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Flughafenchef: Kurzstreckenflüge nicht schädlicher als Autos | BR24

© dpa/pa

Nürnberger Flughafen

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    Flughafenchef: Kurzstreckenflüge nicht schädlicher als Autos

    Umweltschützer zählen das Fliegen zu den Klimakillern. Nürnbergs Flughafen-Chef Hupe erteilt einer CO2-Steuer dennoch eine Absage - und macht eine Modellrechnung auf, die das Flugzeug zumindest im Vergleich zum Auto gut dastehen lässt.

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    Der Geschäftsführer des Nürnberger Flughafens, Michael Hupe, verteidigt Kurzstreckenflüge gegen Verbotsforderungen. Zubringerflüge von Nürnberg zu sogenannten Hubs, internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt oder München, würden vor allem von Geschäftsreisenden genutzt.

    Ich halte ein Verbot für absolut abwegig. Der Kunde fliegt häufig allein und nicht mit der Familie. Wenn Sie 80 Passagiere auf dem Flug von Nürnberg nach München haben, können Sie davon ausgehen, dass Sie dann 75 Autos auf der Straße hätten." Michael Hupe, Geschäftsführer Nürnberger Flughafen

    Hupes Rechnung: 3,5 Liter auf 100 Kilometer

    Bei einem inzwischen erreichten Spritverbrauch beim Fliegen pro Person von 3,5 Litern pro 100 Kilometer ergäben sich keine großen Differenzen zwischen Flugzeug und Auto. „Und wenn, dann zugunsten des Flugzeugs“, erklärte Hupe. Solange der Flughafen München keinen direkten ICE-Anschluss habe, weiche der Passagier auf die Straße aus oder nutze Verbindungen über Paris, Amsterdam oder Istanbul, die von Nürnberg aus angeboten werden und mit denen er ebenso weltweite Ziele erreichen könne.

    Den direkten Vergleich mit der Bahn macht Hupe indes nicht auf. Auch berücksichtigt seine Rechnung nicht den Unterschied zwischen Kerosin und Benzin, geht nicht auf den Treibhauseffekt und nicht auf die Tatsache ein, dass Flugzeugemissionen in großer Höhe ausgestoßen werden - Faktoren, die etwa das Umweltbundesamt zu einer anderen Einschätzung kommen lassen.

    Wachsende Kritik an Steuervorteilen für den Luftverkehr

    Schon seit langem prangern Kritiker eine Wettbewerbsverzerrung bei der Mobilität an, von der vor allem der Luftverkehr profitiert: Fluggesellschaften zahlen keine Kerosinsteuer und auf internationale Tickets keine Mehrwertsteuer. Vom massiv gewachsenen Angebot an Billigflügen profitierte zuletzt auch der Flughafen Nürnberg.

    Nürnberg - München auf dem Luftweg: Muss das sein?

    SPD und Grünen im Landtag sind vor allem die Kurzstreckenflüge ein Dorn im Auge. Grünen-Chef Eike Hallitzky nannte die innerbayerische Flugstrecke Nürnberg-München im Februar eine „ökologische und ökonomische Absurdität“ und verlangte deren Einstellung. Auch die Landtags-SPD forderte eine weitgehende Verlagerung der Kurzstreckenflüge von und nach München auf die Bahn.

    Am Nürnberger Flughafen hatte der innerdeutsche Verkehr im vergangenen Jahr einen Anteil von elf Prozent an allen Flugbewegungen. Zubringerflüge zu internationalen Drehkreuzen machten 44 Prozent aus.

    Nur noch Flüge ab 1.500 Kilometern Distanz?

    Zur Forderung von EU-Kommissar Frans Timmermans nach einem europaweiten Verbot von Flügen bis 1.500 Kilometern, sagte Hupe: „Diese Distanzen gehen über mehrere Landesgrenzen hinaus. Entsprechende Bahn-Angebote wären sehr fragmentiert und mit großem Umsteigebedarf verbunden. Ich glaube nicht, dass das für die Kunden akzeptabel wäre.“

    Eine wichtige Säule im Streckennetz des Nürnberger Airports seien private Flüge von ausländischen Arbeitnehmern zu Freunden und Verwandten. „Vor vielen Jahren sind diese Menschen mit dem Bus gefahren, heute geht es mit dem Flugzeug viel effizienter und viel schneller. Denen den Heimflug zu verbieten, halte ich für unsozial.“

    Hupe: "CO2-Steuer bringt nichts"

    Einer CO2-Steuer erteilte Hupe eine Absage. Diese würde, zumindest als nationale Steuer, Ausweichbewegungen bei den Passagieren auslösen - wie das schon die in Deutschland geltende Luftverkehrssteuer bewirke.

    „Die Luftverkehrssteuer führt bereits jetzt dazu, dass etwa eine Umsteigeverbindung von Nürnberg über Frankfurt nach New York ungefähr 50 Euro teurer ist als über Amsterdam nach New York.“ Michael Hupe, Geschäftsführer Nürnberger Flughafen

    Der Luftverkehr sei der einzige Verkehrsträger, der dem europäischen Emissionshandel unterliegt. „Das bedeutet, Zuwächse im Luftverkehr müssen die europäischen Airlines seit 2012 durch den Kauf von CO2-Zertifikaten ausgleichen“, betonte Hupe. Viele Airlines investierten derzeit in neue Maschinen, die 20 bis 25 Prozent weniger Treibstoff verbrauchten.

    Auch synthetische Treibstoffe wie Biokraftstoffe aus Algen seien lohnenswerte Überlegungen. „Ich halte zum Beispiel kohlenwasserstoffbasierte Antriebe für durchaus zukunftsfähig“, sagte Hupe. Derzeit befinde sich das sogenannte grüne Kerosin noch in der Forschungsphase. Zur Herstellung würden Wasser und Kohlenstoffdioxid benötigt, unter Einsatz von Strom entstehe daraus flüssiger Kohlenwasserstoff als Treibstoff. Dagegen könnten Elektromotoren aus seiner Sicht nur auf ganz kurzen Strecken Anwendung finden. In Mittelstreckenflugzeugen würden die Batterien dagegen zu schwer.