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Flughafenchef sieht dritte Startbahn als Beitrag zum Klimaschutz | BR24

© dpa-Bildfunk

27.09.2019, Bayern, Freising: Gleise zum Flughafen München mit dem Tower im Hintergrund

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    Flughafenchef sieht dritte Startbahn als Beitrag zum Klimaschutz

    Der Chef des Münchner Flughafens Michael Kerkloh sieht in einer dritten Startbahn einen Beitrag "zum klimafreundlichen Fliegen". So müssten weniger Warteschleifen geflogen werden und könnte Kerosin gespart werden.

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    Nach Aussage des scheidenden Flughafenchefs, der am 31. Dezember in Ruhestand geht, fliegen die Menschen immer mehr. Der Airport stoße aber schon lange an Kapazitätsgrenzen. Dadurch würden unnötig viele Warteschleifen geflogen. Mit der dritten Startbahn könnten "ein Engpass beseitigt und Kerosin gespart werden", sagte Kerkloh dem "Münchner Merkur".

    Dritte Startbahn auf Eis gelegt

    Für eine dritte Startbahn gibt es zwar seit 2015 eine rechtskräftige Baugenehmigung, das Bundesverwaltungsgericht hatte damals alle Klagen von Bund Naturschutz, umliegenden Gemeinden und fünf Privatleuten abgewiesen. Aber die Freien Wähler haben das Projekt in ihrem Koalitionsvertrag mit der CSU bis zum Ende der Wahlperiode 2023 auf Eis gelegt. Der Freistaat ist größter Anteilseigner des Flughafens.

    Aktionsbündnis "AufgeMUCkt" gegen weitere Startbahn

    Das Aktionsbündnis "AufgeMUCkt" hat sich klar gegen die dritte Startbahn positioniert und auf seiner Internetseite eine Aufstellung von Argumenten veröffentlicht. Während Flughafenchef Kerkloh eine weitere Startbahn als Beitrag zum Klimaschutz sieht, sei eine Ausweitung des Flugverkehrs mit den bayerischen Zielen für den Klimaschutz nicht vereinbar, heißt es vonseiten des Aktionsbündnisses.

    Berechnungen hätten ergeben, dass vom Streckennetz des Flughafens München ein Gesamt-CO2-Ausstoß von 7,5 Millionen Tonnen jährlich verursacht wird. Diese Menge würde im Jahr 2025 auf über 10 Millionen Tonnen ansteigen, sollte der Flughafen sein Vorhaben in die Tat umsetzen.

    Zudem würde die dritte Start- und Landebahn mehr als 1.000 Hektar Vogelschutzgebiet im Nördlichen Erdinger Moos vernichten, so das Bündnis "AufgeMuCkt". Und die Menschen im Umland des Flughafens würden noch mehr mit Lärm und Abgasen belästigt werden.

    Darüber hinaus gebe es gar keinen Bedarf an einer zusätzlichen Bahn. Die Flugbewegungen hätten seit Jahren das bisherige Maximum in den Jahren 2007 und 2008 mit je 432.000 Flugbewegungen nicht mehr erreicht. "Selbst der parteiische Gutachter der Flughafen München GmbH (FMG) gibt zu, dass mit dem Zwei-Bahn-System 480.000 Bewegungen abgewickelt werden können", argumentiert das Aktionsbündnis auf seiner Homepage.

    Flughafenchef kritisiert sofortige Proteste zu "richtigen Projekten"

    Sogar beim Bahnausbau "kommen sofort Bürgerproteste", kritisierte Kerkloh. "Selbst Projekte, die grundsätzlich und von allen als richtig erachtet werden, können wir heute nicht mehr in vertretbaren Zeiträumen umsetzen." Die für den Transrapid vom Hauptbahnhof zum Flughafen fehlende eine Milliarde Euro sei gleich danach "in die Bankenrettung gekippt" worden, und "seither ist bei der Verbesserung der Schienenerschließung kaum etwas passiert".

    Kerkloh geht zum Jahresende in Rente. In seiner Amtszeit seit 2002 hat sich die Zahl der Passagiere auf 46 Millionen pro Jahr verdoppelt. Privatreisen seien der große Treiber, sagte Kerkloh. Auch wenn das Fliegen teurer werde, ändere das nichts am Grundbedürfnis nach Mobilität. Deshalb müsse das Fliegen effizienter und nachhaltiger werden - etwa mit synthetischem Kerosin.

    Weniger Inlandsflüge, mehr Interkontinental

    Mit insgesamt mehr als 38.000 Beschäftigten bei rund 520 Unternehmen gehört der Flughafen München zu den größten Arbeitsstätten Bayerns. 2018 wurden rund 413.000 Flüge mit 46,3 Millionen Passagieren abgewickelt. Im ersten Halbjahr 2019 stieg das Passagieraufkommen um 10,6 Prozent, größter Treiber ist der Interkontinentalverkehr, im Europaverkehr waren es plus 4,5 Prozent. Der viel kritisierte Deutschlandverkehr geht bundesweit unterm Strich eher zurück.