BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / dpa
Bildrechte: picture alliance / dpa

Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof München im September 2015

Per Mail sharen

    Flüchtlinge und Helfer blicken auf 5 Jahre "Wir schaffen das"

    Ende August, Anfang September 2015, kamen Zehntausende Flüchtlinge in München an. Die Bilder vom Hauptbahnhof gehen um die Welt - genauso wie die Worte von Kanzlerin Merkel. Was ist seither geschehen und wie geht es Geflüchteten und Helfern heute?

    Per Mail sharen
    Von
    • Johannes Reichart

    Mutaz Ramadan bohrt kleine Löcher in ein Frischwasser-Modul der Firma Sandler. Der 21-jährige Syrer macht eine Ausbildung beim Heizspezialisten in Kaufbeuren, er tüftelt gerne und das gehe nicht "ohne Spaß", wie er sagt. Mutaz war einer der Flüchtlinge, die 2015 am Münchner Hauptbahnhof ankamen, für ihn war es als 16-Jähriger in Deutschland kein leichter Start. "Es war schwer, weil die Sprache zu schwer ist", sagt er, "und man muss so viel kennen".

    Hilfe für hochschwangere Frauen

    Geholfen hat ihm maßgeblich der Arbeitskreis Asyl in Kaufbeuren – mehr als 200 Ehrenamtliche packten damals mit an, als die Flüchtlinge ankamen. "Es war eine absolut spannende Zeit, jeden Tag waren neue Leute da", erzählt Cornelia Paulus, die als Integrationslotsin die Ehrenamtlichen in Kaufbeuren koordiniert und 2015 noch in der Bayernkaserne in München in der Beratung von Flüchtlingsfrauen tätig war. "Wir mussten den Frauen vieles erklären: Wo können sie in München zu Untersuchungen gehen? Es kamen hochschwangere Frauen, denen haben wir Babypakete gegeben."

    Aufregend ging es weiter: Wohnungen, Jobs, Integrationskurse. Bis 2017 kamen nach Kaufbeuren rund 750 heute anerkannte Flüchtlinge. Einer davon ist Mohammad Alshaabni. Der Syrer arbeitet nun selbst als Ehrenamtlicher mit im Arbeitskreis Asyl. Den Tag seiner Ankunft in Kaufbeuren 2015 wird er nicht vergessen: "Wir waren sechs Männer und hatten die gleiche Unterkunft. Der Hausmeister hat vor der Tür gesagt, hier sind eure Schlüssel und dann bis morgen."

    Ein normales Leben

    Mohammad arbeitet als Übersetzer ins Arabische. Er kennt die syrischen Familien in Kaufbeuren und stellt fest: "Wir schaffen das" habe hier im großen und ganzen funktioniert. "Circa 70 oder 80 Prozent von den Familienvätern haben Arbeit, sie haben feste Wohnungen, Autos und leben jetzt ein normales Leben."

    Dem stimmt die Integrationslotsin Paulus weitgehend zu. Nur die deutsche Sprache mache vielen noch zu schaffen. "Es ist vor allem für Frauen, die hier Kinder bekommen haben, extrem schwierig, weil sie mit ihren Kindern nicht in die Integrationskurse gehen konnten."

    Ein weiteres Problem sei die Wohnungssuche, sagt Andrea Betz von der Inneren Mission München. "Es gibt Menschen, die seit 2015 in Flüchtlingsunterkünften leben. Dort hat man sieben Quadratmeter pro Person, Gemeinschaftssanitäranlagen, Gemeinschaftsküchen. Die Menschen wünschen sich nichts mehr, als in einem eigenen Wohnraum zu leben." Doch auch Betz kommt zum Schluss: Ja, man habe es geschafft und müsse es weiter schaffen, denn Integration sei ein langer Prozess.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!