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FFP2-Masken-Ausgabe in den Apotheken hat begonnen

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    FFP2-Masken-Ausgabe: Der Run auf die Apotheken hat begonnen

    Wer zur Corona-Risikogruppe gehört, soll ab heute drei FFP2-Masken gratis aus der Apotheke abholen können. Mit Tapeziertischen haben sich diese auf den Ansturm vorbereitet - und appellieren an die Fairness. BR24-User berichten von Chaos.

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    Von
    • Laila Heyne
    • Doris Bimmer
    • Christian Wagner
    • Kathrin Unverdorben
    • Patrick Obrusnik

    Zum Auftakt der Ausgabe von kostenlosen FFP2-Masken an Menschen aus Corona-Risikogruppen war der Andrang in vielen bayerischen Apotheken groß. Während einige Betriebe nach Angaben des Bayerischen Apothekerverbands (BAV) alle Abholer versorgen konnten, meldeten mehrere Inhaber schon am späten Dienstagvormittag, dass die Vorräte ausgegeben seien.

    Kaum Vorlaufzeit für die Apotheken

    Ein Sprecher des BAV nannte als Ursache die "sehr kurze Vorlaufzeit" für die Apotheken. Zudem gebe es Verzögerungen bei den Lieferungen der Hersteller. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Tagen flächendeckend normalisieren und damit merklich entspannen wird."

    Der BAV betonte aber auch, dass über 60-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen noch bis zum 6. Januar je drei Masken kostenlos in Apotheken erhalten. Wer Anspruch auf die Masken habe, müsse diese also "nicht unbedingt gleich heute" abholen, sagte der Sprecher. Bis zu den Feiertagen sei noch ausreichend Zeit.

    Apotheker wappneten sich so gut wie möglich

    Obwohl also eigentlich zum Abholen der Masken ausreichend Zeit ist, rechneten die Apothekerinnen und Apotheker dennoch heute schon mit einem Ansturm - und haben sich so gut es geht darauf vorbereitet - mit extra Schaltern oder auch, wie eine Apotheke in Nürnberg, mit Tapeziertischen für die Ausgabe am Lieferanteneingang. Viele fürchten allerdings, dass die Masken nicht für alle ausreichen werden.

    "Leider ist von der Regierung nichts in trockenen Tüchern, die Leute werden uns heute stürmen und wir werden keine Masken haben. Vielleicht kann man das einfach mal der Bevölkerung klar machen, dass das ein Schnellschuss vom Spahn ist, dass die Regierung uns keine Masken zur Verfügung gestellt hat, dass wir das alles aus eigener Tasche vorfinanzieren müssen, dass wir diese Masken erst einmal besorgen müssen, und es führt gar kein Weg dazu hin, dass heute Abermillionen, Tausende von Leuten die Apotheken stürmen." Apothekerin am Telefon mit Bayern 3
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    Maskenausgabe am Lieferanteneingang in Nürnberg

    User auf Social Media berichten von Chaos

    BR24-User berichten auf Facebook von langen Schlangen, Hamsterkäufen und Personal am Limit. Die Apotheken würden geradezu überrannt, eine Stunde Anstehen keine Seltenheit: "Also sollen jetzt die Risikopatienten vor der Apotheke Schlange stehen, anstatt Kontakte zu vermeiden? Genau mein Humor ... " schreibt Patrick. Und Andrea: "Sie können sich nicht vorstellen was in den Apotheken los ist, nach dieser Aussage von Herrn Spahn". Danubia bekam gar keine Maske: "Bei uns kommt erst die Lieferung am 19.12. laut Apotheke. Die Apotheke konnte keine mehr rechtzeitig bestellen. Da hat wohl unsere Regierung wieder etwas versäumt." Und Christine: "Die armen Apotheken die werden überrannt."

    Extra Schalter für den Andrang

    Apothekeninhaberin Lilian Barbarino hat in ihrer Filiale in Buchbach im Landkreis Mühldorf vorsorglich einen extra Schalter für die Ausgabe der Masken eingerichtet, so Barbarino auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks. In der kleineren Filiale in Schwindegg war dies leider nicht möglich, dort werde sich die Schlange vor der Apotheke durch den zusätzlichen Andrang also verlängern.

