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Flughafen: Zwangstests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten? | BR24

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Die Herbstferien stehen vor der Tür und trotz Corona planen manche einen Urlaub im europäischen Ausland. Aber: Für Rückkehrer aus Risikogebieten gelten bestimmte Auflagen und die haben manchmal unangenehme Konsequenzen...

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Flughafen: Zwangstests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten?

Wer in den Herbstferien trotz Corona einen Urlaub im Ausland plant, sollte sich vorher genau über die Einreise-Quarantäne-Verordnung informieren. Für Rückkehrer aus Risikogebieten gelten einige Auflagen - der Aufwand ist teilweise erheblich.

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Von
  • Mathias Flasskamp
  • BR24 Redaktion

Was Tobias vergangene Woche bei seiner Rückkehr aus einem Frankreich-Urlaub erlebt hat, verärgert ihn noch immer. Seinen Nachnamen möchte der Familienvater aus Krailling im Landkreis-Starnberg lieber für sich behalten.

Vor einer Woche fliegt Tobias mit seiner Frau und den beiden Töchtern von Nizza zurück nach München. Die Familie hatte in Antibes an der Côte d'Azur Urlaub gemacht. Südfrankreich gilt als Risikogebiet, deswegen müssen Rückkehrer bei der Einreise in Bayern für 14 Tage in Quarantäne. Wer das vermeiden will, kann stattdessen auch einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Tobias hatte sich und seine Familie vor dem Abflug testen lassen. 600 Euro hat ihn das inklusive der Anfahrt eines Arztes gekostet.

Ausländische Corona-Tests müssen auf Deutsch oder Englisch vorgelegt werden

Zurück in München erlebt der 41-jährige allerdings eine böse Überraschung: Der Test wird nicht anerkannt, denn er ist auf Französisch verfasst. Tobias ist ziemlich überrascht: "Wir hatten eben diesen Test, sind damit zu der Station und die Frau hat dort gleich gesagt, der ist leider nicht gültig, weil der Test nicht auf Deutsch oder Englisch ist."

Das mag in Zeiten eines zusammenwachsenden Europa zwar seltsam klingen, entspricht aber der Bayerischen Einreise-Quarantäne-Verordnung. Marcus da Gloria Martins, der Sprecher der Corona-Task-Force im Bayerischen Gesundheitsministerium bestätigt: Die Regelung einer Attest-Vorlage auf Deutsch oder Englisch sei in der bayerischen Quarantäneverordnung hinterlegt, damit die Fälle zügig abgearbeitet werden können.

Französisch sei zwar keine seltene Sprache, so der Sprecher weiter, aber man müsse sich eben die Frage stellen, bei welcher Sprache man aufhört? Darum habe man sich auf die Amts- und Verkehrssprache Deutsch sowie die im internationalen Verkehr akzeptierte Konsenssprache Englisch geeinigt.

Für Tobias und seine Familie bedeutet das: 600 Euro umsonst ausgegeben. Sie müssen am Flughafen München noch einmal zum Corona-Test. So lange dürfen sie den Sicherheitsbereich nicht verlassen.

Keine "Zwangstests", sondern "Duldung einer Probeentnahme"

In Bayern sind laut Gesetz keine Zwangstests vorgesehen. Die Prozedur am Flughafen könne sich aber so ähnlich anfühlen, meint Tobias: Er dachte, dass es keine Testpflicht am Flughafen gebe, sondern dass man sich auch bei seinem Hausarzt testen lassen könne. Sie hätten aber den Eindruck gehabt, das Gebäude nicht ohne Test verlassen zu dürfen.

Auf Amtsdeutsch heißt es jedoch nicht "Zwangstest", sondern "Duldung einer Probeentnahme" - und die ist für Rückkehrer aus Risikogebieten am Flughafen obligatorisch. Juristisch gilt das nicht als Zwang, erläutert Marcus da Gloria Martins: Man setze das nicht mit Zwang durch, aber es sei "bußgeldbewehrt". Das heißt: Wenn man den Test verweigere, müsse man in Quarantäne und riskiere gleichzeitig ein Bußgeld.

Die maximale Höhe des Bußgelds beträgt 25.000 Euro, das wird kaum einer riskieren wollen. Auch Tobias hat mit seiner Familie am Flughafen den kostenlosen Corona-Test gemacht. Verglichen mit Rückkehrern, die im Auto aus einem Risikogebiet kommen und nicht kontrolliert werden, fühlt er sich aber irgendwie gegängelt.

Kleinkinder können am Flughafen nicht getestet werden

Außerdem konnte die 14-Monate-alte Tochter am Flughafen nicht getestet werden, weil Kleinkindertests von Ärzten durchgeführt werden sollen. Die müssen dann von den Eltern organisiert werden. Ein weiterer Aufwand, den Rückkehrer aus Risikogebieten vor Reiseantritt bedenken sollten.

Tobias ist jedenfalls überrascht, welche Folgen die Auflagen mit sich bringen können: Er würde es jetzt auf keinen Fall noch mal so machen, nach all dem, was die Reise nach sich gezogen habe. Seiner Meinung nach steht der schöne Urlaub nicht dafür.

Sogar eine Woche später ist der Ärger für ihn noch nicht erledigt. Weil das schriftliche Testergebnis der Tochter immer noch nicht da ist, kann sie nicht zur Tagesmutter und Tobias kommt nur sehr eingeschränkt zum Arbeiten.

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