BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Tobias Hildebrandt
Bildrechte: BR/Tobias Hildebrandt

Fische in der Friedberger Ach sind mit der giftigen Chemikalie PFOS belastet. Die betroffenen Hobby-Fischer im Landkreis Donau-Ries fürchten deshalb um ihre Gesundheit. Sie beklagen, dass zu spät gehandelt wurde.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fischer sorgen sich um Gesundheit: Chemikalie in Friedberger Ach

Fische in der Friedberger Ach sind mit der giftigen Chemikalie PFOS belastet. Die betroffenen Hobby-Fischer im Landkreis Donau-Ries fürchten deshalb um ihre Gesundheit. Sie beklagen, dass zu spät gehandelt wurde.

Per Mail sharen
Von
  • Tobias Hildebrandt

Forelle, Hecht, Aal – die Tiefkühltruhe bei Ludwig Straubinger ist voll mit Fisch aus der Friedberger Ach. Statt sie zu essen, wirft der Hobby-Fischer ihn nun aber in den Müll. Vergangene Woche hat das Landratsamt Donau-Ries vor einer Belastung mit der giftigen Chemiekalie PFOS gewarnt. Nicht mehr als 420 Gramm Fisch pro Monat sollte man aus der Friedberger Ach essen.

Fischer haben "das Giftzeug" mitgegessen

Diese Menge haben aber wohl viele Mitglieder des Angelsportvereins in Rain am Lech regelmäßig überschritten. Vereinschef Earl Moss sagte dem BR, aus Aitlen, Barben und Karpfen seien teilweise Hunderte Fischpflanzerl gemacht worden. "Und jetzt weiß man halt, dass man das ganze Giftzeug mitgegessen hat." Die Fische haben PFOS über das Wasser der Friedberger Ach aufgenommen und in ihrem Körper angereichert.

PFOS möglicherweise krebserregend

Die Untersuchung der Fische hatte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchgeführt. In dem Laborbericht geht das LGL sogar noch einen Schritt weiter und rät generell vom Verzehr der Fische ab – "auch wenn keine akute Gesundheitsgefahr besteht". Perfluoroctansulfonsäure – oder kurz PFOS – steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Sie gehört zu einer Chemikaliengruppe, die in Tierversuchen giftig auf die Leber, Schilddrüse, das Immunsystem und die Entwicklung wirkt.

Löschschaum vom Fliegerhorst Penzing als Ursache

Die Ursache für die Belastung des Wassers und der Fische liegt auf dem ehemaligen Fliegerhorst der Bundeswehr im oberbayerischen Penzing. Dort ist lange Löschschaum mit dem mittlerweile verbotenen Zusatz PFOS verwendet worden. Aus dem Erdreich sickert die Chemiekalie ins Grundwasser und dann in den Verlorenen Bach, der flussabwärts seinen Namen ändert und als Friedberger Ach durch den Landkreis Donau-Ries fließt. Nach hundert Kilometern Länge mündet die Friedberger Ach als größerer Bach in die Donau.

Wasserproben überschreiten Umweltqualitätsnorm

Schon 2013 ist wegen der chemischen Belastung eine Trinkwasserquelle im Penzinger Ortsteil Untermühlhausen geschlossen worden. 2019 warnte das Landratsamt Landsberg am Lech vor dem dauerhaften Verzehr von Fischen. Wie lange die PFOS-Belastung auch flussabwärts schon besteht, ist unklar. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat erst 2019 damit begonnen, das Wasser der Friedberger Ach auch im Landkreis Donau-Ries regelmäßig auf PFOS zu untersuchen. Schon bei der ersten Untersuchung des Wassers war dann die sogenannte Umweltqualitätsnorm um das Fünffache überschritten. Aber erst jetzt liegen Untersuchungsergebnisse von Fischen vor.

Fischer werfen Behörden zu geringes Tempo vor

Der Angelsportverein Rain am Lech wirft den Behörden vor, zu spät mit den Untersuchungen am Donau-Rieser Unterlauf begonnen zu haben. Schließlich sei die PFOS-Belastung flussaufwärts schon seit Jahren bekannt. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth sagte dem BR, man habe schnell und effektiv mit anderen Behörden zusammengearbeitet. Dass jedoch auch bei Fischen eine erhöhte Belastung vorliegt, sei erst seit 2019 bekannt.

Weitere Sanierungsschritte auf Fliegerhorst nächstes Jahr

Der Bund Naturschutz Donau-Ries und die Landtags-SPD fordern schon länger mehr Tempo bei der Sanierung des ehemaligen Fliegerhorstes Penzing. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die den Fliegerhorst verwaltet, teilte dem BR mit, dass ein Gutachten über die Chemikalien-Belastung bis Anfang März vorliegen soll. Erste Sanierungsmaßnahmen, etwa an einem Feuerlöschübungsbecken, seien schon begonnen worden. Weitere Schritte könnten nächstes Jahr folgen, hingen aber auch von der Rückmeldung der Behörden ab.

PFOS-Problem wird noch Jahre bestehen

Andreas Rimböck, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth, sagte dem BR, aufgrund der langsamen Prozesse im Untergrund werde es wahrscheinlich einige Jahre dauern, bis sich Sanierungsmaßnahmen in Penzing positiv auf die Friedberger Ach im Landkreis Donau-Ries auswirken würden.

Fischer sehen Vereinsarbeit in Gefahr

Für die betroffenen Fischereivereine entlang des Bachs wie dem Angelsportverein Rain am Lech heißt das, dass sie auf Jahre hinweg die Fische aus der Friedberger Ach nicht mehr essen können. Fischereilich gesehen sei das Gewässer tot, sagte der Vereinsvorsitzende Earl Moss dem BR. Betroffen seien flussaufwärts noch weitere zehn bis 15 Fischereivereine. Für die Vereinsarbeit und die Ausbildung junger Fischer sei das eine Katastrophe.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!