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Streuobstwiesen zählen zum Immateriellen Kulturerbe. Besonders in der Fränkischen Schweiz prägen sie die Kulturlandschaft. Doch die Streuobstwiesen sind in Gefahr. Immer weniger Landwirte wollen Obstbauern sein.

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Fränkische Schweiz: Ein Siegel soll die Streuobstwiesen retten

Streuobstwiesen zählen zum Immateriellen Kulturerbe. Besonders in der Fränkischen Schweiz prägen sie die Kulturlandschaft. Doch die Streuobstwiesen sind in Gefahr. Immer weniger Landwirte wollen Obstbauern sein.

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Von
  • Sandra Jozipovic

Zahlreiche Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Kirschbäume stehen auf einem kleinen Hügel. Die Streuobstwiesen mit rund 230 Bäumen gehören Familie Götz aus Effeltrich im Landkreis Forchheim. Birgit Götz war schon als Kind bei der Streuobsternte mit dabei und hat die Wiesen in der vierten Generation übernommen. Die Familie stellt im Nebenerwerb Säfte und getrocknetes Obst her. Doch das Ernten und die Pflege der Streuobstwiesen in der Fränkischen Schweiz sind sehr arbeitsaufwendig.

Mit Obst aus der Fränkischen Schweiz ist nicht viel zu verdienen

Claudia Munker vom Landschaftspflegeverband Forchheim betreut die Besitzer von Streuobstwiesen in der Fränkischen Schweiz und setzt sich für den Erhalt der Kulturlandschaft ein. Viele Besitzer der Streuobstflächen wollen sich um die Obsternte und die Pflege der Bäume nicht mehr kümmern, denn besonders viel Geld verdienen Landwirte mit Streuobst nicht. Deshalb sterben viele alte Bäume und werden gar nicht mehr nachgepflanzt, so die Biologin Claudia Munker.

"Aus dem Ausland kommt sehr viel billiges Obst, und auch die Familienstrukturen sind anders, so dass die Streuobstwiesen oft nicht mehr gepflegt werden." Claudia Munker, Landschaftspflegeverband Forchheim

Streuobstwiesen sind wichtiger Lebensraum für viele Tiere

Der Ort Effeltrich ist schon sehr lange für seine Streuobstwiesen bekannt. Der Ortsname Effeltrich bedeutet "reich an Apfelbäumen". Schon um 1650 hat man dort Obstbaumkulturen angelegt und sie nach ganz Europa verkauft. Die Streuobstwiesen in Effeltrich sind teilweise mehr als 100 Jahre alt und bieten Lebensräume für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Die unterschiedlichen Obstbäume werden nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, wie sonst auf monokulturellen Obstplantagen üblich.

Biologin schlägt Streuobst-Siegel für Bio-Obst vor

Claudia Munker will sich in Zukunft für ein Streuobst-Siegel einsetzen, damit die Wertschätzung für Streuobst weiter steigt. So ein Siegel sei plakativ, und die Käufer von Bio-Obst könnten sehen, wie durch das Streuobst die Insekten- und Tierwelt unterstützt wird, so die Biologin.

Im Internet gibt es Streuobstwiesen zu pachten und zu kaufen

Inzwischen gibt es auch zwei Internetseiten, auf denen Streuobstwiesen in Bayern verpachtet oder verkauft werden. Und es werden dort auch Schnittkurse für Obstbäume angeboten oder Erntehelfer gesucht. Das soll helfen, das Immaterielle Kulturerbe der Streuobstwiesen in Zukunft zu bewahren.

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