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Fränkischer Psalter in Lichtenau bei Ansbach vorgestellt | BR24

© BR/Ilona Hörath

Lichtenau bei Ansbach: Pfarrer Claus Ebeling mit dem Fränkischen Psalter.

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    Fränkischer Psalter in Lichtenau bei Ansbach vorgestellt

    In der Dreieinigkeitskirche in Lichtenau bei Ansbach wurde gestern der "Fränkische Psalter" – das neue fränkische Gesangbuch – vorgestellt. ". Die 80 Seiten im DIN A4-Format sind vollgepackt mit Psalmen und Kirchenliedern. Von Ilona Hörath

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    Das neue fränkische Psalter beinhaltet Psalmen und Kirchenlieder zum Advent, zu Weihnachten und der Passionszeit sowie geistliche Lieder. Das neue "fränggische Gsangsbuch" wurde in der spätbarocken Kirche in Lichtenau bei Ansbach vorgestellt. Herausgegeben hat den Psalter Günter Hessenauer vom "Arbeitskreis Mundart in der Kirche".

    "Es ist das erste Kirchengesangbuch in einer Regionalsprache, nämlich in fränkisch." Günter Hessenauer, Arbeitskreis Mundart in der Kirche

    Wie Hessenauer weiter erklärt, gehe es ja nicht einfach daraum, dass man Texte in einem Slang wiedergibt und übersetzt. Mundart-Arbeit heiße vielmehr, die Texte zu übertragen, dass sie verständlich werden. Als Beispiel nennt er das 3. Gebot "Du sollst den Feiertag heiligen".

    "Da gibt es eine schöne fränkische Formulierung: Am Sunndoch sullst di so benehma wie wenni bei dir auf Bsouch wär. Des trifft's eigentlich ausgezeichnet und ist in Mundart deutlicher als in Standardsprache." Hessenauer, Arbeitskreis Mundart in der Kirche

    Der Initiator und Motor des Fränkischen Psalters ist Claus Ebeling, der umtriebige Pfarrer der Dreieinigkeitskirche. Den Festgottesdienst am 2. Advent gestaltete er nicht nur mit fränkischen Musikanten, den "Wittmanns Buam", sondern vollständig im Dialekt.

    Kirchgängern gefällt Fränkischer Psalter

    Den Besuchern gefällt der Mundart-Gottesdienst: Ob "Bredichd", das "Vadder unser" oder das "Wos mir glaum", also das Glaubensbekenntnis und auch der Fränkische Psalter selbst gefällt ihnen. So sagte ein Gottesdienstbesucher: "Ich find, man sollte das Alte bewahren und auch der Jugend weitergeben." Eine Frau fand den Psalter interessant, man müsse sich aber erst mal einlesen. Ein weiterer Kirchgänger meinte: "Ich find's eigentlich ziemlich cool, ist mal was anders... ist fränkisch, wie wir jeden Tag reden, ist einfach mal ne Abwechslung."

    Mundart bringt Menschen zusammen

    Vielleicht, so auch eine Meinung, sei der Psalter eine Möglichkeit, das ein oder andere Event daraus zu machen, damit wieder mehr Menschen in die Kirche gehen. Ein frommer Wunsch? Die Kirchenoberen wissen: Mundart bringt die Menschen zueinander, stillt die Sehnsucht nach Heimat und Regionalität. Die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg Gisela Bornowski lobt den Psalter.

    "Ich selber bin ja Fränkin, und es ist einfach die Möglichkeit, biblische Worte und Sätze in meiner Muttersprache zu hören... Mich hat am meisten beeindruckt, wie man schwierige theologische Sätze in einfache fränkische Worte fassen kann, so dass sie einem wirklich zu Herzen gehen." Gisela Bornowski, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg

    Mehr als 20 Jahre lange haben die Vorarbeiten zum Gesangbuch gedauert; viele Mundartdichter und Mundartmusiker steuerten die Übersetzungen vom Hochdeutschen ins Fränkische bei. Im April 2017 begann die heiße Phase. Und nicht immer waren sich alle einer Meinung, weiß Pfarrer Claus Ebeling.

    Lokale Unterschiede beim Psalter

    "Wir haben versucht, eine Art hochfränkisch zu schreiben... an einer Stelle haben wir es nicht geschafft, da sind zwei Versionen dabei...", so Pfarrer Claub Ebeling. Diskutiert wurde auch zwischen den verschiedenen Lokalkoloriten des Fränkischen: So habe Herrmann Brunner aus dem Ansbacher Raum, darauf bestanden, dass es "Jetzt fangen mir zum Singa uu" heißen muss, während die Nürnberg-Fürther-Fraktion auf "Jetzt fangen mir zum singa oo"bestanden habe. Nun seien zwei Lieder "friedlich nebeneinander im Psalter", erklärt der Pfarrer.

    Psalter zur Erbauung

    Gedacht ist der Psalter für Gemeindechöre oder einzelne zur Erbauung zuhause. Von den 4.000 Exemplaren hat Claus Ebeling schon viele verschickt, nach Unterfranken, in die Oberpfalz und nach Niederbayern. Der Fränkische Psalter ist zum Preis von 7,50 Euro zu haben.