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Symbolbild Abschiebung

Mit Murtaza Azizi ist zum ersten Mal ein Schüler der Berufsintegrationsklasse (BIK) der FOS/BOS Marktheidenfeld abgeschoben worden. Der 24-Jährige Afghane ist vergangenen Montag nach den Weihnachtsferien nicht zum Unterricht erschienen. Eine Sozialpädagogin der FOS/BOS forschte nach und erfuhr, dass der junge Mann von der Polizei abgeholt worden war. Klassenlehrer Jürgen Bischof sagte im Gespräch mit BR24, dass man in der Schule zwar vom Ablehnungsbescheid des jungen Manns gewusst habe. Mit "einer solchen Nacht-und-Nebel-Aktion" habe aber niemand gerechnet, so Jürgen Bischof.

Solidaritätsaktion für abgeschobenen Schüler

Von offizieller Seite weiß die FOS/BOS bislang nicht, warum ihr Schüler abgeschoben wurde. Die Schülermitverantwortung (SMV) ruft heute in der ersten Pause um 9.30 Uhr zu einer Solidaritätsaktion auf – auch für Murtaza, vor allem aber auch für die verbliebenen 14 Schüler in der BIK-Klasse. Dort werden fünf weitere Afghanen unterrichtet, außerdem vier weitere, die zwar aus dem Iran gekommen sind, aber vor dem Krieg in Afghanistan geflohen waren. Die plötzliche Abschiebung Murtazas sei für seine Mitschüler, die von Abschiebung bedroht sind, "eine enorme psychische Belastung", so Klassenlehrer Jürgen Bischof.

24-jähriger Afghane wollte Altenpflger werden

Aus der Schule heißt es, Murtaza sei "engagiert und zuverlässig gewesen" und habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Der bislang in Würzburg wohnende Afghane hatte Deutsch in der UNI-Schule Würzburg gelernt, dort bieten Studierende Sprachunterricht an. Aus Kapazitätsgründen besuchten Murtaza und vier weitere aus Würzburg die BIK-Klasse der FOS/BOS Marktheidenfeld. Nach einem erfolgreich absolvierten Praktikum in der Altenpflege in Veitshöchheim wollte Murtaza nach dem Abschluss der BIK-Klasse eine Ausbildung in der Altenpflege absolvieren.

Am Freitag hatten Klassenkameraden kurz einen Online-Kontakt mit Murtaza, der jetzt in Kabul ist. Er könne überhaupt nicht verstehen, dass ausgerechnet er abgeschoben wurde.