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Wie Corona die Arbeitswelt verändert

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Fluch oder Segen? Wie Corona die Arbeitswelt verändert

"Es wird nie mehr so sein wie früher“, sagt ein Personalreferent nach einem Jahr Homeoffice. Corona hat unsere Arbeits- und damit auch Lebenswelt verändert. Eine Projekt-Managerin findet, dass vieles Fortschrittlicher geworden ist.

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Von
  • Eleonore Birkenstock

Ein Jahr Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt durcheinander gewirbelt: Die einen arbeiten weniger, weil sie in Kurzarbeit sind. Für andere wiederum gilt seit einem Jahr: “Wir arbeiten mehr“ wie beispielsweise ein Holzbau-Meister an einer Baustelle. Und für viele, die vorher im Büro gearbeitet haben, ist die Heimarbeit zur Regel und das Pendeln zum Arbeitsplatz zur Ausnahme geworden.

Homeoffice früher und heute

Kerstin Schmidt hat Jahre vor der Pandemie, nach ihrer Elternzeit, mit ihrem Arbeitgeber ausgehandelt, dass sie teilweise im Homeoffice arbeitet. Anschließend habe sie manchmal das Gefühl gehabt, sich gegenüber Kolleginnen und Kollegen dafür rechtfertigen zu müssen. Das hat sich im vergangenen Frühjahr schlagartig geändert. “Von einem Tag auf den anderen waren dann alle im Homeoffice“, berichtet Kerstin Schmidt. Sie geht davon aus, dass die Arbeit von zuhause in Zeiten von Corona mehr Wertschätzung erfahren hat. "Dass es wirklich auf die Leistung ankommt, die man erbringt und nicht darauf, ob derjenige bis abends um sechs im Büro sitzt oder nicht. Ich denke, wir sind viel fortschrittlicher geworden durch diese Corona-Zeit“ , so die Projekt-Managerin.

Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Der Arbeitgeber habe Einsparungen, weil Reisekosten von Dienstreisen wegfielen, auch die Zeit, die man für den Weg zur Arbeit braucht, falle weg, erzählt ein Personalreferent eines großen Unternehmens. Homeoffice wird inzwischen als effizient wahrgenommen, sagt Ulrich Walwei, Vize-Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB. Er geht davon aus, dass es auch nach der Pandemie Beschäftigte im Homeoffice arbeiten werden: “Es wird in Zukunft diesen Mix geben. Die Menschen wünschen sich zwei bis drei Tage Arbeiten von zuhause und dann auch etwa zwei bis drei Tage im Büro. Da ist auch genügend Austausch möglich“, so Walwei.

Die Digitalisierung habe durch die Pandemie einen Schub bekommen, sagt Arbeitsmarkt-Experte Ulrich Walwei. “Arbeit ist stärker Zeit- und Ortsungebunden geworden“. Er spricht von neuen Formen der Flexibilität, die aber in Zukunft auch zunehmend ausgehandelt werden müssen – zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Berufliches und Privates verwischen

Der Personalreferent eines Unternehmens findet gerade in Zeiten der Pandemie das Arbeiten von zuhause aus zeitweise anstrengend. “Es ist alles verdichtet auf einen Ort: Zuhause ist Arbeitsplatz, ist Schule, ist eigentlich auch Gefängnis. Es gibt ja nicht viel zum Draußen machen“, sagt der 44-Jährige. Auch bei der Arbeitszeit müsse er sich selbst disziplinieren, um nicht länger zu arbeiten. Privates und Berufliches verwische, sagt auch Projekt-Managerin Kerstin Schmidt.

Flexibilität muss ausgehandelt werden

Die neuen Arbeitsformen sollten noch stärker untersucht werden, sagt Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB. Denn beim Homeoffice gehe es beispielsweise um Produktivität auf der einen, Arbeitsschutz auf der anderen Seite. “Man sollte da am Ende keinen Blindflug machen“, so Walwei. Die neuen Arbeitsformen müssen neu ausgehandelt werden zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, sagt auch Bayerns DGB-Vizechefin Verena di Pasquale. “Damit keine überlangen Arbeitszeiten oder unbezahlte Mehrarbeit oder die ewige Erreichbarkeit gegeben ist“, so die Gewerkschafterin.

Pandemie hat vieles ans Licht gebracht

Die Pandemie habe bei den Arbeitsbedingungen Vieles ans Licht gebracht, was vorher im Dunkeln lag, sagt Verena di Pasquale und nennt als Beispiel die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen. “Dass es in der Fleischindustrie weder Leiharbeitskräfte noch Werksverträge geben darf, war ein historischer Durchbruch für uns“, sagt di Pasquale. "Es gilt aus dieser Krise zu lernen.“

Was bleibt nach Corona übrig?

Kurz gesagt: Mehr Digitalisierung, mehr Homeoffice und mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten – vieles ist im vergangenen Jahr in den Fokus der politischen, wirtschaftlichen und medialen Aufmerksamkeit gerückt. Der Nürnberger Personalreferent, der den neuen Arbeitsbedingungen Positives wie Negatives abgewinnen kann, ist sich sicher: "Es wird nie mehr so sein wie früher“.

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