BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Feuerwehren: Digitaler und weiblicher in die Zukunft | BR24

© picture alliance / Gobal Travel Images | Gobal Travel Images

Ein Feuerwehr-Rettungswagen im Einsatz

Per Mail sharen

    Feuerwehren: Digitaler und weiblicher in die Zukunft

    Noch schaut es ganz gut aus, bei den Feuerwehren in Bayern. Keine dramatischen Mitgliederrückgänge, verlässliches Ausrücken bei Notfällen. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird.

    Per Mail sharen
    Von
    • Julia Kammler

    In zehn Jahren könnten die bayerischen Feuerwehren ein massives Mitgliederproblem bekommen. Grund dafür ist einerseits der demografische Wandel, aber auch die Tatsache, dass sich heutzutage Menschen nicht mehr dauerhaft an ein Ehrenamt binden wollen. Das wurde heute in einer Expertenanhörung im Innenausschuss des bayerischen Landtags deutlich.

    Dauerhafte Bindung an Ehrenamt für viele unattraktiv

    Professor Doris Rosenkranz, Vorstandsmitglied der Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern, bestätigte, dass viele Menschen sich zwischen Berufstätigkeit und Kinderbetreuung - wenn, dann ganz bewusst - für ehrenamtliches Engagement entscheiden würden.

    "Ein Tag hat nur 24 Stunden und da ist die Feuerwehr in einer Konkurrenzsituation mit allen anderen Organisationen, die bürgerschaftliches Engagement anbieten – von den Sozialverbänden bis zur Krötenrettung", sagte Rosenkranz. Viele Menschen würden sich ohnehin mittlerweile lieber projektbezogen engagieren als jahrelang in einem Ehrenamt, bei dem im Notfall auch nachts und am Wochenende Einsatz gefragt ist.

    Gezielte Mitgliederwerbung und Frauenförderung

    Sieben Berufsfeuerwehren und 7.552 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Bayern. Mit gezielter Mitgliederwerbung und vor allem Frauenförderung will man deren Zukunft sichern.

    Bisher liegt der Frauenanteil laut der Frauenbeauftragten des Landesfeuerwehrverbands Bayern, Andrea Fürstberger, bei zehn Prozent. Das entspreche genau dem Anteil der Feuerwehren, die überhaupt keine Frau im Team hätten. Nur ein Prozent der Führungskräfte sei weiblich.

    Um für Frauen attraktiv zu werden, müsse die Feuerwehr dabei helfen, Ehrenamt und Familie unter einen Hut zu bringen, so Fürstberger. Sie forderte daher Unterstützung in Form von Kinderbetreuungsmöglichkeiten bei Einsätzen, Übungen oder Lehrgängen.

    Wilfried Schober, beim Bayerischen Gemeindetag zuständig für die Feuerwehren, plädierte dafür, Frauen gezielt anzusprechen: "Ganz konkret in Bürgerversammlungen, wenn sie wieder stattfinden können, muss die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister offensiv werben, so dass die Damen sich im Raum einen Ruck geben."

    Ausbildungsoffensive mit flexiblem E-Learning

    Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands Bayern, Johann Eitzenberger, erklärte, dass der Ausbildungs- und Übungsbetrieb momentan unter der Pandemie leidet. Unabhängig von den Corona-Einschränkungen betonte er aber: "Wir brauchen eine Ausbildungsoffensive". Die Digitalisierung sei hier eine Herausforderung, aber auch der Weg in die Zukunft.

    Für den Leiter der Branddirektion München, Wolfgang Schäuble, ist die Ausbildung derzeit noch zu sehr an Präsenz gebunden, zu frontal gestaltet. "Um das individuelle Lernverhalten jedes Einzelnen zu berücksichtigen, muss es uns gelingen, hier stärker in Richtung selbst-erfahrbares E-Learning, aber auch in Richtung Virtual Reality zu schauen."

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!