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Im betroffene Kindergarten in Ebermannstadt waren Verantwortliche auch am Tag nach dem Flugzeugabsturz noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

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Flugzeugabsturz auf Kita-Gelände: "Wir sind total schockiert"

Ein oberfränkischer Kindergarten ist nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Noch eine Stunde, bevor ein Kleinflugzeug auf den Spielplatz stürzte, waren Erzieherinnen im Haus. Kita-Personal und Flughafen-Mitarbeiter stehen unter Schock.

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Von
  • Markus Feulner
  • BR24 Redaktion

Christine Förtschlanger steht vor dem Kinderclub an der Burg Feuerstein. Der Leiterin des integrativen Kindergartens ist der Schrecken vom Vortag noch anzumerken. "Wir haben richtig Glück gehabt", sagt sie. Am Dienstagnachmittag um 15 Uhr wurde der Kindergarten im oberfränkischen Landkreis Forchheim geschlossen. Bis 16 Uhr saßen die Erzieherinnen aber weiterhin zu einer Teambesprechung im Haus beisammen.

Nur etwas über eine Stunde später stürzte ein Kleinflugzeug auf den Spielplatz direkt am Kindergartengebäude. Der 64-jährige Pilot kam bei dem Absturz ums Leben. Rund 120 Einsatzkräfte waren im Einsatz, darunter auch ein Kriseninterventionsteam und Experten von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Noch in der Nacht bargen sie das Wrack.

Kindergarten nach Flugzeugabsturz beschädigt

Einen Tag nach dem Vorfall begannen für die Mitarbeiter der Einrichtung die Aufräumarbeiten. Ein Trümmerteil des Flugzeugs ließ eine Fensterscheibe des Kindergartens komplett zerplatzen, die Glassplitter verteilten sich im Zimmer dahinter. Den ganzen Vormittag verbrachten die Erzieherinnen damit, kleine Glasscherben auf dem Gelände aufzusammeln: In Spielkisten, auf Teppichen und Kissen sowie in Sitzpolstern fanden sie die Microsplitter. Teile der Einrichtung, wie die Teppiche, müssen nun aus Sicherheitsgründen entsorgt werden.

Auf dem Spielplatz des Kindergartens flattern rot-weiße Absperrbänder. Äste der umstehenden Bäume, Hecken und den Zaun mähte das abstürzende Flugzeug um. Spielgeräte wurden beschädigt. Der Boden im Freigelände und der Sand aus der Buddelkiste sind mit ausgelaufenem Flugbenzin verseucht. Sie müssen abgetragen und entsorgt werden.

Kindergarten bleibt vorerst geschlossen

Diese Woche muss der Kindergarten geschlossen bleiben, bis alle Schäden gefunden, registriert und einigermaßen ausgebessert sind. Vor allem für die Kinder sei das sehr schade, da ihr Kindergarten erst vor 14 Tagen unter Corona-Auflagen wieder öffnen durfte. 19 Kinder in zwei Gruppen sind in dem privat betriebenen, integrativen Kinderclub untergebracht. Sie kommen aus Ebermannstadt und Umgebung in den Kindergarten, der seit 26 Jahren betrieben wird.

Schuldfrage noch nicht geklärt

Jetzt geht es um die mühsame Klärung der Versicherungsfrage. Die wiederum hängt von der Schuldfrage ab. Bis dahin würden sie sich im Integrativen Kinderclub über Spenden freuen: Vom Spielzeug für drinnen über Spielgeräte für draußen bis hin zu finanziellen Zuwendungen. Den Schaden am Kindergarten schätzt die Polizei zwischen 3.000 und 5.000 Euro.

Schneesturm mögliche Absturzursache?

Unterdessen laufen die Ermittlungen zur Absturzursache bei der Staatsanwaltschaft Bamberg und der Kripo, warum der 64-Jährige am Vorabend die Kontrolle verlor und im Garten des Kindergartens tödlich verunglückte. Außerdem untersucht ein Experte der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung das Wrack der Cessna. Nach Angaben von Tanja Adamski, Managerin der Fränkischen Fliegerschule Feuerstein, könnte ein plötzlicher Schneesturm die Ursache für den Absturz gewesen sein. "Während der Pilot in der Luft war und sich schon auf die Landung vorbereitet hatte, kam auf einmal ein Schneesturm auf", so Adamski. "Es kann gut sein, dass der Absturz damit zusammenhängt."

Verunglückter Pilot hatte über 40 Jahre Flugerfahrung

Noch kurze Zeit zuvor seien die Bedingungen ideal gewesen, betonte Adamski. "Er war ein sehr erfahrener Pilot. Er gehörte zu unserem Vorstand und war mehrfach die Woche mit seinem Flugzeug unterwegs, bestimmt seit über 40 Jahren." Am Dienstag sei der Pilot am Flugplatz der Burg Feuerstein zu einem Rundflug aufgebrochen, im ständigen Funkkontakt mit dem Flugleiter. "Er hat ihn auf dem Bildschirm verfolgt - bis zuletzt. Wir sind total schockiert", meinte die Managerin der Flugschule.

Vierter Vorfall innerhalb von drei Wochen

Der Absturz war schon der vierte Flugunfall vor Ort innerhalb von drei Wochen. "Das hat mit dem Flugplatz nichts zu tun, das hätte überall passieren können", sagte Adamski. Ein Pilot habe das Fahrwerk nicht ausgefahren, ein Segelflugzeug sei in den Baumkronen hängengeblieben und zu einem Unfall sei es wegen eines Materialfehlers gekommen. Die Piloten seien alle unverletzt geblieben. Aber auch zu dem tödlichen Absturz am Dienstag sei es keinesfalls aus Leichtsinn gekommen, meinte die Managerin der Flugschule. "Der Pilot kannte den Flugplatz und die Umgebung wie seine Westentasche."

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Ein Sportflugzeug ist in Oberfranken auf dem Spielplatz eines Kindergartens abgestürzt. Der Unfall ereignete sich auf dem Gelände der Burg Feuerstein. Der Pilot der Maschine starb, die Unglücksursache ist unklar.

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