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Franke will Lebensretter-Medaille zurückgeben | BR24

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Jürgen Müller rettete ein Mädchen vor dem Tod. Die Lebensretter-Medaille dafür will er nicht mehr.

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Franke will Lebensretter-Medaille zurückgeben

Jürgen Müller aus Eckental will seine Lebensretter-Medaille an den Freistaat Bayern zurückgeben. Der 55-Jährige hatte bei einem Kanu-Unfall ein Mädchen gerettet. Er kritisiert, wie mit Seenotrettern auf dem Mittelmeer umgegangen wird.

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Der tragische Unfall passierte bei einem Gruppenausflug mit der Kirchengemeinde aus Müllers Ortschaft im Landkreis Erlangen-Höchstadt: Im Bayerischen Wald waren Eltern und einige Kinder beim Kanufahren auf dem Fluss Regen unterwegs - unter einer Brücke geriet ein Kanu bei Hochwasser in einen Strudel und kenterte.

Mädchen gerettet, Vater ertrinkt

Jürgen Müller bugsierte schwimmend und tauchend ein Mädchen ans rettende Ufer, merkte selbst, wie er sich im eiskalten Wasser kaum noch bewegen konnte. Der Vater des Kindes schaffte es nicht. Er starb in den Fluten. "Emotional was das eine Katastrophe. Für uns alle."

Auszeichnung mit Lebensretter-Medaille

Ein Jahr später kam per Post die Einladung zur Überreichung der Rettungsmedaille. Ihn habe das damals merkwürdig berührt, sagt Müller. Er fand die Ehrung nicht angebracht. "Wenn jemand Aufmerksamkeit verdient, ist es die Familie, die einen Menschen verloren hat." Überreicht wurde die Ehrung im Jahr 2007 schließlich im kleinen Kreis im Landratsamt Erlangen-Höchstadt.

Kritik am Umgang mit Ertrinkenden im Mittelmeer

Die Berichte von ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer bewegen Jürgen Müller in besonderer Weise. Er weiß, wie sich der Überlebenskampf anfühlt. Und wie es ist, ein Menschenleben durch Ertrinken zu verlieren. Die Medaille in seinem Schrank fühle sich immer falscher an: "Ich bekomme eine Ehrung dafür, dass ich jemanden rette. Und andere Leute, die versuchen Menschen zu retten, werden kriminalisiert und behindert bei ihrer Arbeit. Das ist für mich ein Widerspruch, den ich nicht verstehe.“"

Leben ist immer gleich viel wert

Es sehe so aus, als würde ein Menschenleben hierzulande viel höher bewertet als das Menschenleben eines Flüchtenden an den Außengrenzen der EU, erklärt Müller nachdenklich. "Das ist nach meinen Überzeugungen nicht vereinbar mit den Grundrechten und den Menschenrechten als Teilen unserer Verfassung."

Seenotrettung unterstützen

In einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder appelliert Müller dafür, die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot aktiv zu unterstützen. Auch sei es wichtig, die Ursachen von Flucht mehr zu beleuchten. Im globalen Maßstab lebten vergleichsweise wenige Menschen sehr komfortabel und beanspruchen weit mehr Ressourcen, als anteilig zur Verfügung stehen, so Müller. "Wir leben auf Kosten der ärmeren Menschen in dieser Welt und tragen durch unsere Lebensweise dazu bei, dass dieses Ungleichgewicht vergrößert wird."

Medaillen-Rückgabe kommt nie vor

Aus der Bayerischen Staatskanzlei heißt es, eine Lebensretter-Medaille zurückzugeben, sei im Gesetz nicht vorgesehen. Dies komme praktisch auch nie vor. Der Schritt Müllers werde bedauert, es stehe ihm aber frei, die Medaille auf dem Postweg an die Staatskanzlei zu schicken.