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Flächenverbrauch: Kelheim geht mit gutem Beispiel voran | BR24

© BR/Regina Kirschner

Jeden Tag wird in Bayern eine Fläche von 120.000 Quadratmetern versiegelt - der hohe Flächenverbrauch soll jetzt gesetzlich begrenzt werden. In Kelheim beweist man aber, dass gutes Flächenmanagement auch ohne gesetzliche Begrenzungen möglich ist.

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Flächenverbrauch: Kelheim geht mit gutem Beispiel voran

Jeden Tag wird in Bayern eine Fläche von 120.000 Quadratmetern versiegelt - der hohe Flächenverbrauch soll jetzt gesetzlich begrenzt werden. In Kelheim beweist man aber, dass gutes Flächenmanagement auch ohne gesetzliche Begrenzungen möglich ist.

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Täglich wird in Bayern eine Fläche von 120.000 Quadratmetern versiegelt. Das entspricht etwa 17 Fußballfeldern. Im bundesweiten Vergleich verbraucht Bayern somit die meiste Fläche. Dass das nicht so weitergehen kann, da sind sich alle Parteien im Freistaat einig. Uneinig ist man sich dagegen in der Umsetzung: Die Staatsregierung will eine Richtgröße von fünf Hektar Verbrauch pro Tag in den Landesentwicklungsplan schreiben. Die Grünen fordern gar eine gesetzliche Obergrenze. Der Bayerische Gemeindetag warnt vor einer Einmischung in die kommunale Planungshoheit. Er stellt sich gegen eine gesetzliche Begrenzung und ist sich sicher: Die Gemeinden gehen auch ohne strikte Vorgaben flächenschonend mit den Ressourcen um.

Wohnungen statt Autohaus

So sieht das auch Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann: Er steht in einem ehemaligen Autohaus. Aus den Wänden hängen abgerissene Kabel, der Regen tropft durch die Decke, Fenster sind zersprungen. Die Ruine wird bald ganz verschwunden sein, so der SPD-Politiker. Das Autohaus soll wegkommen und 70 bis 80 Wohnungen in dem Bereich entstehen: Auf 6.000 Quadratmetern, innenstadtnah und an einer der Hauptachsen Kelheims. Ein privater Investor hat das Gelände gekauft und will die Wohnungen in den nächsten ein bis zwei Jahren bauen. Vorher ist allerdings noch einiges zu tun, das Gelände muss nämlich ausgebaggert und Altlasten beseitigt werden.

Flächen sollen recycelt werden

Natürlich wäre es einfacher auf der grünen Wiese etwas Neues zu machen, sagt Hartmann. Aber laut dem Bürgermeister sei es wichtig, dass alte Flächen neuen Nutzungen zugeführt werden – eine Art Recycling und Upcycling also. "Flächen zuzupflastern, passt einfach nicht mehr in die Zeit", so Hartmann. Er ist sich sicher, dass die Kommunen selbst etwas gegen den Flächenverbrauch tun können. Wie? Das will der Kommunalpolitiker noch an einem anderen Beispiel in seiner Gemeinde zeigen.

17 Millionen Euro für Geländesanierung

Der Donaupark, ein neu entstandener Stadtteil, war früher ein Industriegelände für Papierherstellung inklusive großer Umweltprobleme. Nachdem die Firma Konkurs gegangen war, konnte das Gelände saniert werden. Fast 17 Millionen Euro hat die Renovierung gekostet. Dabei ist direkt neben dem Naturschutzgebiet Donaudurchbruch ein Mischviertel mit Blick auf die Befreiungshalle entstanden. Mit Wohnungen, einem Altenheim, einem Baumarkt, Supermärkten und einem Ärztehaus. Als die Papierfabrik in den 90ern Konkurs angemeldet hat, hat sich das noch niemand vorstellen können. "Darauf sind wir wirklich stolz", sagt Hartmann.

Vorhandene Flächen in der Innenstadt nutzen

Für den Kelheimer Bürgermeister ist der Donaupark ein gutes Beispiel für pragmatische und sinnvolle Stadtentwicklung: Dass neue Wohnungen entstehen müssen, ist klar der Bedarf ist da. Die Nähe zu Regensburg und Ingolstadt macht sich in Kelheim am Wohnungsmarkt zunehmend bemerkbar, sagt Horst Hartmann. Die Vorstellung, wie man wohnen will, habe sich bei vielen Bürgern aber gewandelt. Weg von der Villa auf der grünen Wiese, hin zum städtischen Wohnen. Vorhandene Flächen in der Innenstadt nutzen, leerstehende Gebäude aufwerten und umwidmen – das ist Hartmanns Ziel für die Zukunft der niederbayerischen Stadt.

Keine Vorgaben aus der Landespolitik nötig

Dazu brauche man aber keine Vorgaben aus der Landespolitik, sagt Bürgermeister Horst Hartmann: "Die kommunale Planungshoheit ist eines der höchsten Güter. Richtlinien, wo man mit einem Ding über alles geht, gehen an der Sache vorbei. Das ist nicht der richtige Weg. Das machen wir in den Städten. Wir wissen was los ist und wir kriegen das Feedback der Bürger. Wer soll es besser wissen als die Verantwortlichen vor Ort?", fragt der Kelheimer Bürgermeister und hängt gleich noch einen Appell an die Politiker in München dran: "Lasst die Verantwortung bei den Kommunen, die wissen, was für ihre Bürger und Bürgerinnen wichtig ist."