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Franken89: Als die Grenze zum Todesstreifen wurde | BR24

© Eberhard Schellenberger/BR-Mainfranken

Während der deutschen Teilung existierten entlang der Landkreise Rhön-Grabfeld und Haßberge 125 Kilometer Metallgitterzaun und Minenfelder zur DDR. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik beobachten Grenzsoldaten die Vorgänge im "Todesstreifen".

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Franken89: Als die Grenze zum Todesstreifen wurde

Während der deutschen Teilung existierten entlang der Landkreise Rhön-Grabfeld und Haßberge 125 Kilometer Metallgitterzaun und Minenfelder zur DDR. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik beobachten Grenzsoldaten die Vorgänge im "Todesstreifen".

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Regelmäßig gab es Veränderungen an der innerdeutschen Grenze – etwa, wenn die Sperranlagen ausgebaut wurden. So fanden 1979 an der Grenze bei Ermershausen auf DDR-Seite Montagearbeiten statt. Zu dieser Zeit wurde ein neuer Metallgitterzaun aufgestellt. Dahinter wurde ein betonierter Kolonnenweg angelegt. Noch weiter in Richtung Osten wurde ein Kraftfahrzeug-Sperrgraben ausgehoben in dem Fertigteile aus Beton verbaut wurden.

Minen sollten "Republikflucht" verhindern

Als auf DDR-Seite ein Minenfeld angelegt wurde, wurden die Arbeiten durch ein Tarnnetz verdeckt, um den bundesdeutschen Grenzzschützern das Beobachten zu erschweren. "Man kann hier nur vermuten, dass die Minen in Dreierreihen verlegt werden. Der Panzer wird von einigen NVA-Soldaten begleitet, die auch verdeckt unter dem Tarnnetz schaffen", berichtete ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes damals und fuhr fort: "Man muss annehmen, dass die Minen anderweitig scharf gemacht werden. Denn in dem Augenblick, indem sie die Rutsche verlassen und im Erdreich verschwunden sind, kann ich mir nicht erklären, dass sie schon scharf sind."

Lebensgefahr auch für Grenzsoldaten

Für die DDR Grenzsoldaten, die die Minen kontrollierten, bestand Lebensgefahr Klaus Eppler, ein ehemaliger NVA-Soldat, verlor beim Dienst an der unterfränkischen Grenze sein Augenlicht: "Wir sind zu zweit an den Zaun raus und haben durch eine Art Telefon zu unserem Chef im Turm zurückgerufen, ob die Anlage abgeschaltet ist. Da hat er gesagt: ja es ist abgeschaltet. Daraufhin sind wir 'rüber an den Zaun und an die Schussminen 'ran. Normalerweise wäre nichts passiert. Das Ding ist genau in Kopfhöhe explodiert – direkt ins Gesicht 'rein!"

Für DDR-Bürger, die in den Westen gelangen wollten, endete die Flucht im Minenfeld mit schweren Verletzungen oder gar tödlich. Als im November 1989 die Mauer fiel waren noch zigtausende Minen im Boden. Auch nach mehrmaligem Räumen besteht heute noch ein Risiko abseits der Wege.