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Franken89: Beerdigung der Mutter vom Grenzzaun aus verfolgt | BR24

© Eberhard Schellenberger/BR-Mainfranken

Helene Dietz aus Irmelshausen hat in den 1980er Jahren nicht an der Beerdigung ihrer Mutter im thüringischen Mendhausen teilnehmen dürfen. Der Grund: Mendhausen lag im Sperrgebiet. Sie verfolgte die Beisetzung der Mutter vom Grenzzaun aus.

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Franken89: Beerdigung der Mutter vom Grenzzaun aus verfolgt

Helene Dietz aus Irmelshausen hat in den 1980er Jahren nicht an der Beerdigung ihrer Mutter im thüringischen Mendhausen teilnehmen dürfen. Der Grund: Mendhausen lag im Sperrgebiet. Sie verfolgte die Beisetzung der Mutter vom Grenzzaun aus.

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In der Zeit vor dem Mauerfall waren in den Dörfern im Grabfeld ganze Familien durch Minenstreifen und Stacheldraht getrennt, mir oft dramatischen Folgen. Irmelshausen ist ein kleines Dorf im Grabfeld auf unterfränkischer Seite; in Sichtweite Mendhausen in Thüringen. Während des Kalten Krieges war es für die Bewohner beider Dörfer äußerst schwierig, zusammenzukommen. Vor der Eröffnung des Grenzübergangs Eußenhausen-Meinungen war ein Treffen mit Familienmitgliedern für die Menschen aus Irmelshausen eine Tagesreise. Sie mussten sich außerhalb des Sperrbezirks in Meiningen treffen. Bevor 1972 der "Kleine Grenzverkehr" eingeführt wurde, mussten die Irmelshäuser über den Grenzübergang im hessischen Bebra in die DDR einreisen. Dann ging es über Eisenach nach Meiningen.

Mutter und Tochter durch Todesstreifen getrennt

Helene Dietz wohnte in Irmelshausen, ihre Eltern dagegen im thüringischen Mendhausen. Mit ihrer Mutter hatte Helene Dietz eine feste Vereinbarung getroffen, um sich wenigstens gegenseitig zu sehen: Sie sollte täglich um 12.30 zum Friedhof gehen. Den Mendhausener Friedhof konnte sie von ihrem Küchenfenster einsehen. Eines Tages kam die Mutter nicht mehr zur verabredeten Zeit auf den Friedhof. Helene Dietz bekam Tage später die Nachricht, die Mutter sei in ein Altenheim gekommen. Seitdem war auch der Blickkontakt zwischen Mutter und Tochter unmöglich geworden.

Keine Ausnahmeregelung trotz Todesfall

Die ganze Unbarmherzigkeit des DDR-Systems bekam Helene Dietz beim Tod ihrer Mutter zu spüren. Sie durfte zur Beerdigung ihrer Mutter nicht nach Mendhausen ins Sperrgebiet. Sie musste die Beisetzung der eigenen Mutter auf der anderen Seite des Grenzzauns mitverfolgen – für Helene Dietz einer der schlimmsten Momente ihres Lebens: "Da musste ich am Zaun stehen und musste zugucken, wie sie beerdigt wurde." Nach dem Mauerfall im November 1989 hob die DDR den Sperrbezirk auf. Helene Dietz aus Irmelshausen konnte zum ersten Mal das Grab ihrer Mutter aufsuchen.