Ungefähr so groß wie ein Hubschrauber, aber mit acht Propellern auf dem Dach wie eine Drohne: Der "CityAirbus" steht auf dem Flugfeld in Manching, bereit für den Abflug. Lionel Arlen ist zwar offiziell der Testpilot des Flugtaxis. Aber der Franzose bleibt am Boden – in einem fensterlosen, weißen Container. "Start und Landung funktionieren schon komplett automatisch, aber dann braucht er noch Kommandos zur Geschwindigkeit und Höhe", sagt der Testpilot.
Dreistelliger Millionenbetrag für das autonome Fliegen
Der Traum vom autonomen Fliegen – auf dem Gelände von Airbus Helicopters in Donauwörth forscht der Luftfahrtkonzern daran. Die Testflüge des "CityAirbus" finden in Manching bei Ingolstadt statt. Insgesamt steckt Airbus nach eigenen Angaben einen "signifikanten dreistelligen Millionenbetrag“ ins elektrische, autonome Fliegen. In vier Jahren könnten erstmals Passagiere transportiert werden.
Doch vielleicht sind andere Unternehmen schneller. So zumindest sieht das Florian Holzapfel, Professor für Flugsystemdynamik an der Technischen Universität München: "Ich möchte an dieser Stelle nicht Airbus als Firma schlechtmachen, weil die sehr gute Hubschrauber bauen, was man insgesamt aber global feststellen kann, ist, dass bei dieser neuen Flugmobilität andere Firmen extrem viel weiter sind."
Der Professor nennt zum Beispiel das Unternehmen Volocopter aus Baden-Württemberg. Dort setze man nicht allein auf Rotoren, sondern auf eine Kombination mit Flügeln. Der Trend gehe stark in diese Richtung, dass der Auftrieb beim Start über die Rotoren komme – so ähnlich wie bei einem Hubschrauber – und beim Vorwärtsflug dann Flügel für den Auftrieb sorgen. Das spart Energie und steigern die Akkulaufzeit. Die wird bei Airbus zurzeit mit rund 15 Minuten angegeben.
Das Flugtaxi schwebt in Manching 20 Meter hoch über das Gelände
Gut möglich, dass auch der "CityAirbus" irgendwann noch Flügel bekommt. Jörg Peter Müller, Geschäftsführer der eigens für die Flugtaxi-Entwicklung gegründeten Airbus Urban Mobility GmbH sagt jedenfalls: "Natürlich werden zukünftige Fluggeräte anders aussehen, das hier ist ein Demonstrator, der war dazu da entsprechende Daten zu sammeln. Die Zukunft wird natürlich ein bisschen anders aussehen und das wird dann die nächste Generation "CityAirbus" werden.“ In den USA erforscht Airbus in einem anderen Projekt auch das elektrische Fliegen mit Flügeln.
Meldungen, dass das Projekt Flugtaxi scheitert, hat Airbus vor einigen Monaten sofort dementiert. Mit der Erklärung: Es sei wahrscheinlich, dass das Flugtaxi, so wie es jetzt aussehe, nie in die Serienproduktion gehen wird. Das sei aber auch nicht das Ziel gewesen. Der sogenannte Demonstrator diene allein der Erforschung des elektrischen, autonomen Fliegens. Klar ist: Das Flugtaxi fliegt. In Manching schwebt das hubschraubergroße Fluggerät jetzt in rund 20 Metern Höhe in einem großen Bogen über das Gelände. Bei jedem Flug sammeln die Ingenieure dabei Daten und versuchen die Flugeigenschaften des "CityAirbus" zu verbessern.
Das Besondere am "CityAirbus": Während andere Unternehmen oft erst mit kleineren Modellen arbeiten, hat Airbus sein Flugtaxi gleich in Originalgröße gebaut. Zwei Tonnen schwer. Damit sind Testflüge unter Realbedingungen möglich. So repräsentiere der "CityAirbus" schon die volle Größe von einem wirklichen Passagiertaxi, sagt Jörg Peter Müller von Airbus. Vier Personen hätten im "CityAirbus" Platz.
Bayern hat das Potential von Flugtaxis früh erkannt
Florian Holzapfel von der TU München sieht die ersten Einsätze von Flugtaxis vor allem dort, wo sich mit einem kurzen Flug viel Zeit sparen lässt: Zum Beispiel, um über ein Gebirge zu kommen oder ohne Fähre eine Insel zu erreichen. Oder dort, wo die Sicherheitslage am Boden kritisch ist und der Transport durch die Luft ungefährlicher. Bei Airbus selbst spricht man immer wieder vom Flug zwischen dem Zentrum einer Metropole und dem Flughafen außerhalb der Stadt. Dabei haben die Entwickler weniger Städte wie München als vielmehr asiatische Metropolen im Blick, deren Straßen oft verstopft sind.
Aber egal, wer letztlich das Rennen um das Flugtaxi der Zukunft gewinnt, Holzapfel sieht Chancen, dass das in Bayern passiert: Neben Airbus würden weitere Firmen wie Volocopter, Joby Aviation oder Hyundai alle im Großraum München an Flugtaxis arbeiten.
Der Freistaat Bayern habe das Potential dieser Technologien sehr gut erkannt und fördere das finanziell sehr stark. "Das heißt, dass sich diese Region, auch global gesehen, zum Zentrum entwickelt und dann ist das eigentlich richtig cool, was hier gerade passiert, weil das dann auch nachhaltige Arbeitsplätze sind“, sagt Holzapfel von der TU München.
Eine weiche Landung, damit den Passagieren nicht übel wird
So wie der von Lionel Arlen. Der Franzose flog viele Jahre für die Marine, war weltweit im Einsatz. Jetzt arbeitet er bei Airbus in Donauwörth. Gerade hat der "CityAirbus" wieder auf dem Boden aufgesetzt. Nach vier Minuten ist ein Drittel des Akkus leer.
Der Testpilot erklärt in seinem französischen Akzent, was für ihn heute wichtig war: "Die Landung war schön! Das ist ein wichtiger Punkt, weil, wenn wir Passagiere mitnehmen wollen, muss die Landung auch ein bisschen schön sein."
Schließlich müssen die Passagiere in einem Flugtaxi ohne Pilot allein der Technik vertrauen. Ein sanfter Flug und eine weiche Landung ist deshalb noch wichtiger. In vier Jahren könnten die ersten Passagiere in den "CityAirbus" einsteigen, vielleicht ist dann sogar anfangs noch ein Pilot an Bord, heißt es bei Airbus – aber den Premierengästen soll dann auf keinen Fall übel werden.
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