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Seitdem die Priorisierung nicht mehr gilt, wollen sich viele Menschen gegen Corona impfen lassen. Hausarztpraxen und Impfzentren brauchen mehr Impfstoff als momentan geliefert werden kann.

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Fehlende Corona-Impfstoffe – Menschen werden ungeduldig

Erstimpfungen in fränkischen Impfzentren und Arztpraxen stocken schon seit einigen Wochen. Die Staatsregierung hatte für die Zeit nach Pfingsten Besserung angekündigt. Doch noch immer gibt es zu wenig Impfstoff.

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Von
  • Susanne Nüsslein

Hier laufen seit Wochen die Telefone heiß: Die Mitarbeitenden einer Nürnberger Hausarztpraxis beruhigen die Patienten, die auf ihre Erst- oder Zweitimpfung warten. Praxismanager Martin Hausmann kümmert sich derzeit ausschließlich um Impftermine, weil momentan weniger Impfdosen zur Verfügung stehen, gibt es einen wahren Ansturm.

Fehlender mRNA-Impfstoff

Mangelware sind vor allem die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna: Momentan werden in der Nürnberger Praxis nur Zweitimpfungen verabreicht. Eigentlich wären rund 200 Impfungen in der Woche hier möglich, jetzt ist es nur Drittel. Dabei lassen neue Beschlüsse von Seiten der Politik die Nachfragen der Patienten eher noch steigen, so Hausarzt Christian Schacher: "Nachrichten, wie beispielsweise die Priorisierung wird aufgehoben oder wir können Kinder ab dem 12. Lebensjahr impfen, bedeuten für uns natürlich immer mehr Anfragen".

Ungeduld wächst nach mehr Freiheiten

Dann kämen immer mehr Patienten, die sich verständlicherweise wünschen, so der Arzt, "dass jetzt alle geimpft werden: die Kinder, die Jugendlichen, die die ganze Zeit mit die Hauptlast getragen haben, um die Eltern zu schützen". Sie wollten jetzt in den Urlaub oder ins Fitnessstudio und einfach mehr Freiheiten haben. Das sei alles verständlich, aber schränkt Schacher ein: "Wir können nur ein bestimmtes Kontingent bedienen – wir können nur eine bestimmte Menge an Patienten impfen."

Auch Impfzentren mit Engpässen

In Nürnberg haben bisher (Stand: 08.06.21) etwa 329.000 Menschen die Erstimpfung bekommen, etwa 108.000 die Zweitimpfung. Auch in den Nürnberger Impfzentren wird weit mehr bestellt als Impfdosen geliefert werden. Am vergangenen Wochenende waren es gar nur 29 Erst- und 2.700 Zweitimpfungen.

Erstimpfung nur bei überschüssigem Impfstoff

Und auch das Erlanger Impfzentrum führt derzeit gemäß den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege planmäßig nur Zweitimpfungen durch, wie Ute Klier von der Stadt Erlangen erklärt. Vereinzelte Erstimpfungen finden dort nur statt, um Impfstoffverwurf zu vermeiden.

Eigentlich hat das Impfzentrum Erlangen/Erlangen-Höchstadt mit seinen Außenstellen eine Kapazität von etwa 15.000 Impfungen in der Woche. Voll ausgelastet, sei es nie gewesen, so die Stadt. "In der 15. Kalenderwoche (im April) konnten wir 10.000 Impfungen durchführen. In der aktuellen Kalenderwoche bekommen wir lediglich Impfstoff für rund 3.000 Zweitimpfungen", so Ute Klier.

Wie Hausarztpraxen und Impfzentren Impfstoff bestellen

Sowohl die Hausarztpraxen als auch die Impfzentren sind an die offizielle Lieferkette gebunden. Wie Ulrike Goecken-Haidel, die Sprecherin des Impfzentrums Nürnberg erklärt, ist der direkte Impfstoff-Ansprechpartner bei der Stadt Nürnberg die Regierung von Mittelfranken. Dort gäbe es, so Goecken-Haidel, die Impfstoffkoordination, die wiederum mit dem Staatsministerium für Gesundheit in München kooperiert.

Die Mitarbeiter dort bekämen die Zuteilung weitergeleitet "und letztendlich schwebt über allem das Bundesministerium für Gesundheit, was sämtliche Impfpläne und Impfdosenverteitlungspläne macht. Wir leben im Grunde von der Hand in den Mund – wir bestellen immer mehr als wir bekommen", so Ulrike Goecken-Haidel weiter.

Genügend mRNA-Impfstoff ab Ende Juni?

Sie wünscht sich künftig wöchentlich 18.000 – 20.000 Impfdosen. Im Impfzentrum könnten täglich bis zu 2.300 Impfungen geleistet werden. Ihre Hoffnung und die der Hausarztpraxen ist, dass ab dem 28. Juni die Lieferengpässe behoben sind und der Nachschub des begehrten mRNA-Impfstoffes wieder in ausreichenden Mengen verfügbar ist.

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