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Fliegerbombe in Augsburg-Lechhausen: Blindgänger im Acker | BR24

© Stadtarchiv Augsburg

Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 zeigt mehrere Bombenkrater bei Lechhausen. Diese Aufnahme gibt Hinweise, wo Blindgänger zu finden sind.

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Fliegerbombe in Augsburg-Lechhausen: Blindgänger im Acker

Immer wieder werden in und um Augsburg Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Im Stadtteil Lechhausen wird eine solche Bombe am Abend entschärft. Bereits im vergangenen Jahr wurde auf dem Areal ein Blindgänger gefunden - auf einem Acker.

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Augsburg war im Zweiten Weltkrieg Ziel alliierter Fliegerverbände. Deswegen werden im Stadtgebiet auch heute noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Für die Entschärfung einer Fliegerbombe mit 1,8 Tonnen Sprengstoff mussten beispielsweise am ersten Weihnachtsfeiertag 2016 rund 54.000 Augsburger ihre Wohnungen verlassen. Dieses Mal sind rund 100 Menschen betroffen – die Fliegerbombe im Stadtteil Lechhausen wird am Abend entschärft.

Ungewöhnlicher Fundort

Die Fliegerbombe wurde auf einer Ackerfläche am Rand von Lechhausen entdeckt. Ein ungewöhnlicher Fundort für eine Fliegerbombe – denn die alliierten Bomberverbände nahmen bei ihren Angriffen auf Augsburg vor allem Rüstungsfirmen ins Visier. Wie Georg Feuerer vom Augsburger Stadtarchiv erklärt, war Augsburg im Zweiten Weltkrieg Standort für die Rüstungsindustrie. Hier gab es viele Firmen im Metallsektor, die Rüstungsgüter herstellten. Aber auch die Augsburger Textilfabriken haben Rüstungsgüter hergestellt, so Feuerer: Stoffe für die Uniformen der deutschen Soldaten.

Alte Luftaufnahmen zeigen mögliche Fundorte

In Augsburg werden deswegen sehr häufig Bomben gefunden - wenn etwa Tiefgaragen ausgehoben werden, sagt Feuerer. Dem Blindgänger in Lechhausen sei man aber auf andere Weise auf die Spur gekommen, so der Stadtarchivar. Und zwar durch die Auswertung von Luftbildern aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs: „Dort, wo viele Bombenkrater sind, könnten auch viele Blindgänger liegen“, so Feuerer. Bereits im vergangenen Jahr war dort eine Fliegerbombe entdeckt worden.

Sechs Bombenangriffe auf Lechhausen

Wieso nun aber Lechhausen zum Ziel alliierter Bomber wurde, darüber könne man nur spekulieren, sagt Feuerer. Insgesamt sei der Stadtteil sechsmal aus der Luft angegriffen worden: das erste Mal bereits im November 1940, zum letzten Mal im Jahr 1945. Und das, obwohl es in Lechhausen keine größeren Industrieanlagen gab.

Lechhausen als zufälliges Ziel

Aber, so Feuerer: Auf der anderen Lechseite, in der Nähe von Lechhausen, liegen die Fabriken von MAN. Diese seien ein häufiges Ziel der Bombenangriffe gewesen. Lechhausen könnte also sozusagen ein Kollateralschaden der Angriffe auf die Anlagen der Maschinenfabrik gewesen sein. Auch die Flugzeug-Firma Messerschmitt im benachbarten Stadtteil Haunstetten war ein bevorzugtes Ziel alliierter Bomberverbände - und auch hier besteht die Möglichkeit, dass manche Bomben ihr Ziel verfehlten und über Lechhausen niedergingen, so die Einschätzung des Stadtarchivars.

Blindgänger im Acker

Eine weitere Möglichkeit, so Feuerer: Um Treibstoff zu sparen, warfen die Kapitäne der Bomber übrig gebliebene Bomben vor dem Heimflug über unbebautem Gelände ab. Auch auf diese Weise könnte der Blindgänger in den Acker bei Lechhausen gekommen sein.

© BR

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