Die Wassertemperaturen in Flüssen und Bächen steigen bayernweit an. Für Fische ist das gefährlich.

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Fische in Gefahr: Wasser in Flüssen und Bächen oft zu warm

Fische in Gefahr: Wasser in Flüssen und Bächen oft zu warm

Auf die Frage, welche Tiere unter der momentanen Hitze leiden, würde man wohl am wenigsten auf Fische tippen. Obwohl sie immer im kühlen Nass schwimmen, machen auch ihnen die hohen Temperaturen ziemlich zu schaffen.

Das Problem: Das "kühle Nass" ist vielerorts gar nicht mehr so kühl. Der Landesfischereiverband Bayern hat die Wassertemperaturen im Blick und sagt: Sie steigen in Flüssen und Bächen bayernweit. Für die Fische ist das sehr gefährlich. "Steigende Wassertemperaturen gehen mit einem sinkenden Sauerstoffgehalt einher", sagt Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, und ruft zum Schutz der Fische auf.

Auch Lech ist zu warm für Fische

Laut dem Verband wird es bei Wassertemperaturen über 21 Grad für einige Fischarten gefährlich. Ab 25 Grad sei es für viele Huchen, Äschen oder Forellen schon zu spät. Gerade am Lech, zwischen Kinsau und Lechfeld, würden die selten gewordenen Huchen Zuflucht an den Einläufen kalter Seitengewässer suchen, so Verbandspräsident Göttle. Dort lägen sie dann oft apathisch im Wasser, um ihren Stoffwechsel zu regulieren. Dadurch bietet sich auch ein seltener Anblick: Mehrere Tiere halten sich an einem Ort auf, sie nutzen gemeinsam die wenigen verbleibenden Stellen mit kühlerem Wasser.

Der Verband appelliert: tiefe Gumpen oder kalte Zuflüsse zu meiden. Hier sollte niemand schwimmen, denn das sind die Ruhezonen für Fische. Auch Bootsfahrer sollen möglichst weit weg bleiben. So könne jeder etwas zum Schutz der Fische in Bächen und Flüssen beitragen.

Zu wenig Wasser - Kraftwerke können Probleme vergrößern

Aber nicht nur die Wassertemperaturen sorgen bayernweit für Probleme, sondern auch fehlendes Wasser. Laut dem Landesfischereiverband sind Kraftwerke da oft ein Problem. Ein Beispiel: Aus der Goldach in Schwindegg wird normalerweise Wasser für ein Kraftwerk entnommen. Die aktuelle Trockenperiode führe aber dazu, dass kaum noch Wasser über das Wehr in das eigentliche Flussbett abgegeben wird. 

Beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ist man sich des Problems nach eigener Aussage bewusst. Auf Nachfrage des BR-Studios Landsberg-Mindelheim heißt es, es laufe weiterhin Wasser über das Wehr ab. Die Turbine des Kraftwerks stehe seit über einer Woche aufgrund des zu geringen Abflusses bereits still. 

"Im Unterwasser der Wehranlage befindet sich ein Becken, welches Fische gerne als Rückzugsort nutzen, da hier eine größere Wassertiefe als im übrigen Gewässerverlauf vorhanden ist", sagt Michael Holzmann vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Außerdem würden aktuell alle Möglichkeiten zum Schutz der Fische geprüft.

Der Landesfischereiverband fordert für ganz Bayern, dass Kraftwerksbetreiber, wenn es möglich ist, bei Niedrigwasser darauf verzichten, Wasser aus Flüssen zur Stromerzeugung zu verwenden.

Große Seen sind nicht betroffen

Bei den Seen geben die Experten Entwarnung: Gerade die großen bayerischen Seen seien so tief, dass es dort immer kältere Bereiche als Rückzugsorte für die Fische gebe, sagt der Landesfischereiverband auf Nachfrage des BR. Außerdem würden in Seen oft Fische leben, die auch bei höheren Temperaturen überlebten.

In kleineren Seen könnten die anhaltenden hohen Temperaturen dagegen ein Problem werden. Das wärmere Wasser fördert Algenwachstum. Und wenn Algen im See sind, entstehen auch immer Bakterien, die viel Sauerstoff verbrauchen.

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