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Fränkische Kommunen in der Coronakrise: Gewinner und Verlierer | BR24

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Kein Tourismus, eingeschränkte Gastronomie und weniger Steuereinnahmen. Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Kassen vieler Kommunen. Zwei Beispiele aus Mittel- und Oberfranken.

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Fränkische Kommunen in der Coronakrise: Gewinner und Verlierer

Verluste bei Unternehmen, in der Gastronomie oder im Tourismus haben immer auch Auswirkungen auf die Kommunen. Denn so fehlen wichtige Steuereinnahmen. Welche Stadt in Franken zählt zu den großen Verlierern in der Krise? Welche stehen noch gut da?

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Langsam füllen sich die Gassen der Innenstädte wieder. Erst konnte der Einzelhandel öffnen, dann Biergärten sowie Außenbereiche der Gastronomie und später die Innenräume der Restaurants. Von Normalität spricht allerdings noch niemand. Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Taschen von Unternehmern und Gastronomen gerissen. Durch die fehlenden Steuereinnahmen sind davon auch die Kommunen betroffen.

Ansbacher Wirtschaftshaushalt leidet unter Krise

Wie in vielen anderen Städten und Gemeinden ist die Situation auch in Ansbach nicht "rosig", sagt Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU). Im städtischen Gesamthaushalt wird die Stadt am Jahresende durch zusätzliche Ausgaben 20 Millionen Euro weniger Einnahmen haben, als geplant. Allein die Gewerbesteuer macht acht Millionen Euro davon aus.

50 Prozent Gewerbesteuer fehlen

Die Kämmerei der Stadt kalkuliert mit einem Gewerbesteuerrückgang von 50 Prozent. Das sei den fehlenden Einnahmen aus Gastronomie und Einzelhandel geschuldet. Dazu kommt, dass das Ansbacher Boschwerk Ende März größtenteils schließen musste. Der Grund: die sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen in Europa und die daraus folgenden Produktionsstopps der Automobilhersteller. Sorgenkind der Stadt ist laut Oberbürgermeister das Anregiomed-Klinikum Ansbach, das schon seit Jahren Verluste schreibt und nun durch die Krise weniger Patienten aufnehmen konnte.

Lagebesprechung mit Stadtrat

Im Juli steht eine Haushaltsklausur mit dem Stadtrat in Ansbach an. Dabei wird besprochen, welche geplanten Projekte sich in diesem Jahr noch umsetzten lassen und welche verschoben werden müssen. Klar ist bislang, dass die Stadt nicht mehr so weiter wirtschaften kann wie bisher. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie Stadt im Herbst zahlungsunfähig ist, meint Oberbürgermeister Thomas Deffner.

Hilfe aus Konjunkturpaket der Regierung

Das große Konjunkturpaket, dass die Regierung verabschiedet hat, würde der Stadt Ansbach zwar eine Kostenersparnis von zwei bis vier Millionen Euro bringen. Da dadurch trotzdem Beträge im zweistelligen Millionenbereich im Wirtschaftshaushalt fehlen, sei es dennoch nicht die große Rettung, so Deffner. Allerdings freue sich der Oberbürgermeister über die Hilfen.

Forchheim hat Glück im Unglück

Der oberfränkischen Stadt Forchheim geht es im Gegensatz zu Ansbach verhältnismäßig gut in der Krise. Die Stadt sei im Bereich der Großindustrie und Handwerk gut aufgestellt, weswegen Bürgermeister Udo Schönfelder (CSU) zuversichtlich gestimmt ist. Da die Kämmerei in den vergangenen Jahren gespart habe, könne die Stadt nun auf vorhandene Rücklagen zurückgreifen.

Große Nachfrage von Siemens Healthineers in Forchheim

Erst im Februar kündigte Siemens Healthineers an, in den Standort Forchheim weiter zu investieren. Aktuell werden dort unter anderem Computertomografen (CT) gebaut, die in der Coronakrise sehr gefragt sind. Mithilfe von CTs werden beispielsweise Lungen von Covid-19-Patienten untersucht. Von der Gewerbesteuer des Unternehmens profitiert wiederum die Stadt Forchheim.

Rücklagen für Gastronomie und Einzelhandel

Auch wenn Forchheim zu den Kommunen zählt, in denen die Kassen noch relativ voll sind: wie in anderen Städten und Gemeinden leidet hier die Gastronomie und der Einzelhandel unter den Coronamaßnahmen. Mit Herabsetzen der Gewerbesteuer oder Gewerbesteuerstundungen will die Stadt die heimischen Wirtschaftsbetriebe unterstützen, die es in der Krise nicht so gut getroffen hat.

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