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Eine Feldmaus schaut aus einem Mäuseloch

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Feldmausplage in Oberfranken macht Bauern schwer zu schaffen

Im Itzgrund in Oberfranken kapitulieren die Bauern vor einem kleinen, aber zahlenmäßig deutlich überlegenem Gegner: der Feldmaus. Alle drei bis fünf Jahre kommt es in Teilen Deutschlands zur Massenvermehrung von Feldmäusen. Keiner weiß, warum.

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Von
  • Frank Bäumer

Alle drei bis fünf Jahre kommt es in einigen Teilen Deutschlands zu einer extremen Massenvermehrung von Feldmäusen, deren genaue Ursache immer noch nicht vollständig geklärt ist. Es trifft die Ernte und damit die Bauern hart.

In machen Fällen zählen Wissenschaftler dann bis zu 10.000 Tiere auf einem einzigen Hektar Ackerland, die enorme Fraßschäden verursachen. Besonders betroffen sind in diesem Jahr Betriebe in Mitteldeutschland. Doch auch in Bayern leiden Landwirte unter teils massiven Ernteausfällen. Einige denken bereits ans Aufgeben.

Wiesen im Itzgrund sind besonders betroffen

Der Itzgrund zwischen Coburg und Bamberg ist eigentlich ein Überschwemmungsgebiet der Itz, das bereits seit der Jungsteinzeit landwirtschaftlich genutzt wird. Heute bauen Landwirte hier Gras als Futtermittel für ihre Rinder an. Die Bewirtschaftung durch den Menschen hat eine Auenlandschaft mit großen Grünflächen geschaffen, die zahlreichen Vogel- aber auch seltenen Schmetterlingsarten ein Zuhause bietet. Früher haben regelmäßige Überschwemmungen der Itz die Flächen und damit auch Mäusebauten überflutet. So wurden auf natürliche Weise die Feldmausbestände klein gehalten. Doch der Bau großer Hochwasserrückhaltebecken wie der Goldberg- und der Froschgrundsee verhindern inzwischen regelmäßige Überschwemmungen im Itzgrund.

Die Feldmaus - ein Meister in Sachen Fortpflanzung

So hat die Feldmaus jetzt ein leichtes Spiel, denn ihre Überlebensstrategie lautet: In kürzester Zeit so viele Nachkommen wie möglich zeugen. Weibliche Mäuse erreichen ihre Geschlechtsreife bereits im Alter von nur zwei Wochen und werden häufig schon während ihrer eigenen Stillzeit geschwängert. Nach einer Tragzeit von nur drei Wochen können sie dann bis zu 13 Junge gebären. Rein rechnerisch könnte ein einzelnes Mäusepaar vom Frühjahr bis zum Herbst 2.000 Nachkommen zeugen. Doch normalerweise verhindern nicht nur Überschwemmungen, sondern auch andere Faktoren wie Nahrungsmangel oder schlechte Witterung, dass es tatsächlich zu einer derartigen Vermehrung kommt.

Natürliche Feinde können nichts mehr ausrichten

Vor allem aber sorgen die natürlichen Feinde der Feldmaus in normalen Jahren für eine Regulierung der Mäusebestände. Sie ist die Nahrungsgrundlage etwa für Raubsäuger wie dem Fuchs oder dem Wiesel, aber auch für Eulen und Greifvögel. Reiher und Störche, die im Itzgrund leben, finden sich ebenfalls auf den gemähten Wiesen zur Mäusejagd ein.

Doch kein Räuber kann mit der enormen Vermehrungsgeschwindigkeit der Feldmaus schritthalten. Ab einer bestimmten Schwelle kommen sie mit dem Vertilgen nicht mehr hinterher. Auch den Bauern sind hier bei der Bekämpfung der Feldmaus die Hände gebunden, denn der Itzgrund ist ein Schutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie. So ist ihnen hier beispielsweise das Umpflügen der Felder und das sogenannte "Grubbern", bei dem die unterirdischen Bauten der Feldmäuse zerstört werden, in dem 1.100 Hektar großen Gebiet untersagt.

Auch Gift ist keine Lösung

So bleibt den Landwirten als einzige Möglichkeit der Einsatz von Gift, um die Feldmaus zu bekämpfen. Unter strengen Auflagen und mit einer besonderen Genehmigung dürfen sie dann Zinkphosphid ausbringen, das einzige in Deutschland zugelassene Mittel für diesen Zweck. Doch diese Form der Mäusebekämpfung ist extrem aufwändig. So müssen die vergifteten Weizenkörner mit Hilfe einer sogenannten "Legeflinte" von Hand in die Mäuselöcher gestreut werden. Anschließen verschließt man die Eingänge zu den Bauten, damit keine anderen Tiere die Giftköder fressen können.

Angesichts der unzähligen Mäuselöcher in dem betroffenen Gebiet ist diese Methode allerdings ein fast aussichtsloses Unterfangen. "Wir würden mit vier Leuten mindestens zwei Wochen brauchen, um alle Löcher so zu bearbeiten", schätzt etwa ein ortsansässiger Landwirt.

Mit Verhütungsmitteln gegen die Massenvermehrung

Doch sollten die Bauern tatsächlich die Feldwirtschaft im Itzgrund aufgeben, würde der Wald die Grünflächen zurückerobern. Die einzigartige Kultur- und Naturlandschaft ginge dadurch verloren.

Eine Lösung für das Feldmausproblem ist derzeit nicht in Sicht. Forscher am Julius-Kühn-Institut in Münster, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, arbeiten inzwischen an einem neuen Ansatz, um zukünftig eine Massenvermehrung von Feldmäusen in der Griff zu bekommen. Reproduktionshemmer, also Verhütungsmittel, sollen im Fall der Fälle das exponentielle Wachstum der Mäusepopulation bremsen. Nach Ansicht der Wissenschaftler reicht es aus, ein oder zwei Würfe im Jahr zu verhindern, um eine massenhafte Vermehrung der Feldmäuse wie in diesem Jahr zu verhindern. Doch bis solche Mittel tatsächlich zu Anwendung kommen, wird es wohl noch einige Zeit dauern.

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Die Feldmaus vermehrt sich in Deutschland rasant. Landwirte sprechen von einer regelrechten Plage. Die kleinen Nager schaden den Böden und ruinieren die Ernte. In Oberfranken überlegen einige Bauern sogar, ihre Betriebe aufzugeben.