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Flutpolder: Hochwasser-Experte widerspricht Aiwanger | BR24

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Flutpolder: Hochwasser-Experte widerspricht Aiwanger

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Flutpolder: Hochwasser-Experte widerspricht Aiwanger

Die Flutpolder bei Regensburg sind gestrichen - doch diese hätten ohnehin keine nennenswerte Auswirkung gehabt, sagte Hubert Aiwanger kürzlich im BR. Er bezog sich auf ein "Rutschmann-Gutachten". Der angesprochene Professor Rutschmann widerspricht.

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Im Koalitionsvertrag haben CSU und Freie Wähler vereinbart, unter anderem zwei angedachte Flutpolder in Eltheim und Wörthhof bei Regensburg nicht zu bauen. Im BR Fernsehen verteidigte Freie-Wähler-Chef und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vergangene Woche die Streichung der Rückhaltebecken: Ein Polder bei Regensburg hätte schlicht "keine Auswirkung in Deggendorf und Passau, wo wir einfach 70 und 130 Kilometer stromabwärts sind". Es gebe ein "Rutschmann-Gutachten, bezogen auf den Polder in Regensburg, das wirklich sagt, bis nach Deggendorf und Passau runter ist nichts mehr festzustellen", sagte Aiwanger im "Rundschau Magazin".

Das sage einem auch der gesunde Menschenverstand, dass so weit im Süden die Auswirkung nicht feststellbar sei, fügte Aiwanger noch hinzu. Die Flutpolder bei Regensburg könnten deshalb gestrichen werden, da sie keinen Sinn machen würden.

Hochwasser-Experte widerspricht Aiwanger

Dieser Darstellung widerspricht jetzt der angesprochene Professor Peter Rutschmann von der Technischen Universität München entschieden. Er hatte die Polderstandorte in einer groß angelegten Studie ermittelt und vorgeschlagen.

Ein bei Regensburg gebauter Polder könne die Hochwasserspitze in Deggendorf sehr wohl senken, nämlich um 1,6 Prozent – bezogen auf das Jahrhunderthochwasser in Bayern 2013. Mit beiden Poldern zusammen, Eltheim und Wörthhof, wäre das Hochwasser in Deggendorf vor dem Zufluss der Isar 20 Zentimeter niedriger ausgefallen, rechnet Rutschmann vor.

Man müsse die Flutpolder entlang der Donau immer im Wirken miteinander betrachten, sagte der Professor für Wasserbau und Wasserwirtschaft dem BR. "Wenn ich einfach einzelne herausnehme, wegen politischer Widerstände beispielsweise, dann ist das Wirkungskonzept irgendwie dahin."

Polder können bei Hochwassergefahr gezielt geflutet werden

Rutschmanns Standortvorschläge hatte das bayerische Landesamt für Umwelt in seine Planungen zum Hochwasserschutz miteinbezogen. Im Flutpolderkonzept ist vorgesehen, dass festgelegte Gebiete entlang der Donau notfalls geflutet werden, wenn Hochwasser droht. Die Polder sind mit Deichen abgetrennte Gebiete, mit Wald und Landwirtschaft.

Bei Hochwasser kann zum Teil gezielt durch Schleusen Wasser aus der Donau in diese Gebiete abgelassen werden; so sinkt der Pegelstand der Donau. Bürger vor Ort wehren sich gegen die Polder, sie befürchten, dass bei einer Flutung auch die Keller ihrer Häuser unter Wasser gesetzt werden.

Aiwanger: "Konstruierter Widerspruch"

Auf den Widerspruch von Professor Rutschmann antwortet Freie-Wähler-Chef Aiwanger mit einer Pressemitteilung: Er sei missverstanden worden. Er habe nie behauptet, dass ein Polder generell keine Auswirkungen stromabwärts habe, so Aiwanger. Aber: "Ich habe behauptet und behaupte es nach wie vor, dass ein Polder bei Regensburg keine nennenswerte Auswirkung auf ein Hochwasser in Deggendorf und Passau hat." Der "konstruierte Widerspruch" zwischen Professor Rutschmann und ihm bestehe nicht. Er habe den Eindruck, dass hier ein Ablenkungsmanöver von den bisherigen Versäumnissen des Freistaats auf seinem Rücken ausgetragen werden solle.

Lokalpolitiker protestieren gegen Flutpolder-Aus

Gegen die plötzliche Streichung der zwei Polder bei Regensburg sowie eines dritten Polders bei Bertoldsheim, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, hatten unter anderem Kommunalpolitiker aus Deggendorf, Passau und Straubing protestiert.

Die Opposition im Landtag warf den Freien Wählern Vetternwirtschaft vor. An zwei der geplanten Standorte stellen die Freien Wähler die Landräte. In Regensburg kommt Hubert Aiwangers Lebensgefährtin Tanja Schweiger die Entscheidung zu Gute. Sie kann den Poldergegnern vor Ort das Aus für die Großprojekte in Eltheim und Wörthhof verkünden.

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