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Lage am Münchner Flughafen normalisiert sich nur sehr langsam | BR24

© BR/ Alf Meier

Mitten in den Sommerferien wieder eine Panne am Münchner Airport: Weil ein Passagier ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt war, mussten rund 190 Starts und Landungen annulliert und beide Terminals teilweise geräumt werden.

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Lage am Münchner Flughafen normalisiert sich nur sehr langsam

Ein Passagier aus Spanien war beim Umsteigen ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt. Er hatte auf dem langen Weg einen Notausgang genutzt und war den Kameras entschwunden. Folge: Rund 200 Flüge wurden abgesagt, viele waren verspätet.

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Nach der mehrstündigen Terminal-Sperrung am Flughafen München normalisiert sich die Lage nur sehr langsam. Am Dienstagvormittag war ein Passagier aus Spanien beim Umsteigen ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt. In der Folge wurden 200 Flüge annulliert, 25.000 Reisende sind betroffen. Noch immer gibt es Warteschlangen an den Umbuchungsschaltern. Und alle stellen sich auf einen langen Abend ein.

Lufthansa hat 1000 Hotelbetten gebucht

Die Restaurants bleiben bis Mitternacht geöffnet - und die Sicherheitskontrolle sogar bis ein Uhr. Damit möglichst viele Maschinen noch starten können, wurden Sondergenehmigungen für Nachtflüge beantragt. Trotzdem werden nicht alle gestrandeten Passagiere vor morgen früh weiterreisen können.

Allein die Lufthansa, die als größte Airline am stärksten betroffen ist, hat 1000 Hotelbetten gebucht. Eine Sprecherin will aber auch nicht ausschließen, dass Passagiere im Terminal übernachten müssen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn  jemand in München nur umsteigen wollte und den Sicherheitsbereich mangels Deutschland-Visum nicht verlassen darf. Ob das alles auch morgen noch Auswirkungen auf den Flugbetrieb hat, ist derzeit noch offen.  

Der Spanier, der am Münchner Flughafen am Vormittag für Aufregung gesorgt hat, durfte laut Bundespolizei inzwischen seine Weiterreise antreten. Nach Angaben der Polizei gibt es keinen Zweifel daran, dass er aus Versehen in den Sicherheitsbereich gelangt war.

Junger Spanier erschrocken über Folgen seines Fehlers

Es handelt sich um einen 20 bis 25 Jahre alten Mann, der in der Früh aus Bangkok nach München gekommen war und weiter zu seinem Anschlussflug nach Madrid wollte. Auf dem Weg dorthin öffnete er per Notknopf einen Notausgang und gelangte so in den Sicherheitsbereich, in den nur kontrollierte Passagiere dürfen. Laut Bundespolizei zeigte sich der junge Spanier erschrocken darüber, was er mit diesem Fehler ausgelöst hat.

© BR

Chaos am Münchner Flughafen: Ein Spanier war ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt. Der junge Mann befindet sich in Gewahrsam. Große Teile beider Terminals waren stundenlang gesperrt. Gut 190 Flüge wurden abgesagt, viele sind verspätet.

Mann kam aus nichtsicherem Drittstaat nach München

Bei Thailand handelt es sich um einem sogenannten nichtsicheren Drittstaat – ein Land, das nicht nach europäischen Standards kontrolliert. Passagiere, die aus solchen Ländern kommen, müssen bei der Einreise in die EU noch einmal kontrolliert werden. Am Münchner Flughafen werden sie über einen speziellen Gang zu einer Kontrolle geführt. Auf dieser Route gibt es Notausgänge.

Flughafen durchsucht, Passagiere erneut kontrolliert

Weil der anschließende Weg des Mannes durch die Überwachungskameras nicht lückenlos nachverfolgt werden konnte, wurden alle Bereiche, in denen er sich aufgehalten haben könnte, akribisch abgesucht. Die Passagiere in den betroffenen Terminal-Teilen mussten danach noch einmal kontrolliert werden.

Das Terminal 2 sowie die Bereiche B und C des Terminals 1 waren stundenlang gesperrt. Zu diesen Abschnitten des Terminals 1 hätte der Spanier theoretisch per Rollfeld-Bus gelangen können.

Erst am Mittag geht es weiter

Gegen 11.15 Uhr starteten die Terminals wieder mit der Abfertigung von Passagieren. Bis 12.45 Uhr durften neu eintreffende Fluggäste das Terminal 2 allerdings noch nicht betreten, weil laut Flughafen Überfüllung drohte. Der Flughafen verteilte Wasser und informierte die Passagiere über Lautsprecher sowie via Twitter über die Verzögerungen und Ausfälle.

200 Flüge annulliert - fast 25.000 Reisende betroffen

Wegen der Räumung mussten inzwischen rund 200 Starts und Landungen abgesagt werden. Hingegen halte sich die Zahl der verspäteten Maschinen in Grenzen, sagte ein Flughafensprecher. Bei der engen zeitlichen Taktung am Münchner Flughafen können Flüge nicht so einfach verschoben werden, daher kommt es schnell zu Ausfällen. Fluggesellschaften bemühen sich dann nach Möglichkeit um Umbuchungen von Passagieren auf spätere Flüge.

Insgesamt waren für Dienstag etwa 1.200 Starts und Landungen im Erdinger Moos geplant. Im Schnitt seien an einem solchen Tag 120.000 Passagiere an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen unterwegs. Von den annullierten Flügen waren laut Flughafen knapp 25.000 Reisende betroffen.

Spanier drohen Schadensersatzforderungen

Das könnte den jungen Spanier noch hart treffen. Es ist nicht auszuschließen, dass auf ihn Regressforderungen des Flughafens oder der Fluggesellschaften zukommen. Der Flughafen selbst und die Lufthansa als hauptsächlich betroffene Airline mit mehr als 140 ausgefallenen Flügen mit insgesamt 14 000 Reisenden prüfen dies derzeit. Von Seiten der Bundespolizei drohen keine Konsequenzen.

© picture alliance/Peter Kneffel/dpa

An der Anzeigetafel des Münchner Flughafen zeigt zahlreiche annullierte Flüge an.

Sommer 2018: Terminal 2 wegen Sicherheitspanne geräumt

Ähnliche Vorfälle an Flughäfen gibt es immer wieder. Zu Beginn der Sommerferien 2018 hatte die Bundespolizei das Terminal 2 des Münchner Flughafens und das dazugehörige Satelliten-Terminal geräumt, weil eine 40 Jahre alte Frau unkontrolliert durch eine Sicherheitsschleuse gelangt war.

Damals mussten 330 Flüge abgesagt werden. Mehr als 31.000 Passagiere waren über das ganze Wochenende betroffen. Der Schaden ging in die Millionen.

Der Flughafen verteilte freiwillig knapp 6.000 50-Euro-Gutscheine. Das Amtsgericht Erding entschied, dass Fluggesellschaften nicht zu einer Ausgleichszahlung verpflichtet sind, wenn Passagiere aufgrund einer Anti-Terror-Maßnahme nicht fliegen können. Vier Kläger aus München hatten eine Entschädigung von je 400 Euro wegen Flugbeförderungsverweigerung gefordert. Das Amtsgericht entschied aber, dass die beklagte Fluggesellschaft die Beförderung nicht verweigert habe, weil die Kläger nicht rechtzeitig am Abfluggate erschienen seien und die Fluggesellschaft für die Anti-Terror-Maßnahme der Bundespolizei nicht verantwortlich sei.