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Immer mehr Menschen treten aus der katholischen Kirche aus - und jetzt noch die Corona-Pandemie: Im Bistum Würzburg kämpft man mit immer weniger Einnahmen durch Kirchensteuern. Deshalb stehen nun massive Sparmaßnahmen auf dem Plan.

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Finanzprobleme: Bistum Würzburg gibt vier Einrichtungen auf

Die finanzielle Lage des Bistums Würzburg ist prekär. Die Diözese steht vor einem drastischen Sparkurs, der enorme Auswirkungen hat. Fast die Hälfte der Bildungs- und Tagungshäuser sollen geschlossen, Personal soll abgebaut werden.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • BR24 Redaktion

Das Bistum Würzburg steht - auch aufgrund von geringeren Kirchensteuereinnahmen durch die Corona-Krise - vor massiven Einschnitten. "Der Haushalt des Bistums befindet sich in einer gefährlichen Schieflage", sagte der Würzburger Bischof Franz Jung bei einer Pressekonferenz. Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs stehe "auf äußerst wackligen Beinen". Der Sparkurs, den die Bistums-Verantwortlichen vorgestellt haben, ist drastisch. Die Diözese will fast die Hälfte ihrer Bildungshäuser abgeben. Außerdem gilt eine Besetzungssperre, um Personal abzubauen.

Bistum Würzburg gibt Trägerschaft von vier Einrichtungen ab

Aufgrund der finanziellen Situation gibt die Diözese Würzburg für vier ihrer insgesamt zehn Bildungs- und Tagungshäuser die Trägerschaft ab. Konkret betroffen sind das Tagungshaus Schmerlenbach im Landkreis Aschaffenburg, die Benediktushöhe in Retzbach, das Bildungshaus St. Michael in Bad Königshofen und die Thüringer Hütte im Landkreis Rhön-Grabfeld. "Jede einzelne Entscheidung für eine Abgabe der Trägerschaft schmerzt sehr", so Generalvikar Jürgen Vorndran. Rund 100 Mitarbeiter könnten von den anstehenden Maßnahmen im Jahr 2021 betroffen sein.

Hausschließungen möglicherweise unvermeidbar

Gelingt es der Diözese Würzburg nicht, die Trägerschaft abzugeben, seien Hausschließungen unvermeidbar. Für die betroffenen Mitarbeiter sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden, sagte Vorndran. So sollen etwa Arbeitsverhältnisse auf andere Arbeitgeber übergeleitet oder Stellen innerhalb des Bistums angeboten werden. Wenn Auffangmaßnahmen nicht greifen, könnten betriebsbedingte Kündigungen jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Bistum reduziert pastorale Stellen

Am meisten schlagen die Personalkosten zu Buche: 2019 waren das allein rund 125 Millionen Euro. Deshalb gilt seit Anfang 2019 eine Wiederbesetzungssperre für das Verwaltungspersonal. Dasselbe soll ab sofort auch für die Besetzung von pastoralen Stellen gelten. Das betrifft besonders die Hauptabteilung Seelsorge. "Das Bistum wird in den kommenden Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren müssen", betont Vorndran. Ziel jeder Hauptabteilung müsse es sein, die Tätigkeitsfelder festzulegen, die in den kommenden Jahren aufgegeben werden müssen. "Um die Jugend weiter zu fördern, wird es in diesem Bereich Ausnahmen bezüglich des Einstellungsstopps geben."

Bis zu 15 Millionen Euro weniger Kirchensteuereinnahmen

Der Jahresfehlbetrag für 2019 beträgt 40,7 Millionen Euro. Für das Haushaltsjahr 2020 rechnet Finanzdirektor Sven Kunkel vor allem aufgrund der Corona-Pandemie mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen von zehn bis 15 Millionen Euro. Deshalb sollen im Haushaltsjahr 2021 die Ausgaben um etwa 26 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr gesenkt werden, sodass mit einem Fehlbetrag von elf Millionen Euro gerechnet wird. Der Blick auf die Zahlen mache laut Bischof Jung deutlich, dass die geringeren Einnahmen kein aktueller Trend seien, sondern eine langfristige Entwicklung abbilden.

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