BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa/dpa

Nur wer einen negativen Coronatest vorlegen kann, darf in Bayern in ein Alten- und Pflegeheim oder eine Behinderteneinrichtung. Besucher und Mitarbeiter müssen deshalb Schnelltests machen. Externe Therapeuten aber nicht überall. Wie kann das sein?

28
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fragwürdige Schnelltest-Praxis in manchen Pflegeheimen

Nur wer einen negativen Coronatest vorlegen kann, darf in Bayern in ein Alten- und Pflegeheim oder eine Behinderteneinrichtung. Besucher und Mitarbeiter müssen deshalb Schnelltests machen - externe Therapeuten aber nicht überall. Wie kann das sein?

28
Per Mail sharen
Von
  • Doris Bimmer

In ihrer täglichen Arbeit stellt Physiotherapeutin Gabriele Rommel deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Häusern fest. Sie arbeitet in Kempten und betreut viele ältere Patienten in mehreren Heimen sowie Menschen mit Behinderungen in den Allgäuer Werkstätten.

Als sie wieder mal einen Politiker im Radio sagen hörte, dass ohne Test niemand in die Pflegeheime kommt, platzte ihr der Kragen:

"Es ist das Problem, dass die Politik seit Herbst verkündet und in jedem Interview sagt, dass es läuft mit den Tests in den Altenheimen und Behinderteneinrichtungen. De facto ist es aber so, dass es nicht alle anbieten können." Gabriele Rommel, Physiotherapeutin

Andere Regeln für externe Therapeuten?

Als externe Therapeutin habe sie die Erfahrung gemacht, dass manche Einrichtungen Schnelltests für sie bereithalten – andere wiederum nicht. Und das würden auch die Kollegen bestätigen. Aber das kann und darf doch nicht sein, sagt Rommel: "Im blödesten Fall hab ich schon zwischen 10 und 15 Patientenkontakte gehabt, mach mich auf den Weg in die Einrichtung, hab meinen Test vom Vortag oder von vor zwei Tagen. Das entspricht also alles den Vorschriften – aber ich werde halt nicht vor Ort getestet", sagt Rommel. Ein Test sei immer eine Momentaufnahme: "Und das ist ein bisschen ein ungutes Gefühl."

Als externe Therapeutin gelten für sie in manchen Einrichtungen andere Spielregeln, sagt Rommel. Offenbar, weil sie nicht explizit im Gesetzestext der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung genannt sind. In einem Altenheim in Kempten müssten sie und ihre Kollegen und Kolleginnen in eine komplette Schutzausrüstung schlüpfen, "also wirklich wie im OP-Bereich", einen Test gibt es nicht. Dann gebe es zwei Heime, die testeten extrem konsequent, sagt Rommel.

Begrenztes Schnelltest-Kontingent

Der Bayerische Rundfunk hat in vier verschiedenen Häusern nachgefragt. In zwei Einrichtungen, dem AllgäuStift und den AWO-Häusern der Arbeiterwohlfahrt, heißt es ganz klar: Wir testen alle, Besucher, eigene Mitarbeiter, externe Therapeuten. Allerdings stehen nur 30 Tests pro Bewohner und Monat zur Verfügung. Das bedeutet, es muss ganz genau gerechnet werden.

Genauso wird es bei der AWO gehandhabt. "Würden die Tests nicht ausreichen, könnten wir auch nicht so viel freiwillige Leistung anbieten", schränkt Yvonne Spöcker, Geschäftsleiterin beim AllgäuStift aber ein.

Ohne Coronatest kein Zutritt

Bei den Allgäuer Werkstätten, einer teil-stationären Behinderteneinrichtung, wird es anders gehandhabt. Hier müssen die externen Therapeuten einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter sein darf als 48 Stunden – so schreibt es die bayerische Verordnung auch vor.

Geschäftsführer Michael Hauke schreibt auf Anfrage des BR: "Es entstehen Kosten für Material und Dienstleistung. Testmaterial können wir abrechnen, die Dienstleistung an [externen, Anm. der Red.] Therapeuten nicht. Unser Personal hat auch nicht die Kapazität, die Dienstleistung für die Therapeuten zu erbringen.“

Schnelltest nicht älter als 48 Stunden

Auch im Seniorenwohnheim Hoefelmayrpark des Bayerischen Roten Kreuzes gilt: "Besucher und Therapeuten dürfen die Einrichtung nur betreten, wenn sie einen negativen Coronatest vorlegen können. Es gilt: PCR-Test maximal drei Tage vor dem Besuch abgenommen, Schnelltest maximal 48 Stunden alt. Generell können Besucher und Therapeuten das örtliche Testzentrum aufsuchen und dort einen Test durchführen."

Weitere Hürde: fehlendes Personal

Yvonne Spöcker vom AllgäuStift ergänzt, dass zudem vorgeschrieben ist, dass die Schnelltests nur von einer speziell geschulten Pflegefachkraft vorgenommen werden dürfen. "Jetzt wissen wir seit einigen Jahren, dass Pflegenotstand herrscht und das ist durch Corona nicht besser geworden, sondern schlechter. Und das heißt, die Finanzierung löst das erstmal nicht, wenn sie nicht Fachkräfte haben, können sie es auch nicht umsetzen."

In ihrem Haus könnten die Schnelltests für alle nur deshalb geleistet werden, weil ihre Mitarbeitenden freiwillig Überstunden schieben.

Schnelltests für alle?

Gabriele Rommel hofft, dass sich endlich was bewegt. Dass die Politiker zu dem stehen, was sie verkünden: Schnelltests für alle. Und wirklich für alle. Sie sei weder ängstlich noch panisch. "Aber die Maßnahmen, die möglich sind und die auch politisch vorgeschrieben und gewollt sind, die sollte man auch umsetzen."

Die Schnelltests seien auch nicht zu hundert Prozent zuverlässig, aber dennoch würde man die eine oder andere Infektionen entdecken, die sonst durchrutscht.

Und künftig, so ihr Wunsch, sollte die Politik erstmal mit den Betroffenen vor Ort reden und Rücksprache halten, was möglich und machbar ist, bevor etwas beschlossen und verkündet wird.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!