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"foodwatch" prangert Hygienemängel in Landsberger Wurstfabrik an | BR24

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Die Verbraucherorganisation foodwatch erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen "Landsberger Wurstspezialitäten".

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"foodwatch" prangert Hygienemängel in Landsberger Wurstfabrik an

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat erhebliche Vorwürfe gegen einen Großmetzger aus Landsberg am Lech und das für die Kontrollen zuständige Landratsamt öffentlich gemacht. Die Rede ist von "ekelerregenden Zuständen".

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Laut foodwatch wurden bei 41 Kontrollbesuchen des Landratsamtes beim Großmetzger "Landsberger Wurstspezialitäten GmbH" von Oktober 2017 bis Februar 2018 immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften in der Produktion festgestellt – und nicht öffentlich gemacht.

Vorwürfe: Verunreinigungen und mangelnde Basishygiene

Kontrolleure fanden zum Beispiel Schmutzpartikel in der Weißwurstlake oder verunreinigte Injektoren zum Einspritzen von Pökellake. Ein Kontrolleur soll sogar grundsätzlich "schwere Fehler in der Handhabung der Basishygiene" vermerkt haben. Das Unternehmen hält die Vorwürfe für unbegründet und legte den foodwatch-Prüfern eine Liste mit Maßnahmen vor, die nach den Beanstandungen durch die Kontrolleure ergriffen wurden.

Auch das Landratsamt erklärte gegenüber foodwatch in einer schriftlichen Stellungnahme, nach Belehrungen durch den zuständigen Tierarzt seien die festgestellten Mängel umgehend abgestellt worden. Weitergehende Maßnahmen seien nicht notwendig gewesen, da es sich "in der Regel um geringfügige Mängel handelte".

foodwatch: Behörden zogen keine Konsequenzen

Der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, sieht es laut foodwatch anders: Er stufte in der Mitteilung der Verbraucherschützer die Hygieneverstöße in der Wurstfabrik als gravierend ein und sprach nicht nur von einem Betriebs-, sondern auch von einem Behördenversagen: "Es ist völlig unverständlich, warum das Landratsamt Landsberg noch nicht einmal Bußgelder verhängte und den Betrieb einfach monatelang weiterlaufen ließ."

Auch Johannes Heeg von foodwatch kritisiert die Behörden, die Öffentlichkeit sei bewusst über Monate hinweg nicht über die Hygienemängel informiert worden:

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foodwatch: Lebensmittelskandal aufgedeckt

Unternehmen spricht von "Falschbehauptungen"

Das Unternehmen weist die Vorwürfe von foodwatch empört zurück. "Dieser Vorwurf ist eindeutig falsch. Jeder, der den Betrieb in Landsberg kennt, weiß das. Foodwatch liegen auch entsprechende Erklärungen der zuständigen Behörden vor Ort vor, dass diese Einschätzung nicht zutrifft. Aber um öffentliches Aufsehen zu erregen, werden diese Falschbehauptungen trotzdem erhoben. Das ist ungeheuerlich", so Pressesprecher André Vielstädte in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Weiterverbreitung der Vorwürfe durch die Medien bezeichnet der Sprecher als "unverantwortlich." Eine Einladung in den Betrieb habe foodwatch bisher ausgeschlagen, man sei aber weiterhin für einen Dialog bereit.

SPD-Politiker kritisiert Staatsregierung

Empört reagiert auch der verbraucherschutzpolitische Sprecher der BayernSPD im Landtag, Florian von Brunn, allerdings aus anderem Grund: Er fordert von der Staatsregierung sofortige Aufklärung und fragt, wie es sein könne, "dass Verbraucherschutzbehörden nach wie vor beide Augen zudrücken, wenn es um bayerische Lebensmittelproduzenten geht?" Besonders schwer wiege der Vorwurf, die Behörden hätten von den Hygienemängeln gewusst – und trotzdem weder die Öffentlichkeit informiert noch Strafen oder Auflagen verhängt, so von Brunn. "Hätten die Verbraucherschützer von foodwatch nicht die Kontrollberichte erstritten, wüsste die Öffentlichkeit nach wie vor nichts von dem Skandal."

Veröffentlichung von Kontrollergebnissen gefordert

Der SPD-Politiker sieht nun Umweltminister Marcel Huber in der Pflicht zu handeln, in einem Statement des Bayerischen Verbraucherministeriums fordert der Minister Konsequenzen:

"Ich erwarte eine strenge und konsequente Kontrolle durch die Behörden vor Ort. Bei Verstößen muss das Konsequenzen haben. Wir brauchen jetzt zügig Klarheit über den Sachverhalt." Dr. Marcel Huber, Bayerischer Verbraucherschutzminister

Selbst foodwatch erklärt, die Behörden in Deutschland seien nicht verpflichtet, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – deshalb regen die Verbraucherschützer an, das in Dänemark geltende System zu übernehmen: Dort müssen die Betriebe die Kontrollergebnisse an der Eingangstür und im Internet veröffentlichen.

Hintergrund

Die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, kurz KBLV, war im August 2017 als Konsequenz aus den Lebensmittelskandalen vergangener Jahre gegründet worden. Die Behörde hat die Überwachung von rund 600 Großbetrieben von den Landratsämtern übernommen, die eigentlich nur noch kleinere Betriebe prüfen sollen. Die Firma "Landsberger Wurstspezialitäten" zählt zu den Großbetrieben, hat nach Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch aber Einspruch gegen den Zuständigkeitswechsel erhoben. Daher wird das Wurstunternehmen immer noch vom Landratsamt Landsberg geprüft. Es ist dabei nicht das einzige im Freistaat, 19 Firmen klagen derzeit gegen die Änderung. Ein wesentliches Kriterium für die Einstufung als Großunternehmen ist die Überregionalität, d.h. das Unternehmen muss mindestens 1,5 Millionen Menschen als Marktteilteilnehmer dauerhaft versorgen.

Betrieb sieht keine gravierenden Mängel

Foodwatch kritisiert seit Jahren den Umgang der bayerischen Behörden mit Lebensmittelskandalen und verlangt mehr Transparenz. Verstöße müssten den Kunden sofort gemeldet werden, so die Forderung der Verbraucherorganisation. Dies sei ohne eine ausreichende Einordnung aber nicht immer sinnvoll, kontert ein Pressesprecher der Landsberger Wurstfirma. So könnte etwa die Meldung über bräunliche Pfützen einen falschen Eindruck bei den Verbrauchern hinterlassen. In Wirklichkeit sei die Farbe aber nichts Außergewöhnliches, weil in der betreffenden Halle geräuchert werde. Das Landratsamt widersprach der Einschätzung von foodwatch, es habe gravierende Mängel im Betrieb gegeben. Es hätte sich vielmehr um geringfügige Verstöße gehandelt. Morgen will das Landratsamt Landsberg eine offizielle Stellungnahme abgeben.