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Flüchtlinge auf dem bayerischen Arbeitsmarkt | BR24

© BR / Christiane Hawranek

Amina macht eine Ausbildung in einer Münchner Zahnarztpraxis

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Flüchtlinge auf dem bayerischen Arbeitsmarkt

Als Kellner, Spüler, Arzthelferin und auch als Umweltingenieur: Immer mehr Flüchtlinge haben in Bayern feste Jobs oder Ausbildungsplätze. Wirtschaft und Handwerk brauchen sie. Aber es gibt viele gesetzliche und menschliche Hürden zu überwinden.

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Hochkonzentriert sitzt Sayed Ali Fakhri mit aufgeklapptem Laptop in einer Vorlesung in der TU München. Es geht um Bodenformationen und Wasser, auf Englisch.

Auch mit Masterabschluss als Ingenieur kein Bleiberecht

Der 37-Jährige stammt aus Afghanistan, hat dort bereits als Bauingenieur gearbeitet und bereitet sich derzeit auf seinen Masterabschluss als Umweltingenieur vor. Er könnte damit sofort einen gut bezahlten Job in Deutschland bekommen – wäre sein Asylverfahren nicht in erster Instanz abgelehnt worden. Sein Studium darf er noch beenden. Aber danach? Sayed Ali Fakhris Gesicht verdüstert sich: "Es gibt keinen Grund, dass ich sicher bleiben kann.“

Azubi aus Eritrea liebt die Regeln in Deutschland

Die 20jährige Amina kam vor fünf Jahren allein übers Mittelmeer und Italien nach Deutschland. Ihre Eltern sind verstorben. In einer Münchner Zahnarztpraxis macht sie eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin im zweiten Lehrjahr. Routiniert sterilisiert sie Geräte, liebevoll kümmert sie sich um ältere Patienten. Die junge Frau aus Eritrea spricht nahezu fließend Deutsch und schätzt Regeln und Strukturen ihrer neuen Heimat.

Leider ist das nicht immer so. Laut dem Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt vom Verband der Bayerischen Wirtschaft sind weibliche Geflüchtete wesentlich schlechter auf dem Arbeitsmarkt integriert als männliche. Nur fünf Prozent haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nach 18 Monaten eine Arbeitsstelle.

Nur mit Nachhilfe schaffen Flüchtlinge die Berufsschule

Die meisten Flüchtlinge bringen keine besonderen Qualifikationen mit und landen in prekären Beschäftigungsverhältnissen. "Mit unsicherer Perspektive, schlecht bezahlt“, sagt Sozialarbeiterin Andrea Hagen, die hauptberuflich in einer Flüchtlingsunterkunft in München-Sendling junge Männer in Arbeit vermittelt. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich beim Flüchtlingsprojekt Bellevue di Monaco. Das Ziel von ihr und ihrem Team ist es, die überwiegend jungen Leute so fit zu machen, dass sie eine Ausbildung in Deutschland machen. Aber das kostet die ehrenamtlichen Helfer viel Zeit, Geduld und Kraft. Denn die Flüchtlinge, so Hagen, schaffen die praktischen Teile der Lehre durchwegs gut. "Aber sobald es um den schulischen Teil geht, da brauchen sie sehr viel Nachhilfe.“

Der Spüler kann jederzeit abgeschoben werden

Barbara Krönner, Seniorchefin der traditionsreichen Konditorei Krönner im oberbayerischen Murnau ist traurig und wütend. Vor vier Jahren hatte sie zwei nigerianische Flüchtlinge eingestellt, als Spüler. Besonders Johnson Adeniyi Adyodabo, Mitte 30, entwickelte sich zu einem Allroundtalent. Für die Konditorei ein großes Glück, denn Personal ist sehr rar. Im Oktober 2019 aber wurde sein Asylantrag abgelehnt. Barbara Krönner: "Ich habe einen Mitarbeiter, der bei mir beschäftigt ist, innerhalb von 10 Minuten verloren.“