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"Frechheit": Flüchtlingsrat verärgert über Corona-Teststrategie | BR24

© picture alliance/Matthias Balk/dpa

Archivbild: Corona-Tests in einer Wohncontaineranlage für Flüchtlinge

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    "Frechheit": Flüchtlingsrat verärgert über Corona-Teststrategie

    Bayerns Corona-Maßnahmen in Asylunterkünften stoßen auf scharfe Kritik. Flüchtlingsrat und Landesverband der Caritas verlangen Korrekturen am neuen Test- und Quarantäne-Konzept der Staatsregierung. Das Innenministerium verteidigt die Strategie.

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    Intensive Corona-Test nicht nur bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten sowie bei Saisonarbeitern in landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch bei Asylbewerbern: Im Zuge der Ausweitung der bayerischen Corona-Teststrategie hat die bayerische Staatsregierung vergangene Woche unter anderem neue Regeln für Flüchtlingsunterkünfte beschlossen. Demnach sollen Asylbewerber nicht nur vor jeder Verlegung in eine andere Einrichtung verdachtsunabhängig getestet werden, sondern auch bei jedem Arztbesuch in einem der sogenannten Ankerzentren - völlig unabhängig davon, welche Beschwerden sie zum Mediziner führen.

    Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisiert den Kabinettsbeschluss mit deutlichen Worten. "Eine Respektlosigkeit sondergleichen ist das", sagte Flüchtlingsrat-Sprecher Stephan Dünnwald der "Süddeutschen Zeitung". Zwar sei es grundsätzlich gut, mehr zu testen. Aber jeden zu einem Test zu verpflichten, der mit Knieschmerzen zum Arzt gehe, sei "eine Frechheit".

    Flüchtlingsrat: Umstände in Unterkünften verbessern

    Statt solcher Pflichttests bei jedem Arztbesuch wären nach Überzeugung des Flüchtlingsrats in Asylunterkünften andere Maßnahmen im Kampf gegen eine Corona-Ausbreitung nötig. Wichtiger wäre es laut Dünnwald, die Umstände in Unterkünften zu verbessern, damit Hygieneregeln eingehalten werden können. "Teilweise benutzen 30  Menschen eine Toilette", beklagte er und forderte: "Die Staatsregierung muss die Bewohner besser auf die Unterkünfte verteilen."

    Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte vergangene Woche versichert, Bayern bemühe sich um eine reduzierte Belegung der Asylunterkünfte: "Der in der Pandemie massiv zurückgegangene Zugang neuer Asylbewerber hilft uns aktuell, die Belegung wo immer möglich zu entzerren, sei es etwa in Kantinen oder bei der Belegung der Zimmer."

    Caritas kritisiert Quarantäne für komplette Einrichtung

    Kritik kommt auch vom Referenten für Integration und Migration beim Landesverband der Caritas, Stefan Wagner. Ihm sind vor allem die Beschlüsse des Kabinetts zu Quarantänemaßnahmen in bayerischen Asylunterkünften ein Dorn im Auge. Denn bei einem Positiv-Fall sollen alle Bewohner und Beschäftigte getestet und die gesamte Einrichtung für mindestens 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden. Erst wenn bei einem weiteren Test kein Bewohner positiv ist, soll die Quarantäne aufgehoben werden.

    Wagner verweist darauf, dass in anderen Einrichtungen, zum Beispiel in Pflegeheimen, jene Menschen isoliert werden, die sich infiziert haben. "Warum werden bei Asylunterkünften aber alle Bewohner unter Quarantäne gestellt?" Flüchtlingsrat-Sprecher Dünnwald bezeichnete diese Strategie als "diskriminierend".

    Ministerium wehrt sich

    Ein Sprecher des bayerischen Innenministerium wies die Kritik auf BR-Anfrage "entschieden zurück". Die Corona-Krise sei nach wie vor nicht ausgestanden, es brauche weiterhin eine konsequente Bekämpfung der Pandemie. "Dazu gehört, möglichst viel zu testen und im Infektionsfall schnell und konsequent zu handeln", sagte er und fügte hinzu: "Das gilt für alle Lebensbereiche und damit selbstverständlich auch für Asylunterkünfte."

    Innenminister Herrmann hatte bereits vergangene Woche deutlich gemacht, dass er mehr verdachtsunabhängige Tests in Asylunterkünften für notwendig hält: "Das Ziel ist ein bestmöglicher Überblick über das dortige Infektionsgeschehen."

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