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Der Fall Ernst Lossa - Euthanasie in der Psychiatrie | BR24

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Euthanasie-Opfer Ernst Lossa

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    Der Fall Ernst Lossa - Euthanasie in der Psychiatrie

    Im Alter von nur 14 Jahren starb Ernst Lossa 1944 in der Heil- und Pflegeanstalt Irsee, ein Opfer des NS-Euthanasieprogramms. Jetzt wurde sein kurzes Leben verfilmt, morgen ist Filmstart in Bayern. "Nebel im August" dokumentiert den Wahn der Nazis.

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    Ernst Lossa, Kind fahrender Händler aus Augsburg, wurde mit 14 Jahren in der sogenannten "Heilanstalt" Kloster Irsee im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten umgebracht. Der Journalist Robert Domes hat Lossas Leben fünf Jahre lang recherchiert und das Buch "Nebel im August" darüber geschrieben. Auf dieser Basis ist der gleichnamige Spielfilm entstanden (Regie: Kai Wessel, Produzent: Ulrich Limmer).

    Weggesperrt als "asozialer Psychopath"

    Die Nazis haben Ernst Lossa aus seiner Familie, sogenannten "Zigeunern", gerissen und in eine psychiatrische Klinik bei Kaufbeuren eingewiesen. Bei seinen Recherchen kam Autor Domes zu dem Ergebnis: Der Junge war weder krank noch behindert. Vielmehr handelte es sich um einen aufgeweckten, aber unbequemen Jungen. Vermutlich kannte er die Zustände in der sogenannten Heilanstalt genau und hat gegen sie rebelliert. "Er hat zu viel gesehen und mitbekommen", glaubt Autor Robert Domes. Im August 1944 wurde der Junge mit einer Überdosis Morphium umgebracht.

    Für die Amerikaner war sein Schicksal ein Präzedenzfall

    Der Autor des Buches "Nebel im August" hat Lossas Geschichte auf der Basis vieler Vernehmungsprotokolle der Amerikaner recherchiert. Während der Augsburger Euthanasieprozesse hatten sie nach Kriegsende Ärzte und Pfleger befragt zu dem Verdacht, dass die Nazis missliebige Menschen getötet hatten. Der Fall von Ernst Lossa diente dabei als Präzedenzfall. Er war eines von 200 Kindern, die von den Nazis in Kloster Irsee als angeblich "unwertes Leben" umgebracht wurden.