    Vorher hatte sie telefonisch abgefragt, wie viele Menschen mit einem Alter von über 60 in den Gemeinden Buchbach und Schwindegg im Landkreis Mühldorf leben. Nun kalkulieren Barbarino und ihre Angestellten mit etwa 2.500 Menschen in den beiden Apotheken in Buchbach und Schwindegg.

    Angst vor "Apotheken-Hopping"

    Die bisher vorhandenen Masken haben sie kurzfristig von einem ansässigen Unternehmen beziehen können. Die Anzahl reiche aber derzeit noch nicht aus, man müsse jetzt jeden Tag weitersehen, wie man mehr Masken anschaffen könne. Ob ab heute an den eigens installierten Schalter in Buchbach wirklich nur die Risikogruppe kommt, können sie und ihre Mitarbeiterinnen nicht genau kontrollieren, sie setzen deshalb darauf, dass die Kundinnen und Kunden das Vertrauen der Apotheken nicht missbrauchen und wirklich nur kommen, wenn die wirklich ein Recht auf die Masken haben.

    "Da kommt's jetzt auf Fairness an", so der Vorsitzende des schwäbischen Apothekerverbands Bernhard Koczian im Gespräch mit dem BR. Er hofft, dass es jetzt nicht zu einem "Apotheken-Hopping" komme. Denn die Ausgabe von zunächst drei kostenfreien Masken werde nicht registriert oder kontrolliert, es sei also nicht zu verhindern, wenn jemand die drei kostenlosen Masken mehrfach in verschiedenen Apotheken abholte.

    Ohne Unterschrift keine Maske

    In Nürnberg ist die Nachfrage ebenfalls groß. Margit Schlenk, Sprecherin der Nürnberger Apotheken, hat extra drei Stände vor ihrer Apotheke aufgebaut, an denen die Masken abgeholt werden können. Die Angaben der Berechtigten lässt sie sich schriftlich bestätigen. Anschließend gibt es drei FFP2 Masken und einen Gutschein für weitere sechs Masken im Januar oder Februar.

    Auch Margit Schlenk hofft, dass Berechtigte nicht einfach von Apotheke zu Apotheke gehen und die Masken abholen: "Der Zettel soll eine Art Verbindlichkeit sein, dass man nicht öfters abholt. Es ist eben ein Gebot der Fairness, das jeder jetzt eben seine drei Masken bekommt und im Januar, Februar dann die nächsten sechs", sagt sie. Für die bundesweite Aktion hat ihre Apotheke 20.000 bis 30.000 Masken bestellt. Im Januar und Februar, wenn Nachschub geholt werden darf, sollen weitere 60.000 folgen.

    Unterfranken: Kunden melden "ausgeräuberte Apotheken"

    In Unterfranken wurde "das Angebot der kostenfreien FFP2-Masken rege wahrgenommen." Das sagte Michael Sax, Inhaber der Stern-Apotheke in Würzburg und Sprecher des Apothekerverbands Unterfranken in der Sendung "Mittags in Mainfranken" in Bayern 1. Es habe nach seinem Erkenntnisstand aber "keine Engpässe" gegeben. Viele Telefonate mit anderen Apotheken hätten ergeben, "dass wir für den Ansturm - was die Ausstattung – anbelangt, zunächst einmal gerüstet“ waren.

    Nach der Ausstrahlung eines Interviews mit einem Würzburger Apotheker auf Bayern 1 meldeten sich Hörer, die sich über fehlende Masken in ihren Apotheken beschwerten. Ein Hörer aus Großostheim im Landkreis Aschaffenburg erklärte, seine Apotheke hätte überhaupt keine Masken ausgegeben, "weil sie keine Masken erhalten" habe.

