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Dem Hochwasser Raum geben, damit es Städte wie Straubing, Deggendorf und Passau verschont - so etwas soll bald auf einem Acker bei Regensburg entstehen. Aber das erfordert massive Eingriffe in die Landschaft - und da kommt doch Gegenwind auf.

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Flutpolder-Dialog: Anwohner von Staatsregierung enttäuscht

Nach der Vorstellung der Donau-Polder-Studie hat das Umweltministerium am Abend zu einer Dialog-Veranstaltung eingeladen. Diskutiert wird aber nur im kleinen Kreis. Die Anwohner im Landkreis Regensburg sind enttäuscht.

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Von
  • Andreas Wenleder

Stefan Kramer lebt in Kiefenholz. Ein kleines Dorf, direkt an der Donau. Auf der einen Seite wird der Ort vom großen Donaudamm eingeschlossen. Auf der anderen Seite könnte es in wenigen Jahren ganz ähnlich aussehen. Hier soll nach den vergangene Woche vorgestellten Plänen des Bayerischen Umweltministeriums ein Flutpolder entstehen. Ein Rückhaltebecken für den Notfall.

Um einem extremen Hochwasser die Scheitelwelle zu nehmen, könnte der Polder meterhoch geflutet werden. Auf einer Fläche annähernd so groß wie der Tegernsee würde das Wasser im Ernstfall gebunkert werden, bis sich die Lage wieder entspannt. Laut der Studie des Ministeriums ein wichtiger Schutz für die Donauanlieger flussabwärts.

Sorgen um Flächen und Grundwasser

Stefan Kramer und den Bewohnern von Kiefenholz macht der Polder dagegen Angst. Vor allem jetzt, da er nach den neu vorgestellten Plänen noch einmal rund zwei Meter höher werden soll als ursprünglich geplant. Sie befürchten, dass Wasserstände im Polder von etwa zehn Metern die landwirtschaftlichen Flächen im Flutungsfall auf Jahre zerstören. Noch mehr Sorgen bereitet ihnen aber das Grundwasser, das schon heute ohne Polder bei Hochwasser die Keller der Menschen bedroht. Die enorme Wassermenge im Polder von bis zu 30 Millionen Kubikmetern Wasser könnte das Grundwasser der Umgebung zusätzlich nach oben drücken, so die Befürchtung.

Kein Betroffener aus Kiefenholz eingeladen

Seit mittlerweile über 15 Jahren bringen die Anwohner diese Argumente vor, Stefan Kramer auch als Sprecher seines Ortes in der Bürgerinitiative gegen die Polder. Zur Dialogveranstaltung am Abend ist er aber nicht eingeladen, auch kein anderer Vertreter aus Kiefenholz darf kommen. Neben dem Bürgermeister der Stadt Wörth an der Donau, zu der Kiefenholz gehört, ist allein der Vorstand der Interessensgemeinschaft Flutpolder im Landkreis dabei, "ohne Begleitung", wie es in der Einladung heißt.

Es sind die Corona-Einschränkungen, die die Zahl der Teilnehmer begrenzen, das Ministerium kündigt als Alternative zudem Online-Veranstaltungen in den kommenden Tagen und Wochen an. Kramer reicht das aber nicht. Ein anderer Rahmen mit mehr Betroffenen, beispielsweise unter freiem Himmel auf einem Fußballplatz, wäre möglich gewesen. "Wir haben uns seit 2005 dem Dialog gestellt und jetzt werden wir einfach links liegen gelassen", sagt Kramer.

Nicht der erste Dialog mit den Gegnern

Schon 2015 habe es einmal einen intensiven Austausch der Argumente mit der Staatsregierung gegeben. Der Dialog damals wurde von einem externen österreichischen Büro moderiert, die Ergebnisse des damaligen Austauschs liegen schriftlich vor. Bei der vergangene Woche vorgestellten Studie hätten diese aber kaum mehr eine Rolle gespielt, kritisieren die Gegner.

Die Frage, was die Polder tatsächlich an Schutz bringen, sei eine Frage, die geklärt werden müsse, sagt Markus Hörner, Sprecher der IG Polder im Raum Regensburg. Das sei ein Ergebnis des Bürgerdialogs gewesen. Als weiteres Ergebnis sei aber auch die intensive Untersuchung möglicher Alternativen für den Hochwasserschutz festgehalten worden, sagt Hörner. Die vergangene Woche vorgestellte Studie des Umweltministeriums betrachte dagegen aus seiner Sicht fast nur noch die Polder. "Die Staatsregierung hat den Hochwasserdialog zu einem Polderdialog herunterdegradiert", sagt Hörner.

Anwohner verärgert und enttäuscht

Die Menschen in Kiefenholz, sagt Stefan Kramer, seien maßlos verärgert und maßlos enttäuscht. "Das entwickelt sich immer mehr zu einem kleinen Pulverfass." Keine guten Voraussetzungen für den Beginn eines Dialogs.

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Im Westen die Donau, im Norden die Autobahn und im Osten bald schon ein Polderdamm. Die Bewohner des kleinen Orts Kiefenholz wehren sich.

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