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Frauenhaus Passau kurz vor der Erweiterung | BR24

© BR/Katharina Häringer
Bildrechte: BR/Julia Müller

Eine Million Euro für das Passauer Frauenhaus: Nun kann die Einrichtung wohl erweitert werden.

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Frauenhaus Passau kurz vor der Erweiterung

Wenn Frauen in Not nach Hilfe suchen, stehen sie oft vor einem überfüllten Frauenhaus und werden abgewiesen. In Niederbayern fehlen viele Plätze. In Passau soll sich das nun ändern. Die Einrichtung wird erweitert.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Häusliche Gewalt unter Paaren und Ex-Partnern nimmt laut einer Statistik der Bundesregierung seit Jahren zu. Daran soll der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen heute erinnern. Die Probleme gehen oft weiter: Wenn Frauen in Not in ein Frauenhaus wollen, werden sie im schlimmsten Fall abgewiesen, weil die Häuser voll sind. Doch in Passau könnte sich das nun ändern.

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Hildegard Stolper kann ihre Freude immer noch nicht in Worte fassen. "Mehrere Nächte konnte ich vor Glück kaum schlafen", erzählt sie. Der Grund: Eine alte Schulfreundin hat viel Geld geerbt und will dem Passauer Frauenhaus eine Million Euro schenken. Damit kann das Haus erweitert werden von neun auf 14 Plätze.

Welle nach dem Lockdown

"Die Spende kommt gerade richtig", sagt Stolper, die sich seit 20 Jahren ehrenamtlich um Frauen in Not kümmert. 92 Frauen wurden im vergangenen Jahr in Passau abgewiesen, weil das Haus voll war. In diesem Jahr kommt die besondere Lebenssituation durch die Pandemie dazu, sagt Selina Wagner, Leiterin des Frauenhauses. Die Notrufe kamen in Wellen. "Gerade während des Lockdowns war es bei uns auffällig ruhig. Da waren die Täter zuhause und die Frauen hatten keine Möglichkeit, sich zu melden. Während der Zeit der Lockerungen haben dann die Frauen vermehrt Kontakt zu uns aufgenommen."

Neuanfang im Frauenhaus

Eine Bewohnerin ist 30 Jahre alt und mit ihrem dreijährigen Sohn vor wenigen Monaten eingezogen. Als sie sich von ihrem Mann trennen wollte, fing er an, sie zu vergewaltigen. "Manchmal hat er mich jede Nacht gezwungen, ein halbes Jahr lang", sagt sie. Im Frauenhaus fühlt sie sich sicher. Sie hofft, von hier aus nochmal anfangen zu können. In kleinen Schritten geht es schon voran: Hildegard Stolper hat ihr einen Mini-Job vermittelt.

Zu wenig Plätze in Niederbayern

In Niederbayern gibt es zu wenig Frauenhaus-Plätze. Neben dem Frauenhaus in Passau gibt es noch Häuser in Straubing, Landshut und Kelheim, wobei das Kelheimer Haus Regensburg zugeordnet ist. So gibt es in ganz Niederbayern genau genommen nur 29 Plätze. Das bayerische Sozialministerium sieht für diesen Bereich einen Bedarf von 42 Plätzen. Die Erweiterung ist also für den ganzen Bezirk wichtig.

Stadt Passau muss noch zustimmen

Geht es nach Hildegard Stolper, würde der Erweiterungsbau in Passau schon stehen. Doch noch fehlt die Zusage der Stadt. So lange die nicht vorliegt, ist das Projekt gestoppt. Bei der Stadt wird laut Stolper noch die Finanzierung durchgerechnet. Zwar würde mit der Millionen-Spende der Anbau komplett gedeckt werden, doch werden mit weiteren fünf Plätzen im Frauenhaus natürlich die Unterhaltskosten steigen.

Daher müssen alle Kostenträger zustimmen. Grünes Licht haben schon Bayerns Sozialministerin sowie die Landräte aus den Kreisen Passau und Freyung-Grafenau gegeben. Hildegard Stolper hofft, dass die Zusage bald kommt und dass im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann.

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