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Frau überfahren: Staatsanwaltschaft geht nach Urteil in Berufung | BR24

© Susanne Günther/BR-Mainfranken

5.000 Euro Geldstrafe statt Gefängnis: So lautet das Urteil für einen Mann vor dem Amtsgericht Würzburg. Betrunken hatte er bei Untereisenheim eine Frau überfahren, die kurze Zeit später gestorben ist. Die Staatsanwaltschaft geht nun in Berufung.

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Frau überfahren: Staatsanwaltschaft geht nach Urteil in Berufung

5.000 Euro Geldstrafe statt Gefängnis: So lautet das Urteil für einen Mann vor dem Amtsgericht Würzburg. Betrunken hatte er bei Untereisenheim eine Frau überfahren, die kurze Zeit später gestorben ist. Die Staatsanwaltschaft geht nun in Berufung.

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Nach dem milden Urteil im Prozess um den Tod einer jungen Frau in Untereisenheim im Landkreis Würzburg hat die Staatsanwaltschaft Würzburg Berufung eingelegt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach dem Bayerischen Rundfunk. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung nach Erwachsenenstrafrecht und eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert.

Fahranfänger hat junge Frau betrunken überfahren

Das Gericht hat den jungen Mann aber wegen fahrlässigen Vollrauschs nach Jugendstrafrecht zu einer Geldstrafe verurteilt. Er muss 5.000 Euro bezahlen und hat ein weiteres Jahr Fahrverbot bekommen. Der damals 18-jährige Fahranfänger hatte vor mehr als zwei Jahren eine Frau nach einem Weinfest mit seinem Golf überfahren und war geflüchtet. Auch seine drei Mitfahrer hatten keine Hilfe geholt. Die damals 20-Jährige war ein paar Tage später im Krankenhaus gestorben. Der Autofahrer sei zum Zeitpunkt des Unfalls volltrunken und damit nicht schuldfähig gewesen, so die Begründung des Richters.

Kein leichtes Urteil für den Richter

Der Richter hat sich direkt an die Familie der getöteten Frau gewandt. "Das Urteil fällt mir unsagbar schwer. Als Vater der jungen Frau könnte ich nicht oder nur schwer mit dieser Entscheidung leben. Es gibt Urteile, die man als Richter sein Leben lang im Rucksack mit sich herumträgt. Dieses Urteil ist eines davon", so Richter Bernd Krieger. Es sei ein Urteil, das man als normaler Mensch nicht verstehen könne – sondern nur, wenn man sich in juristischen Fragen auskenne.

Anwalt: "Es gibt nur Verlierer"

Juristisch gesehen musste er genauso entscheiden. Denn das Landgericht als nächst höhere Instanz hätte ein schärferes Urteil gekippt, so Krieger. Die Eltern der getöteten Frau haben gestern versteinert und mit Entsetzen auf das Urteil reagiert. Der Anwalt des Unfallverursachers Hans-Jochen Schrepfer sprach davon, dass sein Mandant ein Alkoholproblem hatte. "Es gibt in diesem Verfahren nur Verlierer: Die Familie, die ihre Tochter verloren hat – aber auch der junge Mann, der den Unfall verursacht hat, hat Probleme in seiner Familie. Der Unfall wird ihn sein Leben lang begleiten", so Schrepfer.

Urteil ist Gesprächsthema in der Region

In der Region ist die Entscheidung des Gerichts großes Gesprächsthema. Viele Menschen reagieren mit Unverständnis. Auch auf den Online-Seiten des Bayerischen Rundfunks diskutieren die Nutzer. "Das Urteil schreit zum Himmel. Es ist ein Freibrief für alle, die ungehemmt 'saufen' wollen und ohne nachzudenken mit dem Auto durch die Gegend rasen. Wenn was passiert, sind sie nicht zurechnungsfähig", schreibt ein User.

Ein weiterer stellt die Frage: "Entschuldigt Alkohol alles?" und ein anderer kommentiert: "Autofahren mit einem Pegel von 2,9 Promille ist kein 'fahrlässiger Vollrausch' und kein 'pubertäres männliches Verhalten' mehr." Es hagelt außerdem Kritik an der Rechtssprechung in Deutschland.