    Allgäu: Masken werden vor der Tür verteilt

    Bei einer stichprobenartigen Umfrage unter Allgäuer Apotheken zeigte sich ebenfalls, dass die Nachfrage rege, zum Teil sehr hoch ist. In einer Apotheke in Kempten hieß es auf Anfrage des BR, viele seien verunsichert und würden sich zunächst telefonisch erkundigen, ob und wie sie eine Maske bekommen könnten. Um eine möglichst reibungslose Ausgabe zu gewährleisten, werden die Packungen bei dieser Apotheke von einem Mitarbeiter vor der Tür verteilt. Auch andernorts in Mindelheim oder Obergünzburg stehen die Menschen in Schlangen vor den Apotheken.

    Niederbayern: Zeichen gegen anonyme Internet-Apotheken

    Auch in Niederbayern werden den Apothekern die kostenlosen Masken förmlich aus den Händen gerissen, sagen die niederbayerischen Bezirksvorsitzenden des Bayerischen Apothekerverbands. In der Deggendorfer Bahnhof-Apotheke von Barbara Absolon wurden bis Mittag 1.200 FFP2-Masken herausgegeben. Ihr Kollege Stefan Burgstaller von der St. Josefs-Apotheke in Fürstenzell rechnet mit 2.000 herausgegebenen Masken am Tagesende. Um Verständnis werben beide Apotheker bei den Kunden: "Viele seien sehr fordernd und bis heute Mittag hat nur Einer 'Danke' gesagt“, beklagt Barbara Absolon. Sie würde nun ihre Vorräte für treue Stammkunden vorhalten, denn es waren am Dienstagmorgen viele in der Deggendorfer Apotheke, die sie noch nie gesehen habe.

    Das Gleiche berichtet Apotheker Burgstaller aus Fürstenzell. Er glaubt, dass hier ein Zeichen gesetzt werden könne, gegen die anonymen Internet-Apotheken und für das Image vor Ort. Bei ihm gibt es einen eigenen Eingang zu der Ausgabestelle der Masken – daher keine Probleme mit langen Schlangen. Jeder bekomme bei ihm die drei kostenlosen FFP2-Masken, auch wenn es einen Tag dauern könne, bis die neue Lieferung da sei. Verärgert war bisher keiner seiner Kunden. In vielen Apotheken sind die Vorräte am ersten Tag bereits knapp geworden.

    Wer soll FFP2-Masken bekommen?

    60 Jahre oder älter, das ist das erste Kriterium. Jüngere, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, an Diabetes oder eine Immunschwäche können ihren Anspruch mit einem Medikationsplan in ihrer Apotheke nachweisen. Gedacht ist die Ausgabe von zunächst drei der schützenden Masken als Versorgung für die Zeit der Feiertage.

    Wie soll es nach Neujahr weitergehen?

    In einem weiteren Schritt sollen die Betroffenen von den Krankenkassen im Januar zwei Berechtigungsscheine für jeweils sechs weitere Masken erhalten - es sind also 12 weitere FFP2-Masken vorgesehen. Dafür soll dann ein Eigenanteil von jeweils zwei Euro für jeweils sechs Masken zum Tragen kommen.

    Wer bezahlt die kostenlosen FFP2-Masken für Risikopatienten?

    Im Moment gehen die Apotheken beim Maskenkauf in Vorleistung. Vom Apothekerverband wurden sie informiert, dass es zwar einen Fixzuschlag pro Packung geben soll, wann diese Vergütung ausgezahlt wird, wissen sie allerdings noch nicht.

    Der Vorsitzende des schwäbischen Apothekerverbands Bernhard Koczian rechnete vor, dass der Bund 491 Millionen Euro für die Masken bereitstellen will. Die Summe soll in den "Nacht- und Notdienstfonds" der Apotheken fließen. Das Geld werde dann - komplett und bundesweit - auf die rund 20.000 Apotheken verteilt, gemessen daran, wie viele verschreibungspflichtige Medikamente sie im dritten Quartal an Patienten ausgegeben haben: So bekommen große Apotheken mehr aus dem "Masken-Topf", kleinere weniger. Die Apotheker kaufen also auf eigene Rechnung Masken ein, bekommen dafür aber auf jeden Fall nur eine Pauschalsumme. Jeder Apotheker, so Koczian, müsse sehen, ob er am Ende draufzahle. Er werde jedenfalls Masken ausgeben, solange er welche habe.

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