der Tour "zahlen" die Besucher dann so viel, wie ihnen die Führung wert war. Von Trinkgeld ist dabei die Rede. Genau das stößt dem Verein der Gästeführer Nürnbergs sauer auf: Der Verein kritisiert, dass seine ausgebildeten und geprüften Stadtführer das Nachsehen haben könnten, wenn andere ihre Touren vermeintlich kostenlos anbieten: Auch das freiwillige Trinkgeld sei eine Bezahlung, argumentieren die Gästeführer. "Da habe ich halt einfach meine Bauchschmerzen damit. Weil das im Grunde genommen eine Bezahlung für eine Leistung ist, die du erbracht hast", erklärt Mimi Hertlein, Vorsitzende des Vereins der Gästeführer Nürnbergs.

Verschiedene Konzepte?

Dorian dagegen sieht sich nicht als Konkurrenz zu den anderen Stadtführern, wenn er seinen Gästen die Altstadt zeigt. Viel mehr als historische Fakten werden bei ihm Entertainment, Insidertipps und Ausgeh-Empfehlungen nachgefragt, erzählt er.

Außerdem glaubt er nicht, dass seine Gäste ohne Free Tours eine konventionelle Tour gebucht hätten. In seinen Augen macht erst das Trinkgeld-Modell Touristen mit wenig Reisebudget oder Hemmungen eine Stadtführung schmackhaft – und bringt sie vielleicht sogar auf den Geschmack für mehr. "Die gehen vielleicht dann noch auf andere Führungen, vielleicht mal in die Felsengänge oder auf die Burg hoch, was sie sonst nie gemacht hätten, wo sie nie draufgekommen wären. Also ich sehe das eher als Bereicherung für den Tourismus in Nürnberg und für jeden, der auf diese Tour mitkommt."

Tourismus-Zentrale sieht das Phänomen gelassen

Bei seinen Gästen kommt der Mix aus Geheimtipps und Unterhaltung gut an. Und auch in der Nürnberger Tourismus-Zentrale sieht man das Phänomen der Free Tours gelassen: Die Welt der Stadtführungen sei mit Erlebnis-, Kostüm oder Themenführungen ohnehin schon bunt und werde durch die Free Tours eben noch ein bisschen bunter, sagt Geschäftsführerin Yvonne Coulin. Einen Rückgang von Buchungen der Vereins-Gästeführer kann sie nicht feststellen.