Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Fördermittel gegen das Wirtshaus-Sterben | BR24

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Seit 2006 grassiert das Wirtshaussterben. Mehr als ein Viertel der Schankwirtschaften hat seitdem zugemacht. Die Staatsregierung will das nun stoppen, und zwar mit einem Modernisierungsprogramm, das Anfang 2019 anläuft.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Fördermittel gegen das Wirtshaus-Sterben

Seit 2006 hat ein Viertel der Schankwirtschaften in Bayern zugemacht. Die Staatsregierung will gegen das Wirtshaus-Sterben vorgehen – mit einem im Januar startenden Förderprogramm.

Per Mail sharen

Die Gemeinde Patersdorf liegt im Bayerischen Wald, knapp 1700 Einwohner, ländlicher Raum. Wenn Alois Hacker über den Stammtisch im hiesigen Berggasthof spricht, dann erklärt er nebenbei das Prinzip Wirtshaus.

"Wenn ich in ein Gasthaus gehe und alleine am Tisch sitze, dann schmeckt auch kein Bier. Dann wird’s langweilig." Alois Hacker, Stammtischbesucher

500 bayerische Gemeinden ohne Wirtshaus

Hackers Glück: Sein Stammtisch in Patersdorf ist noch ein- oder zweimal die Woche gut besucht. Immerhin. Denn immer wieder müssen in Bayern Gasthäuser am Land schließen. Mehr als 3.000 Schankwirtschaften haben laut dem Bayerischen Gaststättenverband in den vergangenen 20 Jahren dicht gemacht. Rund 500 Gemeinden im Freistaat haben kein eigenes Wirtshaus mehr.

Ein Problem: weniger junge Gäste

Auch im Berggasthof Zottling in Patersdorf lassen sich immer weniger Junge im Wirtshaus blicken. Juniorchefin Anna Schwarz wird eines Tages dennoch von ihrer Mutter Monika Schweizer übernehmen. Die beiden haben schon etliche Pläne, um das Gasthaus attraktiver zu machen: Zimmer streichen, Bäder und Toiletten sanieren, vielleicht ein "Hochzeitsstadl", um größere Feiern ausrichten zu können.

Förderprogramm startet im Januar

Was den beiden Frauen entgegen kommt: Auch die Politik will sich ab Januar verstärkt um die bayerischen Wirtshäuser kümmern. Dann startet ein Programm, das Wirtschaftsministerium und Gaststättenverband gemeinsam erarbeitet haben. Konkret plant die Staatsregierung Fördermittel für Modernisierungen, bei über 20.000 Euro will der Staat ein Drittel der Kosten übernehmen.

Bereits im Wahlkampf hat Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kaum eine Rede gehalten, in der er nicht auf die Bedeutung der Gaststätten verwiesen hätte.

"Viele Wirtshäuser haben einen Sanierungs-Stau. Die müssen Küche, Toilette, Inneneinrichtung sanieren. Da helfen wir – damit die Wirtshäuser in Bayern eine Zukunft haben." Hubert Aiwanger Bayerischer Wirtschaftsminister

Kritik auch am Arbeitszeit-Gesetz

Anna Schwarz vom Berggasthof Zottling begrüßt das Förderprogramm – hält es aber nur für einen Anfang. Auch das Thema Arbeitszeiten gehört ihrer Meinung nach überarbeitet. Sie würde sich etwa wünschen, dass angestellte Servicekräfte am Wochenende mal länger als acht Stunden arbeiten dürfen – und dafür unter der Woche weniger.

Das Arbeitszeitgesetz ist aber Bundessache. Genau wie eine Senkung der Mehrwertsteuer oder der Abbau bürokratischer Hürden, auch das sind Forderungen vieler Branchenvertreter. Im Bundesrat oder über die Unions-Fraktion im Bundestag könnte Bayerns neue schwarz-orange Regierung entsprechende Initiativen starten. Ausgang: ungewiss.

"Früher war das Wirtshaus der zentrale Treffpunkt"

Aber auch der Zeitgeist hat sich verändert.

"Früher war das Wirtshaus der zentrale Treffpunkt im Ort. Das ist mit der Zeit immer weniger geworden. Jeder ist im Beruf mehr eingespannt, es gibt generell mehr Freizeit-Angebote." Wirtin Anna Schwarz

Die FDP im Landtag ist nicht überzeugt von Aiwangers Förderplänen. Fraktionschef Martin Hagen warnt davor, Wirtshäuser zu schön sanierten Museen zu machen. Hagens Appell: Wer die Wirtshaus-Kultur erhalten wolle, der solle eben auch öfter mal ins Wirtshaus gehen.

© BR / Regina Kirschner

Seit 2006 hat ein Viertel der Schankwirtschaften in Bayern zugemacht. Die Staatsregierung will gegen das Wirtshaus-Sterben vorgehen – mit einem im Januar startenden Förderprogramm.