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Fehlender Brandschutz: Bewohner müssen ihr Zuhause verlassen | BR24

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Rund 50 Leute mussten auf Anordnung des Landratsamts aus einer 70er-Jahre-Wohnanlage in Altreichenau im Kreis Freyung-Grafenau ausziehen weil der Brandschutz nicht ausreicht.

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Fehlender Brandschutz: Bewohner müssen ihr Zuhause verlassen

Weil der Brandschutz in einer 70er-Jahre-Wohnanlage in Altreichenau (Lkr. Freyung-Grafenau) mangelhaft ist, mussten rund 50 Bewohner auf Anordnung des Landratsamts ausziehen. Da half auch eine Klage nichts.

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Rund 50 Leute mussten auf Anordnung des Landratsamts aus einer 70er-Jahre-Wohnanlage in Altreichenau (Lkr. Freyung-Grafenau) ausziehen weil der Brandschutz nicht ausreicht. Da half auch eine Klage nichts: Das Verwaltungsgericht Regensburg hat diese Woche dem Landratsamt Freyung recht gegeben.

Landratsamt drohte Strafe von 5.000 Euro an

Anfang des Jahres forderte das Landratsamt Freyung die Bewohner im Haus Bergland auf, das Haus zu verlassen. Alle, die zwischen dem zweiten und achten Stock leben, mussten sich eine neue Bleibe suchen, andernfalls wäre eine Strafe von rund 5.000 Euro fällig geworden. Für die Bewohner ein Schock. "Wir wussten, dass was im Gange ist mit Brandschutz. Aber wir haben nicht gedacht, dass das dermaßen krass wird", erzählt ein Bewohner, der erst im Oktober eingezogen ist.

Verwaltungsgericht besiegelt das Aus

Rund 50 Bewohner sind gerade heimatlos. In ihren Augen könne das Haus, das rein aus Beton sei, gar nicht so einfach brennen. Sie fragen sich, warum bei dem Bau aus dem Jahr 1972 jetzt so Tempo gemacht werde. Die ersten Eigentümer haben auch schon geklagt. Doch das Verwaltungsgericht Regensburg hat dem Landratsamt Freyung diese Woche im Eilverfahren Recht gegeben.

Gefahr für Leib und Leben

Die Behörden stützen sich auf ein Brandschutz-Gutachten. Darin heißt es: Es bestehe Gefahr für Leib und Leben. Die Hausverwaltung hatte es in Auftrag gegeben und an das Landratsamt weitergereicht, erklärt Pressesprecher Christian Luckner. Der Gutachter bemängelt, dass nicht nur der erste Rettungsweg erhebliche Mängel aufweist, sondern auch, dass es keinen zweiten Rettungsweg gibt. Somit gebe es keinen Ermessensspielraum. "Der Schutz aller Beteiligten steht über allen anderen Interessen, auch wenn es hart ist", sagt Christian Luckner.

Brandschutzexperte: "Extrem seltener Fall"

Martin Wenzl aus Bodenmais ist Brandschutzexperte. Seit 15 Jahren prüft er in ganz Bayern Gebäude. Dass mal ein Trakt oder ein Zimmer gesperrt wird, komme öfter vor, erzählt er. Dass aber - wie hier alle Bewohner vom zweiten bis zum achten Stock - rausmüssen, sei sehr selten. So ein Fall sei ihm noch nicht untergekommen.

Bewohner geben Hoffnung nicht auf

Die Bewohner schildern, dass sie mit der Hausverwaltung gerade ein Konzept erarbeiten: neue Türen, neuer Fahrstuhl, bauliche Veränderungen. Wenn es nach ihnen geht, soll im Juni ein Gerüst aufgestellt werden. Die Bewohner hoffen, dass sie dann wieder in ihre Wohnungen können. Doch das Landratsamt sieht auch das anders:

"Das Problem ist: Ein Gerüst kann immer nur Teil der Lösung sein. Das Gerüst wäre der zweite Rettungsweg. Wenn man aber einen ersten Rettungsweg hat, der erheblich mängelbehaftet ist, dann hilft ein Gerüst allein nichts." Christian Luckner, Pressesprecher Landratsamt

Aus für das Haus Bergland?

Erst wenn das Haus komplett ertüchtigt ist, dürfen die Bewohner wieder einziehen. Das könnte Monate oder Jahre dauern. Ein Millionen-Projekt für eine Immobilie, die nicht mehr viel wert ist.