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Bildrechte: Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks

Immer mehr Frauen erlernen Handwerksberufe -  auch solche, bei denen es ordentlich zur Sache geht. Zum Beispiel drei Cousinen aus dem Landkreis Landsberg, die als Zimmerinnen auf dem Bau arbeiten.

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Frauen im Handwerk: Drei Cousinen arbeiten als Zimmerinnen

Fliesenleger, Maler, Schreiner: Viele denken hier ganz selbstverständlich an einen Mann. Doch auch immer mehr Frauen erlernen Handwerksberufe und natürlich auch solche, wo es robust zur Sache geht – wie drei Cousinen aus dem Landkreis Landsberg.

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Von
  • Florian Regensburger

Immer mehr Frauen arbeiten im Handwerk, längst nicht mehr nur zum Beispiel als Friseurin oder Goldschmiedin. Auch in einer klassischen Männerdomäne, dem Bau- und Bauausbaugewerbe, nehmen die Zahlen stetig zu. Zu dieser Berufsgruppe zählt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unter anderem Dachdecker, Fliesenleger und Maurer. In all diesen Professionen haben 2020 auch Frauen erfolgreich ihre Gesellenprüfungen abgelegt – selbst als Beton- und Stahlbetonbauer oder Gerüstbauer. Noch etwa 2005 hatte es in den letztgenannten Berufen keine einzige weibliche Absolventin gegeben.

Drei Cousinen arbeiten als Zimmerinnen

Auch der Beruf des Zimmerers beziehungsweise der Zimmerin zählt zum Bau- und Bauausbaugewerbe. Im Landkreis Landsberg zum Beispiel arbeiten aktuell unter anderem drei junge Frauen, die Schwestern beziehungsweise Cousinen sind, als Zimmerinnen: Kathi und Sabrina Schmid als Gesellinnen bei Holzbaubetrieben in Kaltenberg und Landsberg sowie Elisabeth Schmid als Auszubildende im dritten Lehrjahr bei einer Zimmerei in Penzing.

"Als unser Dach zuhause saniert wurde, fand ich das spannend"

Die 21-jährige Kathi Schmid ist als Frau im Zimmererhandwerk noch immer eine Rarität. Zu dem Holzberuf sei sie eher zufällig gekommen, "als ich auf der Ausbildungsmesse Kaufering den Stand der Zimmerer-Innung entdeckt und meinen heutigen Chef kennengelernt habe", sagt sie. Ihre 19-jährige Schwester Sabrina wollte die Ausbildung nach eigener Aussage zuerst eigentlich nicht machen, weil Kathi bereits Zimmerin gelernt hat.

"Aber als unser Dach zuhause saniert wurde, fand ich das spannend und hab ein Praktikum in meinem heutigen Betrieb gemacht. Zwei Arbeitskollegen haben mich dann von der Lehre überzeugt." Elisabeth, ebenfalls 19 Jahre alt, hat sich zunächst als Schreinerin versucht, aber schon beim Praktikum gemerkt, dass ihr da die frische Luft fehle und man viel drinnen arbeitet. "Deswegen passt Zimmerin doch besser", sagt sie.

"Das Handwerkliche", sagt Sabrina, stecke schon seit Kindesbeinen in den Dreien drin. Sie seien alle drei auf einem Bauernhof aufgewachsen, haben schon von klein an "mit Holz gewerkelt und zum Beispiel Katzen- und Vogelhäuser gebaut oder Holzdeko gebastelt".

"Meine Kollegen wollten mir alles gentlemanlike abnehmen"

In der Männerdomäne Bauhandwerk Fuß zu fassen und dabei auch ernst genommen zu werden, war zunächst jedoch eine Herausforderung. "Meine Kollegen waren anfangs skeptisch und wollten mir alles gentlemanlike abnehmen", sagt Sabrina. "Aber die haben schnell kapiert, dass wir auch anpacken können", ergänzt Kathi. Zudem: Es gebe heute Kräne und unterstützende Maschinen auf der Baustelle, womit die Arbeit körperlich deutlich weniger schwer sei.

Zahlen belegen Trend hin zu mehr Frauen im Bauhandwerk

Aktuell arbeiten zwar nur knapp zwei Prozent Frauen als Gesellinnen oder Meisterinnen im Zimmererhandwerk. Dass es bei den Auszubildenden schon an die drei Prozent seien, zeige aber einen ansteigenden Trend, sagt Anna Schwarz vom bayerischen Zimmererverband dem BR.

Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks belegen die allgemeine Entwicklung hin zu mehr Frauen im Bauhandwerk: Haben im Jahr 2005 noch lediglich knapp fünf Prozent Frauen erfolgreich ihre Gesellenprüfung im Bau- und Ausbaugewerbe abgelegt, waren es 2020 schon rund acht Prozent. Im Zimmererhandwerk ist der Trend – wenn auch auf insgesamt niedrigerem Niveau – mit einer Steigerung von einem auf rund drei Prozent sogar noch deutlicher.

Kathi, Sabrina und Elisabeth Schmid tragen ihren Teil dazu bei und wollen auch andere junge Frauen ermutigen, jenseits von klassischen Geschlechterrollen einfach den Beruf zu wählen, den sie gerne machen wollen. Als Ziel haben alle drei die Meisterprüfung im Blick.

Grafik: Der Anteil von Frauen im Baugewerbe

© BR / Uli Kölbl
Bildrechte: BR / Uli Kölbl

Im Zimmererhandwerk sich hat der Frauenanteil bei den erfolgreich abgelegten Gesellenprüfungen in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht.

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