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Fossil "Udo": Ostallgäuer freuen sich über Sensations-Fund | BR24

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Schon vor fast zwölf Millionen Jahren war in Bayern ein Menschenaffe auf zwei Beinen unterwegs. Das schließen Forscher aus Knochenfunden bei Pforzen im Ostallgäu. Bürgermeister Hofer freut sich über den Sensations-Fund.

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Fossil "Udo": Ostallgäuer freuen sich über Sensations-Fund

Woher stammen die Vorfahren des Menschen? Antworten erhoffen sich Forscher vom Fossil "Udo", das im Ostallgäu entdeckt wurde. Der Fund zeigt, dass dort schon vor 12 Millionen Jahren ein Menschenaffe unterwegs war. In der Region ist die Freude groß.

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Es sei "schon toll", dass Pforzen mit dem Fossilien-Fund im Mittelpunkt der Evolutionsforschung stehe, sagt eine Anwohnerin. Und ein Mann aus der Gemeinde stellt gut gelaunt fest, Allgäuer seien eben "besondere Menschen". Klar ist: Der sensationelle Knochenfund im Ostallgäu bewegt Bürger und Politiker in der Region.

Bürgermeister reagiert "überrascht" auf Sensations-Fund

Bürgermeister Herbert Hofer war nach eigenen Worten "überrascht und erfreut", als das Forschungsteam um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen von ihrer Entdeckung in einer Tongrube bei Pforzen berichtete: "Da waren wir schon auch stolz darauf, dass das hier in der Gemeinde gefunden wurde."

Kreis will Fundstelle von Fossil "Udo" schützen lassen

Auch im Ostallgäuer Landratsamt freut man sich: Landrätin Maria Rita Zinnecker will die Fundstelle nach eigenen Angaben schützen lassen: "Wir als Landkreis werden in Zusammenarbeit mit Eigentümer und Pächter die erforderlichen Schritte zum Schutz der Fundstelle einleiten und die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit so gut wie möglich unterstützen", sagte Zinnecker.

Landrätin kann sich Naturdenkmal für Fossil "Udo" vorstellen

Der Landkreis wird laut Zinnecker prüfen, ob es sinnvoll wäre, die Fundstelle als Naturdenkmal auszuweisen. Der Abbau von Ton wäre aus ihrer Sicht auch dann möglich: Erstens sei nicht die gesamte Tongrube wissenschaftlich interessant. Zweitens sei es denkbar, die Stelle nur solange unter Schutz zu stellen, bis die Ausgrabungsarbeiten zu Ende sind. Nach und nach könnten so Teile der Grube wieder zum Tonabbau freigegeben werden.

"Udo" war vor fast zwölf Millionen Jahren im Ostallgäu unterwegs

Das Forscherteam hatte zwischen 2015 und 2018 in einem Bachlauf der Tongrube die versteinerten Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Es handelt sich um Fossilien von mehreren Weibchen und einem Männchen. Der sogenannte Danuvius guggenmosi habe vor fast zwölf Millionen Jahren gelebt und sich wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegt. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

Fossil nach Udo Lindenberg benannt

Das männliche Fossil hat das Forscherteam "Udo" genannt – nach Sänger Udo Lindenberg. Den Unterkiefer des Primaten entdeckten die Wissenschaftler am 17. Mai 2016 – Udo Lindenbergs 70. Geburtstag. "Im Radio sind nur seine Songs gelaufen", erinnerte sich Böhme nun. Welchen Wert der Fund für die Forschung hat, stellte sich nach und nach heraus. Inzwischen haben die Forscher ihre Entdeckung im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht - und damit rund um den Globus Aufmerksamkeit erregt.