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Ministerpräsident Markus Söder beim Staatsakt 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre Bayerische Verfassung
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Nikolaus Neumaier
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Ministerpräsident Markus Söder beim Staatsakt 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre Bayerische Verfassung

Zum Doppeljubiläum 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre Bayerische Verfassung spielte das bayerische Staatsorchester Beethovens Leonoren Ouvertüre als musikalisches Freiheitssymbol. Ministerpräsident Markus Söder wünschte Bayern und den Bayern viel Glück und gratulierte: "Zum Geburtstag sage ich, es lebe der Freistaat Bayern und Gott mit Dir Du Land der Bayern.“"

Freistaat heißt "leben und leben lassen"

Der Begriff Freistaat stehe für leben und leben lassen. Es gehe nicht darum, sich von etwas zu befreien, etwa von Berlin, sondern um eine freiheitliche Grundhaltung: "Freiheitsliebend bedeutet, dass wir Bayern ein bisschen unabhängig sein wollen, ein bisschen anarchisch aber nicht anarchistisch", sagte Söder und erläuterte: "Man teilt der Obrigkeit gerne mit, dass nicht alles perfekt ist. Man wünscht sich auch kleine Änderungen, aber nicht einen grundlegenden Richtungswechsel."

Söder: In Bayern kann jeder sein Glück versuchen

Für Söder ist das freistaatliche Motto "vom leben und leben lassen" heute noch aktuell. Das gelte auch für die gerade gewählte neue Regierung. "Der Begriff des Freistaates, der passt jetzt auch zu dieser neuen Regierungskonstellation, nämlich ein Staat in dem keiner diskriminiert, in dem jeder seine Chancen bekommt."

Auf dem Weg zum Freistaat könne Bayern auf eine spannende und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Mit einem Augenzwinkern betonte der Ministerpräsident, dass Bayern meistens klug gehandelt habe: Eine Anspielung auf den spektakulären Wechsel weg vom Macher des Königreichs, Napoleon Bonaparte, auf die Seite der Gegner Napoleons, was das Land aber zum Gewinner machte. Söder beschrieb das so: "Bayern hat es eigentlich immer geschafft im Lauf der Geschichte zu stehen und dann auch den entsprechenden Nutzen daraus zu ziehen.“"

Statt Riva am Gardasee kam Franken zu Bayern

Im Lauf der Jahre habe sich auch das Gesicht des Landes mehrmals gewandelt. So entstand aus einem zersplitterten Territorium das heutige Bayern: "Da gab es einzelne Bereiche, die gingen bis nach Riva an den Gardasee herunter. Nun es änderte sich dann. Statt Riva am Gardasee kamen dann wir Franken dazu", erklärt Söder.

Aigner ist stolz auf das Erreichte

Landtagspräsidentin Ilse Aigner unterstrich die parlamentarische Kultur. Die Verfassungen hätten die Volksvertretung gestärkt. Nach der Revolution 1918 war Bayern das erste Land Deutschlands, das die Monarchie beendete. In diesem Sinne könne man trotz aller Rückschläge optimistisch in die Zukunft blicken, sagte sie und meinte: "Ich bin zuversichtlich, dass wir gerade mit unserer bewegten Geschichte eine ganz stabile Basis für einen sicheren Weg und auch in eine gute Zukunft haben und so können wir am heutigen, historischen Datum zu Recht feiern, stolz sein auf das Erreichte, aber auch optimistisch in die Zukunft schauen."

Historiker: Defizite bei der demokratischen Erinnerungskultur

Der Historiker Ferdinand Kramer, Lehrstuhlinhaber am Institut für Bayerische Geschichte der Universität München forderte, die demokratischen Leistungen stärker zu würden. Man brauche auch eine Erinnerungskultur für die bayerische Demokratie. "Wem sind die Orte bewusst, wo Demokratie entwickelt, gelebt und verteidigt wurde", fragte Kramer und regte an: "Vielleicht können wir aus diesem Jubiläum einen Anstoß mitnehmen für eine moderne Erinnerungspolitik der Demokratie in Bayern." Wir erinnern, so Kramer an das reiche kulturelle Erbe, auch die Zeit des Nationalsozialismus, aber viel zu wenig an das demokratische Erbe und die Orte der Demokratie in Bayern.

Staatsakt zum bayerischen Doppeljubiläum

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