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Tourismus vs. Naturschutz: Kanuverbot auf dem Schwarzen Regen | BR24

© BR/Renate Roßberger

Auf dem Schwarzen Regen im Bayerischen Wald dürfen in Zukunft laut Gerichtsentscheid keine gewerblichen Kanufahrten mehr angeboten werden. Der Bezirksfischereiverein Viechtach (Lkr. Regen) feiert die Entscheidung als Erfolg.

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Tourismus vs. Naturschutz: Kanuverbot auf dem Schwarzen Regen

Auf dem Schwarzen Regen im Bayerischen Wald dürfen in Zukunft laut Gerichtsentscheid keine gewerblichen Kanufahrten mehr angeboten werden. Der Bezirksfischereiverein Viechtach (Lkr. Regen) feiert die Entscheidung als Erfolg.

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Ab Dienstag dürfen auf dem Schwarzen Regen, einem idyllischen Fluss im Bayerischen Wald, bis auf Weiteres keine gewerblichen Kanufahrten mehr stattfinden. Das hat der Bezirksfischereiverein Viechtach bekannt gegeben, der jetzt in dieser Sache vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Recht bekommen hatte.

Weniger Fische durch Kanufahrten?

Beim Verwaltungsgericht Regensburg waren die Fischer vor einigen Monaten noch mit ihrer Klage gegen die Kanus auf dem Fluss gescheitert, in zweiter Instanz gelang es ihnen nun. Dem Schutz der Natur, der Pflanzen und Tiere am Schwarzen Regen wurden vom Gericht höhere Rechte eingeräumt als der gewerblichen Nutzung, sagte Johann Kraus, der Vorsitzende des Fischereiverbands Viechtach. Das Urteil sei ein Sieg gegen "Ballermann am Schwarzen Regen". Seit Jahren seien im Sommer viel zu viele Kanufahrer auf dem idyllischen Fluss unterwegs. Sie machen Lärm, trinken Alkohol, landen teilweise an verbotenen Stellen, schimpft Kraus. Der Verband vermutet auch, dass die Fischbestände zurückgehen, weil die Tiere durch die Boote immer wieder aufgeschreckt würden.

Rechtsstreit geht weiter

Der Streit zwischen Kanuverleihern und Fischern am Schwarzen Regen läuft seit über einem Jahr. Er dürfte auch nach der aktuellen Gerichtsentscheidung nicht ausgestanden sein. Das Münchner Urteil ist nur eine Zwischenentscheidung, auch wenn sie jetzt erst einmal Gültigkeit hat. In der Hauptsache muss sich nun wieder das Verwaltungsgericht Regensburg mit den Bootfahrgenehmigungen des Landratsamtes Regen für die Kanus auf dem Fluss befassen.

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Der idyllische Schwarze Regen

Weitere Klagen laufen

Das Urteil ist erst ein Teilsieg der Fischer auf einer 14 Kilometer langen Flussstrecke zwischen Schönau und Pirka. Nach Angaben der Viechtacher Fischer laufen aber auch Klagen von zwei weiteren Fischereivereinen für weitere Abschnitte des Flusses. Die Klagen laufen außerdem insgesamt gegen vier Kanuverleih-Betriebe. Offiziell entschieden und bekannt gegeben ist erst eine davon.

Kanuverleiher enttäuscht

Der davon betroffene Betrieb "Kanuverleih Bayerwald", einer der kleineren, ist enttäuscht über die Entscheidung. Jetzt mitten in der Sommersaison, die wegen Corona ohnehin verspätet gestartet sei, sei es ganz schwer, den Leuten zu erklären, das sie nicht mehr fahren dürfen. Der Schwarze Regen sei bei Kanufahrern der beliebteste Flussabschnitt und wegen Corona seien in den letzten Wochen auch noch viele Tagesausflügler aus der Region gekommen. Das Ehepaar Dikan, das den Kanuverleih Bayerwald betreibt, will die Fahrten jetzt ab morgen einstellen und dann diesen Sommer fast ganz Pause machen. Denn wenn sich alle Kanuverleiher auf dem Rest des Flusses bis Blaibach drängen, sei das auch keine Lösung.

Gutachten läuft

Enttäuscht sind die Kanuverleiher auch, weil dieses Jahr ohnehin ein Naturschutzgutachten erarbeitet wird, das bis Sommer 2021 vorliegen soll. Es soll klären, ob die Kanus wirklich schädlich sind oder nicht. Dass die Kanufahrer Lärm machen und die Auflagen nicht einhalten, stimme für den Großteil einfach nicht. Die meisten halten sich an die Regeln, sagte das Ehepaar Dikan.

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