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Klimaneutral bis 2030. Das will der Flughafen München mit seinen Gebäuden erreichen, vor allem durch Energiesparen. Das allein dürfte aber nicht reichen. Deshalb soll ein so genannter Klimawald entstehen.

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Flughafen München: Greenwashing mit "Klimawald"?

Der Münchner Flughafen möchte mit einem sogenannten Klimawald-Projekt CO2 einsparen und mit seinen Gebäuden bis 2030 klimaneutral werden - allerdings nicht bei den Flügen. Der Bund Naturschutz kritisiert das Vorhaben als "Greenwashing".

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Von
  • Arne Wilsdorff

Für den Bund Naturschutz ist die Sache klar: Mit 1.900 Hektar Klimawald, der in einigen Jahren jährlich 7.000 Tonnen Co2 binden soll, ist die Klimabilanz des Münchner Großflughafens nicht nachhaltig zu verbessern. Für Manfred Drobny vom Bund Naturschutz in Freising ist das "ein klassisches Greenwashingprojekt". Dann man suggeriere nur, man könne damit "groß was" für den Klimaschutz erreichen. De facto sei der Beitrag so gering, dass er mit wenigen Transatlantikflügen wieder aufgebraucht wäre.

Flughafen weist Greenwashing-Vorwurf zurück

Der Chef des Münchner Flughafens, Jost Lammers, weist den Vorwurf zurück. Die 2,5 Millionen Euro seien sehr wohl gut investiert. Er finde, das Projekt als Greenwashing abzutun, sei "unfair". Schließlich seien das "wichtige Projekte, die ganz konkreten Nutzen für die Klimabilanz stiften. Und das noch hier in Bayern und mit Bäumen."

Klimawald soll 7.000 Tonnen CO2 absorbieren

Allerdings: Das Ziel des Flughafens, bis 2030 klimaneutral zu sein, bezieht sich nicht auf die Flüge und ihren Spritverbrauch, sondern nur auf den Flughafen mit seinen Gebäuden, Fahrzeugen und der Haustechnik. 100.000 Tonnen CO2 im Jahr verursacht der Münchner Flughafen zur Zeit. Auf Null will man vor allem durch Einsparungen beim Energie- und Stromverbrauch, etwa beim Heizen oder dem Fuhrpark kommen. Für rund 40.000 Tonnen CO2 sucht der Flughafen Kompensationsprojekte – wie eben den Klimawald.

Statt der eingeführten Klima-Zertifikate für Baumpflanzungen in den Tropen sollen künftig bayerische Bäume jährlich 7.000 Tonnen CO2 binden. Für Flughafen-Aufsichtsratschef und Finanzminister Albert Füracker ein wichtiger Schritt, um das Ziel des Klimaschutzes zu erreichen. Schließlich verfolge der Flughafen "hunderte Projekte" Richtung Klimaneutralität. Man müsse eben "alles tun, um das Ziel zu erreichen", so Füracker.

Graf Arco erhält 2,5 Millionen für Waldumbau

Über 30 Jahre investiert die Flughafengesellschaft deshalb rund 2,5 Millionen Euro in den ökologischen Waldumbau auf 1.900 Hektar Wald in Niederbayern und der Oberpfalz. Deren Besitzer ist Max-Georg Graf von Arco auf Valley, der sich freut, dass "beide Seiten profitieren, sowohl die Flughafen FMG als auch die gräfliche Forstverwaltung". Für den Waldumbau würden nun Bäume gepflanzt, "die mit Trockenheit, mit Sonnenschein besser zurechtkommen als die bisherigen. Es wird weiterhin Holz dort produziert."

Schließlich helfe die Entnahme von Holz auch dem Klimawald, denn dann hätten andere Bäume wieder mehr Platz zum wachsen. Außerdem, so Graf Arco, mache man "das sehr intelligent, indem wir unseren Wald so umbauen, dass wir eine höhere Bindeleistung erreichen als heute". Der ökologischere Mischwald soll 30 Prozent mehr CO2 binden als bisher, verspricht die Flughafen GmbH.

Bund Naturschutz: Vorteil für Waldbesitzer, nicht für Umwelt

Für Manfred Drobny vom Bund Naturschutz profitiert von den Klimawaldmillionen vor allem Graf Arco. Schließlich werde in dessen Wäldern "etwas gemacht, was man eigentlich sowieso machen muss, wenn man ein verantwortungsbewusster Forstwirt ist. Nämlich weg von Fichte – hin zu Mischwald. Und das ist ganz nett, aber bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein."

Forstwirtschaftsprofessor lobt Klimawald-Modell

Aber dass zwei Wirtschaftsunternehmen zum gegenseitigen Nutzen kooperieren, das sei durchaus beispielgebend, findet der Freiburger Forstwirtschaftsprofessor Thomas Seifert, der das Projekt für den Flughafen wissenschaftlich begleitet. Und zwar trotz der begrenzten Klima-Wirkung.

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