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Bildrechte: BR/Tobias Hildebrandt

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth will eine alte Flussschleife der Donau bei Genderkingen reaktivieren. Es könnte ein Paradies für Pflanzen und Tiere entstehen.

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Flussprojekt: Donau soll zwei Kilometer länger werden

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth will eine alte Flussschleife der Donau bei Genderkingen reaktivieren. Es könnte ein Paradies für Pflanzen und Tiere entstehen. In dieser Dimension wäre das Projekt einzigartig an der bayerischen Donau.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

So ganz genau lässt sich die Länge der Donau nicht angeben, circa 2.780 Kilometer vom Ursprung bis ins Schwarze Meer, heißt es beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. In einigen Jahren könnte Europas zweitlängster Fluss aber ganze zwei Kilometer länger werden. Nämlich dann, wenn im Projekt "DonAuRevive" eine alte Flussschleife bei Genderkingen wieder an die Donau angebunden wird. Ein ziemlich einzigartiges Vorhaben, sagt Projektleiter Matthias Schlicker vom Wasserwirtschaftsamt.

Längere Fließstrecke verhindert noch tieferes Eingraben der Donau

Der Hintergrund: Wie an vielen begradigten Flüssen gräbt sich auch die Donau immer tiefer in den Untergrund ein und senkt dadurch zum Beispiel den Grundwasserspiegel in der Umgebung. Bei einer längeren Fließstrecke ist das Gefälle automatisch kleiner.

Dadurch verlangsamt sich die Geschwindigkeit des Wassers und verringert damit seine Kraft, sich noch tiefer einzugraben. Außerdem soll durch das Reaktivieren der alten Flussschleife, die vor fast 200 Jahren abgetrennt wurde, ein Paradies für Pflanzen und Tiere entstehen.

Ursprüngliche Auenlandschaft soll wieder hergestellt werden

In Zusammenarbeit mit der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben gibt es Ideen, im Fluss Kiesinseln anzulegen. Ufer würden abgeflacht und Auwälder angelegt. Eine Landschaft, wie sie ursprünglich ganz normal entlang von Flüssen war, heute aber kaum noch existiert. Profitieren könnten davon Bäume wie die Schwarzerle, Amphibien wie die Gelbbauchunke, der Kammmolch oder Vögel wie der Grünspecht, der Eisvogel und der Teichrohrsänger.

EU könnte Großteil der Baukosten übernehmen

Ob das Projekt so umgesetzt wird, liegt aber vor allem an einer Entscheidung aus Brüssel. Das bayerische Umweltministerium als Antragsteller hofft auf Fördergelder. Die Bewerbung läuft gerade, das Ergebnis soll noch dieses Jahr verkündet werden. Insgesamt sind für das Vorhaben 19 Millionen Euro nötig. Aus dem LIFE-Programm der EU könnten gut elf Millionen fließen, den Rest bezahlt der Freistaat.

Hochwassergefahr darf nicht größer werden

Die nötigen Flächen entlang der alten Flussschleife gehören vor allem dem Freistaat, aber auch einer Kiesabbau-Firma. Die ist laut Wasserwirtschaftsamt mit den Plänen einverstanden. Der Kiesabbau könne in dem Bereich fortgesetzt werden.

Der Bürgermeister vom nahegelegenen Genderkingen, Leonhard Schwab, sagte dem BR, er habe vor allem die Hochwassersituation im Blick. Laut Wasserwirtschaftsamt ist das Anbinden des alten Flussarms aber ohnehin nur möglich, wenn sich die Hochwassergefahr für Anlieger dadurch nicht erhöhe. Das werde man bei den Baumaßnahmen berücksichtigen. Sollte das Projekt Realität werden, ist außerdem eine breite Beteiligung der Bürger vorgesehen.

Damm soll jetziges Flussbett versperren

An der bayerischen Donau sei das Anbinden des alten Flussarms in dieser Größenordnung bisher einmalig, sagt Matthias Schlicker vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Ähnliche Projekte finde man höchstens noch am Main und an der Isar.

Damit das Wasser wieder durch die alte Flussschleife fließt, wird im heutigen Flusslauf ein Damm errichtet. Das Wasser fließt sozusagen in eine Sackgasse und ist gezwungen, den Weg durch sein neues, altes Bett zu nehmen. Läuft alles nach Plan, könnte das in fünf Jahren der Fall sein.

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