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Fränkische Winzer starten Weinproben per Videochat | BR24

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Die Corona-Krise setzt auch den fränkischen Weingütern zu. Die Gastronomie steht still, Weinfeste fallen aus. Der Vertrieb erfolgt nun hauptsächlich über Bestellungen und kreative Ideen: wie zum Beispiel Weinproben per Videochat.

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Fränkische Winzer starten Weinproben per Videochat

Die Corona-Krise setzt auch den fränkischen Weingütern zu. Die Gastronomie steht still, Weinfeste fallen aus. Der Vertrieb erfolgt nun hauptsächlich über Bestellungen und kreative Ideen: wie zum Beispiel Weinproben per Videochat.

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Ein wenig nervös ist Ulrike Lange schon. Vor der Winzerin aus Hammelburg liegt eine ungewöhnliche Weinprobe. Um die 50 Gruppen hat sie jährlich zu Gast, denen sie ihre Weine präsentiert. Dieses Mal ist vieles anders. Ulrike Lange präsentiert die Tropfen ihres Weinguts per Skype. An den anderen Enden der Leitung sitzt Familie Meyer, die gerade Geburtstag feiert.

Weinpakete gehen quer durch Deutschland

Kartons mit jeweils sechs Flaschen hat Ulrike Lange verschickt, an vier verschiedene Orte: drei Pakete nach Niedersachsen, eines nach Berlin. Vater Burkard Lange feiert seinen 58. Geburtstag, er lebt mit seiner Frau in der Nähe von Gifhorn. Wegen der Corona-Krise kann sich die Familie aktuell nicht sehen. Die Kinder haben deshalb nach einem passenden Geschenk gesucht. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Eltern während einer Reise im unterfränkischen Hammelburg Quartier eingelegt. Daher kennen sie das Weingut Lange. So kommt eines zum anderen. Sohn Simon Meyer fragt bei Ulrike Lange an, ob eine Weinprobe per Videochat möglich wäre. Die überlegt nicht lange: "Ich traue mir das zu. Das mache ich."

Weingüter verkaufen seit Corona weniger

Viele Winzerinnen und Winzer beklagen Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise. Normalerweise würde nun die Weinfest-Saison starten. Großveranstaltungen sind jedoch bis mindestens 31. August verboten. Vor allem die Einnahmen aus der Gastronomie fehlen. Es gibt keinen Weinausschank in Gasthäusern, Heckenwirtschaften oder Vinotheken. Geld verdienen die Weingüter nun über Bestellungen, telefonisch oder in Webshops. "Das hat klar zugenommen", sagt Ulrike Lange. In ihrer Vinothek stehen Kartons bereit. Die will eine Mitarbeiterin am nächsten Morgen wegbringen.

Wein-Ratschläge über das Smartphone

Und dann kam die Idee mit dem Videochat. Mit zwei Haushaltsgummis hat Ulrike Lange nun ihr Smartphone auf einem hölzernen Postkartenständer befestigt.

"Ich lauf auch mal hin und her, gehe auch oft zu den Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Das geht jetzt natürlich nicht." Ulrike Lange, Winzerin

An den kleinen Bildausschnitt, auf dem sie zu sehen ist, muss sich Ulrike Lange erst noch gewöhnen. Ansonsten schlägt sie sich routiniert. Sie erzählt Anekdoten rund um die Weine, die sie ausgewählt hat. Sie startet mit einem Secco. Später folgt eine sogenannte Perle, eine Rebsorte, die gut mit Frost zurechtkommt, aber kaum mehr ausgebaut wird. Zum Abschluss gibt es einen Burgunder-Cuvée.

Weinproben via Skype & Co.

Weinproben im Internet bieten bereits mehrere Fränkische Weingüter an. Die einen haben die Verkostungen aufgezeichnet. Ein Weingut aus dem Landkreis Neustadt/Aisch kombiniert Weinprobe mit Grillevent. Die Gruppe "77 & Friends", ein Zusammenschluss junger Winzer aus verschiedenen Anbaugebieten, veranstaltet Weinproben via Instagram-Livestream.

Bei Familie Meyer jedenfalls bleibt die Verkostung in guter Erinnerung. Das eigene Wohnzimmer könne es nicht ganz mit der gemütlichen Atmosphäre einer Weinstube aufnehmen, sagt Burkard Meyer am Tag danach. Was jedoch kein Nachteil sein muss: "Jeder konnte vernünftig trinken, weil keiner mehr fahren musste." Auch Ulrike Meyer wirkt zufrieden. Lediglich ihr Handy bereitete ihr zwischendurch Sorgen. Das Videostreaming zieht Akku, sie hatte nur noch wenige Prozent. Ihr Sohn musste ein Ladekabel bringen. Zumindest ein paar Schwierigkeiten birgt so eine digitale Weinprobe dann eben doch.

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