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Existenzgründung in der Corona-Krise | BR24

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Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie bekommen vor allem Selbständige zu spüren. Viele kämpfen gerade ums wirtschaftliche Überleben. Aber es gibt auch einige, die mitten in der Krise den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.

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Existenzgründung in der Corona-Krise

Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie machen vor allem Selbständigen zu schaffen. Viele kämpfen ums Überleben, aber gleichzeitig erleichtern die staatlichen Corona-Hilfen mitten in der Krise auch den Sprung in die Selbstständigkeit.

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Von
  • Mathias Flasskamp

Trotz seiner erst 33 Jahre hat Nico Rapp schon einige Schicksalsschläge erlebt. Wegen einer Erkrankung wird der gelernte Friseurmeister kurz nach seiner Ausbildung berufsunfähig. Dann gibt er als freier Berater Seminare für Friseure, aber wegen der Corona-Krise bricht ihm auch diese Einnahmequelle weg.

Sein letzter Ausweg: eine neue Existenzgründung mitten in der Krise. Das sei ihm nicht leicht gefallen und habe einige schlaflose Nächte gekostet, erzählt der junge Mann. Aber Freunde hätten ihn unterstützt und so habe er es einfach noch einmal wissen wollen.

Existenzgründung mit amerikanischem Konzept

Seine Geschäftsidee: Er will das amerikanische Konzept des "Coworking-Space" auf die Friseurbranche übertragen. Das funktioniert so ähnlich wie eine Bürogemeinschaft. Er will einen vollausgestatteten Friseursalon einrichten und die Infrastruktur anderen Friseuren zur Verfügung stellen.

Paul Backfisch ist sein erster Coworker. Für ihn war es eine gute Möglichkeit, ohne viel Aufwand den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, sagt der Friseur: "Wenn man sich einen eigenen Laden aufbaut muss man um die 70.000 Euro rechnen und hier halten sich die Kosten in Grenzen. Gerade für Berufsanfänger ist das ein guter Start und ich habe schon lange etwas gesucht, wo ich mein Herzblut reinstecken konnte."

Familienprojekt Friseursalon

Deshalb hat er auch beim Umbau mit angepackt: Für den neuen Salon müssen Wände herausgestemmt, Leitungen verlegt und Decken verputzt werden. Wegen des knappen Finanzbudgets ist viel Eigenleistung gefragt. Auch Nicos Familie hilft mit, wie etwa sein Vater Wolfgang.

Eigentlich sei er ja Computer-Techniker, erzählt der 64-jährige, aber er scheue auch gröbere Arbeiten nicht: Früher habe er mal bei einem Gipser gejobbt und jetzt mithelfen können, die neuen Wände ordentlich einzuziehen - dadurch blieben die Kosten überschaubar. "Ich glaube an meinen Sohn, und weiß, dass er das packt", sagt Wolfgang Rapp.

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Nico Rapp vor seinem Co-Working-Friseursalon in München

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Heute: Der erste Stuhlmieter Paul Backfisch bei der Arbeit

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Monate vorher: Nico Rapps Vater Walter bei den Renovierungsarbeiten

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Nach der Renovierung: Letzte Handgriffe

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Schaufenster des Coworking-Friseursalons.

Trotz aller praktischer Hilfe braucht Nico aber für seinen Traum immer noch einen hohen fünfstelligen Betrag.

Förderbank KfW machte Existenzgründung möglich

Wegen der Kosten für Hygiene-Maßnahmen muss Nico Rapp auch noch die Gewinnerwartung in seinem Businessplan nach unten korrigieren. Aber kurioserweise bringe ihm die Krise auch einen entscheidenden Vorteil bei der Finanzierung, berichtet er: "Durch Corona habe ich es am Ende sogar leichter gehabt, an das Geld zu kommen." Denn die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) habe die Finanzierung mit einem Corona-Hilfsprogramm für Selbständige abgesichert. "So wurde das Risiko minimiert und ich habe den Kredit dann problemlos bekommen."

Eine Erfolgsgeschichte in schwierigen Zeiten

Im September eröffnet Nicos Laden im Münchner Glockenbachviertel und im Oktober sind schon fast die Hälfte seiner Friseurstühle vermietet.

Nico will mit seinem Beispiel auch anderen Mut machen. Falls es noch einmal zu einem Lockdown für Friseursalons kommt, will er sich die entstehenden Kosten mit seinen Coworkern teilen. So hoffen sie, besser durch die Krise zu kommen: Jeder als Selbstständiger aber trotzdem gemeinsam.

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