BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Lebensgefährliche Stromschläge: Falscher Arzt vor Gericht | BR24

© picture-alliance/dpa

Ein ungewöhnlicher Fall – auch für Justizia.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Lebensgefährliche Stromschläge: Falscher Arzt vor Gericht

Ein falscher Arzt aus Unterfranken soll junge Frauen dazu überredet haben, sich Stromschläge zu verpassen. Der Schmerz der Frauen sei sein Fetisch, so die Anklage. Nun steht der Mann in München vor Gericht – wegen versuchten Mordes in 88 Fällen.

Per Mail sharen
Teilen

Die zuständige Staatsanwaltschaft München II spricht von einem "ungewöhnlichen Fall". Ein Fetisch soll das mutmaßliche Motiv des Angeklagten sein. Es soll ihn sexuell erregt haben, wenn eine Frau durch einen Stromschlag Schmerzen erleidet.

Opfer via Kleinanzeigen gesucht

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord hatte der heute 30 Jahre alte Mann aus dem Raum Würzburg von 2014 an über das Internet Kontakt zu seinen meist sehr jungen Opfern aufgenommen. Er fand sie, weil sie in Kleinanzeigen nach einem Nebenjob suchten. Und den bot er ihnen an.

Ermittlungsgruppe "Strom" bei Kripo Fürstenfeldbruck

Laut der zuständigen Ermittlungsgruppe "EG Strom" bei der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck gab der Mann sich als Mediziner einer renommieren Universität aus oder gab vor, dass er mit einer Münchner Universität zusammenarbeite. Er behauptete, Teilnehmerinnen für eine wissenschaftliche Studie zu suchen und bot dafür ein Honorar in Höhe von 1.500 Euro. "Lebensgefährliche Bewerbung für einen Nebenjob", schrieb die Polizei, als der Fall im vergangenen Jahr bekannt wurde.

Bauanleitung für Elektroschock-Apparate über Skype

Über Skype, so die Vorwürfe, wies er die Mädchen und jungen Frauen an, Apparate zu bauen, um sich selbst lebensgefährliche Elektroschocks zuzufügen. Als Elektroden sollen etwa Münzen und Besteck an Schläfen und nackten Füßen gedient haben. Diese Videochats zeichnete er auf – um sie sich immer wieder ansehen zu können.

Jugendliche aus Fürstenfeldbruck bringt Fall ins Rollen

Auf die Spur des IT-Fachmanns aus dem Landkreis Würzburg kamen die Ermittler, nachdem ein 16 Jahre altes Opfer aus Fürstenfeldbruck Anzeige erstattet hatte. Im Februar 2018 wurde er festgenommen, seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Laut Polizei weit mehr Opfer

120 Opfer aus ganz Deutschland sollen laut Polizei auf ihn hereingefallen sein. Dass nur 88 Fälle davon verhandelt werden, liegt nach Angaben der Staatsanwaltschaft daran, dass "in den weiteren untersuchten Fällen (...) eine Strafbarkeit nicht gegeben oder nicht nachweisbar" sei.

Falscher Arzt legt Teilgeständnis ab

Bei der Auswertung der sichergestellten Datenträger fanden sich nach Polizeiangaben mehr als 200 Videoaufzeichnungen, die der Festgenommene von seinen angeblichen Probanden angefertigt hatte. Laut Polizei hatte der Mann bei den Verhören im vergangenen Jahr ein Teilgeständnis abgelegt. Auch die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass er sich zu den Vorwürfen geäußert hat, ließ aber offen, wie.

Angeklagter ist gebürtiger Würzburger

Nun muss sich der 30-Jährige wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Missbrauch von Berufsbezeichnungen und anderen Delikten vor dem Landgericht München II verantworten. Für den Prozess gegen den gebürtigen Würzburger sind zunächst 15 Verhandlungstage bis zum Januar angesetzt.

© BR

Ein falscher Arzt aus Unterfranken soll junge Frauen dazu überredet haben, sich Stromschläge zu verpassen. Der Schmerz der Frauen sei sein Fetisch, so die Anklage. Nun steht der Mann in München wegen versuchten Mordes vor Gericht.