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Fossil "Udo": Grubenbetreiber will Fundstelle im Allgäu schützen | BR24

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Nach Bekanntwerden der spektakulären Fossilienfunde in einer Allgäuer Lehmgrube hat der Betreiber Einblicke in die Grube gewährt. Christoph Heim vom Bauunternehmen Geiger versprach, Fremdgrabungen so gut wie möglich zu vermeiden.

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Fossil "Udo": Grubenbetreiber will Fundstelle im Allgäu schützen

Der Sensationsfund in einer Lehmgrube im Allgäu könnte Fossilienjäger anlocken. Deshalb wird jetzt darüber nachgedacht, wie man die Fundstelle von "Udo" schützen kann. Allzu große Sorgen macht sich der Grubenbetreiber aber nicht.

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Nach den spektakulären Fossilienfunden in einer Lehm- und Tongrube bei Pforzen im Ostallgäu hat der Betreiber Pressevertretern einen Blick in die Grube gewährt. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – und das ist auch gut so“, sagte Christoph Heim vom Bauunternehmen Geiger bei der Ortsbegehung. „Die Fossilien sind begraben unter mehrere Meter tiefen Sedimenten, die ohne größeres Gerät nicht zu entfernen sind.“

Grubenbetreiber im Allgäu will Fremdgrabungen vermeiden

Deshalb habe man keine große Angst vor Fossilienjägern, so Heim. Dennoch werde das Unternehmen versuchen, Fremdgrabungen so gut wie möglich zu vermeiden. „Natürlich müssen wir das bedenken. Die Grube ist eingefriedet und gesperrt. Wir möchten alles dafür tun, dass fremder Zugang vermieden wird - auch im Sinne der Fossilien“, so Heim. Die komplette Grube einzuzäunen, sei wegen ihrer Größe aber nicht möglich. Das Unternehmen werde prüfen, inwieweit weitere Sicherungsmaßnahmen sinnvoll sind.

Im Allgäu wird schon seit mehreren Jahren nach Fossilien gesucht

Seit mehreren Jahren schon gibt es laut Heim immer wieder Forschungsgrabungen in der Lehmgrube bei Pforzen. Die Arbeiten des Betreiber-Unternehmens würden dadurch aber nicht stark beeinträchtigt. In Absprache mit dem Grabungsteam werde der entsprechende Bereich jeweils abgesteckt und bei den Arbeiten ausgespart, erklärte Heim: Das Unternehmen nehme Rücksicht auf die Forscher und unterstütze sie mit technischem Gerät.

Wird Fundstelle von Primat "Udo" zum Naturdenkmal?

Die Arbeiten in der Grube laufen auch nach Bekanntwerden des Sensationsfundes wie gewohnt weiter. Laut der Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker prüft der Landkreis nun, inwieweit es sinnvoll und erforderlich ist, die Fundstelle als Naturdenkmal auszuweisen. Das Unternehmen Geiger will das Ergebnis dieser Prüfung abwarten: „Es sind ja nicht nur diese naturschutzfachlichen Fragestellungen, die hier zutage treten, sondern auch zivilrechtliche Fragestellungen, die zu klären sind“, sagte Heim. „Insofern bleibt es den weiteren Gesprächen vorbehalten, was da rauskommt.“

"Udo" war vor fast zwölf Millionen Jahren im Ostallgäu unterwegs

Das Forscherteam um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen hatte zwischen 2015 und 2018 in einem Bachlauf der Tongrube die versteinerten Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Es handelt sich um Fossilien von mehreren Weibchen und einem Männchen. Der sogenannte Danuvius guggenmosi habe vor fast zwölf Millionen Jahren gelebt und sich wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegt. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

Fossil nach Udo Lindenberg benannt

Das männliche Fossil hat das Forscherteam "Udo" genannt – nach Sänger Udo Lindenberg. Den Unterkiefer des Primaten entdeckten die Wissenschaftler am 17. Mai 2016 – Udo Lindenbergs 70. Geburtstag. "Im Radio sind nur seine Songs gelaufen", erinnerte sich Böhme nun. Welchen Wert der Fund für die Forschung hat, stellte sich nach und nach heraus. Inzwischen haben die Forscher ihre Entdeckung im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht - und damit rund um den Globus Aufmerksamkeit erregt.