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Berufung im Streuwagen-Prozess am Landgericht Würzburg
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Berufung im Streuwagen-Prozess am Landgericht Würzburg

Damit hatte niemand gerechnet, an diesem Donnerstag im Streuwagen-Prozess vor dem Würzburger Landgericht. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, hat der 58-jährige Angeklagte sein Schweigen gebrochen und nach knapp drei Jahren zugegeben, dass er beim Winterdienst im Januar 2016 aus Versehen eine 71 Jahre alte Fußgängerin überfahren hat.

Geständnis und Entschuldigung im "Streuwagen-Prozess"

Er habe gedacht, er sei über einen gelben Sack gefahren, sagte der Mann vor dem Landgericht. Zudem entschuldigte er sich bei den im Gerichtssaal anwesenden Angehörigen der Toten. Dem ehemaligen Mitarbeiter der Gemeinde Erlabrunn (Landkreis Würzburg) wird vorgeworfen, im Januar 2016 bei Streuarbeiten mit einem Traktor die Fußgängerin übersehen und überfahren zu haben. Die Frau wurde so schwer verletzt, dass sie an Ort und Stelle starb.

Angeklagter aus Erlabrunn schwieg zunächst

Vor einem Jahr war er vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Dagegen legten sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Der Fall wird deshalb seit Ende November erneut verhandelt - diesmal vor dem Landgericht.

Eindringlicher Appell der Würzburger Richterin

Zu Beginn des Berufungsprozesses hatte der 58-Jährige keineswegs erwarten lassen, dass ein Geständnis folgt. Stattdessen wolle er von seinem Schweigerecht Gebrauch machen, so der Mann Mitte November vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin appellierte daraufhin eindringlich an den Mann, Verantwortung zu übernehmen: "Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo wir Weichen stellen können". Das könne seine einzige Chance auf eine Bewährungsstrafe sein, betonte sie.

Streufahrzeug wurde neu lackiert

Im Anschluss an den Unfall hat der Mann nach Auffassung der Staatsanwaltschaft versucht, das Geschehen zu vertuschen. So soll der Streuwagenfahrer, der auch Bauhofleiter und ehemaliger Kommandant der Feuerwehr war, unter anderem dafür gesorgt haben, dass sein Streufahrzeug neu lackiert wurde. Auch Handydaten wurden gelöscht. Bei einer Aussage zugunsten des Angeklagten hatte sich ein Zeuge im ersten Verfahren dermaßen in Widersprüche verstrickt, dass er noch im Gerichtssaal vorübergehend festgenommen wurde.

Angeklagter im Streuwagenprozess

Angeklagter im Streuwagenprozess

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Regionalnachrichten aus Mainfranken vom 06.12.2018 - 10:30 Uhr